Wildschweine erobern die Stadt

Berlin..  Im Kleingarten, auf dem Friedhof oder anderswo? Im Regen oder Sonnenschein? Zurückhaltend oder aggressiv? Wer in Berlin ein Wildschwein sieht, kann online Fragen wie diese beantworten – zugunsten der Wissenschaft. Daten, über die sich Doktorandin Milena Stillfried freut. Aus verschiedensten Quellen trägt sie Informationen über Berliner Wildschweine zusammen.

GPS-Halsbänder bringen Daten

Vor Jahren war es zu einer Art Invasion der Tiere in Gebieten am Rand der Hauptstadt gekommen. Wildtiere vor der Haustür zu erforschen, diese Idee kam damals am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) auf, erzählt Stillfried. Oberstes Ziel: verstehen und wissenschaftlich untermauern, warum Wildschweine in die Stadt kommen.

Sie und ihre Kollegen durchstreifen nun die Stadt, um Wildschweine zu fangen und sie mit GPS-Halsbändern auszustatten. Diese übermitteln Geodaten, anhand derer die Forscher die Aufenthaltsorte der Tiere nachverfolgen können. Zwölf Tiere, von geschätzt bis zu 4000 in Berlin, haben auf diese Weise bisher Daten beigesteuert.

Die Stadt kann daraus vieles lernen, sagt ein Sprecher – etwa wo Wildschweine besonders oft Straßen überqueren. „Mit dem Aufstellen oder Entfernen von Zäunen können wir dann reagieren.“

Doch die GPS-Daten allein reichen dem Forscherteam nicht aus: Sie sammeln auch genetische Proben, um etwa Verwandtschaftsverhältnisse zu untersuchen. Bei gejagten Tieren wird zudem der Mageninhalt untersucht. Bürger-Beobachtungen aus einem relativ großen Gebiet liefern Zusatzinformationen: „Natürlich interpretieren wir die Daten mit großer Vorsicht. Nur weil aus einer Region keine Meldung kommt, dürfen wir nicht annehmen, dass dort keine Wildschweine sind“, sagt Stillfried.

Mittlerweile ergeben die verschiedenen Aspekte ein Bild: Die Wildschweinrotten pendeln offenbar zwischen städtischen und ländlichen Gebieten, angeführt von der Leitbache. Sie sind extrem gut angepasst und „abgehärtet“ bei Begegnungen mit Menschen.