Weshalb gerade am heiligen Abend die Kirchen voll sind
24.12.2009 | 06:00 Uhr 2009-12-24T06:00:00+0100Essen. Wenn heute und morgen wieder die Kirchen voll sind, dann vermutlich nicht mit lauter Menschen, die die Menschwerdung Gottes feiern. Ulrich Reitz erklärt, warum es ein sehr menschlicher Widerspruch ist, eine Messe zu besuchen - auch wenn man sich nicht der Kirche verpflichtet fühlt.
Überzeugte Christen werden sich darüber freuen, selbst wenn sie ahnen, das auch überzeugte Nicht-Christen nur an diesem Tag das christliche Ritual bereichernd oder sogar erfüllend finden.
Es gibt gute, wenngleich sehr weltliche Gründe, heute in die Kirche zu gehen. Lange war es draußen dunkel, nun wird es wieder heller. Ein Anlass zur Hoffnung, wie die Geburt Jesu. Gerade in den vergangenen 20 Jahren ist uns mehr oder weniger abhanden gekommen, was Gemeinschaft stiftet. Sozialforscher finden viele Belege für diese Individualisierung des Lebens, die prinzipiell, als möglich gewordene Selbstverwirklichung, auch ihr Gutes, Fortschrittliches hat, wenn auch Schattenseiten. Heiligabend sind die Kneipen voll von einsamen Menschen.
Kirche stiftet ein starkes Gemeinschaftserlebnis. Das liegt an der Liturgie, auch wenn sie altmodisch anmutet. Positiv gewendet: Liturgie heißt, auf die Kirche ist Verlass. Dieser von dicken Mauern geschützte Raum liefert in der Heiligen Messe, was gerade zu diesem besonderen Tag, pardon, bestellt wurde, nämlich, sich im doppelten Sinn aufgehoben zu fühlen; zugleich beschützt und als Teil einer sympathischen Hoffnungs-Gemeinschaft. Wenn Christentum die Botschaft verkündet, das Leben werde schon irgendwie weitergehen, dann liegt darin ein großer Trost. Er wirkt umso mehr, je schlechter die Nachrichten sind. Und an denen herrschte gerade im ausklingenden Jahr nur wenig Mangel.
Es ist ein sehr menschlicher Widerspruch, eine Messe zu besuchen, ohne sich der Kirche verpflichtet zu fühlen. Es lässt sich aber auch die christliche Autorität des katholischen Papstes anerkennen, ohne seinen sexualmoralischen oder bioethischen Empfehlungen zu folgen. Menschen, die zu Hundert Prozent in ihrem Leben dem Wort Gottes oder dem seiner Verkünder folgen wollen, nennen wir Fundamentalisten. Christlicher Fundamentalismus ist, der Aufklärung sei Dank, mindestens in Europa, eine Minderheiten-Ansicht. Die Lehre aus der alles andere als gewaltfrei verlaufende Geschichte des Christentums lautet, dass niemand, der Fundamentalismus überwinden will, auf seinen Glauben verzichten muss; dies aber darf. Was wäre es für ein zivilisatorischer Fortschritt, wenn diese Botschaft in jeder mit mehr oder weniger gläubigen Menschen gefüllten Kirche gepredigt werden dürfte, ganz gleich, wo sie steht.

14:38
In den 50er Jahren wurde ich gelegentlich von Mutter und Oma Heiligabend zur Uchte (Mitternachts-messe) in die Wallfahrtskirche Bochum-Stiepel geschleppt - keine öffentlichen Verkehrsmittel - kein Auto: Dreiviertelstunde Fußmarsch. Die Kirche war
höchstens zu einem Drittel besetzt. Nach Jahrzehnten habe ich dann meine (ältere) Mutter und inzwischen uralte Oma noch einmal mit dem Auto nach Stiepel gefahren: Um den Kirchhügel ein einziges Verkehrschaos, die Kirche brechendvoll. Frage: Alle plötzlich fromm geworden?
13:46
Weihnachten zur Kirche - der Kaplan stürzt sich auf die Frau im Nerz, um ihr kräftig sekundenlang die Hand zu schütteln. Natürlich haben beide den alten Mann im abgetragenen Wollmantel am Stock übersehen. Interessanter ist da der Opferstock, in den zum Feste auch größere Scheine landen.
12:04
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11:43
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11:20
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10:59
lieber herr reitz,
sie haben geschrieben:wann fängt weihnachten an.....,
ich lebe das ganze jahr so, denn ich bin in der schwerstpflege tätig, dass heisst:meine kollegen und ich leben das ganze jahr so, nicht nur zu weihnachten!
das sollte nicht nur zu weihnachten gelten!
10:48
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10:07
Weihnachen in den Dom.
Karneval in die Prunksitzung.
Sommertags ins Freibad.
Abends auf die Mutti......
Lasst uns nicht mit guten Gewohnheiten brechen!!!!
09:22
meiner meinung nach ist der glaube schon seit jahrhunderen dazu verkommen um in der gesellschaft was zu bewegen. ob es nun die montags-demos in der ddr waren oder was weiss ich. ich denke das der glaube jedweder richtung immer was bezwecken will um irgendwas zu ändern. den friedlich fundamentalistischen glauben ob nun christlich, islamisch oder wer weiss was gibt es nicht mehr. er wird leider nur instrumentalisiert. ich glaube an nichts ausser an mich selbst. ihr dürft mich jetzt gern als egoist bezeichnen. amen :-)
09:04
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