Wenn Weißwurst und Leberkäse auswandern

Berlin.  . Labskaus in Stuttgart, Maultaschen in Berlin, Grünkohl in München und Spätzle allüberall. Deutschland hat viele regionale Leckereien vorzuweisen, und mit zunehmender Mobilität der Menschen wandert die eine oder andere Spezialität in andere Bundesländer aus.

Sabine Oertel hat in ihrem Umfeld ein gestiegenes Interesse an regionalen Gerichten und Produkten registriert und deshalb die Internet-Plattform „Deutsche-Delikatessen.de“ gegründet. Leberkäse, Schwarzwälder Schinken, Laugengebäck, Weißwurst und Weißbier gehören nach Ansicht von Oertel unter anderen zu den regionalen Produkten, die inzwischen deutschlandweit einen festen Platz auf den Einkaufszetteln haben. Dass vor allem süddeutsche Speisen den Sprung über die Landesgrenzen schaffen, liegt nach Ansicht von Prof. Marin Trenk, Ethnologe an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, daran, dass es im Süden „ausgeprägte Regionalküchen“ gebe. In Süddeutschland werde die eigene Küchentradition mehr geschätzt als im Norden, sagt der Experte für Kulinarische Ethnologie. Die Identifikation mit regionalen Gerichten ist größer, und damit geht wohl der Wunsch einher, Rezepte mitzunehmen und andere daran teilhaben zu lassen.

Keine Vermischung zu erwarten

Auch das nordische Gericht hat den Sprung in den Süden geschafft. Matjes nach Hausfrauenart findet sich überall, Rote Grütze gibt es in jedem Supermarkt. Das alles mit allem vermischt wird, wie in den USA üblich, ist laut Trenk in Deutschland nicht zu erwarten.