Warum Banker keine Nadelstreifen mehr mögen
09.06.2009 | 00:56 Uhr 2009-06-09T12:56+0200Essen. Die Finanzkrise beeinflusst auch die Modetrends: Der Anzugverkauf bricht ein, Business-Look ist out. Wer mag schon aussehen wie der typische Sündenbock des Wirtschaftskollapses. Dafür gibt es mehr "Bling-Bling" und Lässigkeit. Die Branche übersteht das ökonomische Tal bisher ganz gut.
Gierige Banker gelten als Sündenböcke der weltweit tobenden Finanzkrise. Das ändert auch das Modebewusstsein der Männer in Deutschland. „Ein Banker darf sich nicht mehr als Banker zu erkennen geben”, sagt Expertin Gudrun Allstädt vom Branchenfachblatt „TextilWirtschaft”. „Die Anzugverkäufe sind 2009 eingebrochen.” Symptom der Krise: „Ein schwarzer Anzug macht momentan niemanden mehr an; man kauft ihn, weil man ihn braucht”, sagt die Modebobachterin. Auch Männermäntel – ebenfalls ein Klasskier in Banker-Schränken – sind weit weniger begehrt als noch vor einem Jahr.
Mehr Lässigkeit, mehr Bling-Bling
In der Herrenmode und bei den Frauen geht der Trend weg vom Schicken hin zur Lässigkeit: „Es darf bloß nicht zu fein aussehen”, sagt Allstädt. „Gefragt sind Lässigkeit und Sportlichkeit.” Und je düsterer die Stimmung in der Wirtschaftswelt, desto leuchtender die Farben. 2008 waren Pastelltöne in, dieses Jahr knallige bunte Farben.
Noch einen Trend gibt es: Wenn die Bilanzen nicht mehr funkeln, dann wenigstens die Kleidung: „Bling-bling ist in”, sagen Modeexperten. Folgerichtig schimmern auf Shirts, Hosen oder Jacken Glitzersteine. All diese Trends dürften auch nächstes Jahr aktuell bleiben – ein Krisensymptom. „Experimentiert wird wenig”, sagt Allstädt. „Das, was sich bewährt, wird fortgesetzt.”
Branchenbeobachter kritisieren diese mangelnde Innovationsfreude. „Die Modewelt reagiert bisher auf die Krise mit alten Rezepten und einem Preiskampf”, kritisiert Elke Giese vom Deutschen Modeinstitut. „Die Menschen suchen aber Neues in der Mode”, glaubt die Fachfrau. „Die Krise zwingt uns allen Veränderungen auf, freiwillig oder unfreiwillig. Das will man im Äußeren ausdrücken.”
Doch die Modewelt habe ihre Kunden – die Umsatzerzeuger – vernachlässigt. „Die Branche hat die letzten Jahrzehnte vor allem dazu genutzt, ihre Logistik zu verbessern und die Produktion ins günstigere Ausland zu verlagern.”
Regelmäßig Krisen
Dieser Wandel machte aber die krisenerprobte deutsche Modebranche robuster, sagt der Chef des GermanFashion Modeverbands, Thomas Rasch. „Wir sind heute schlank, schnell und wendig.”
Die erste Krise traf die Branche in den 1970ern. Stichwort Globalisierung: Billige Kleidung aus dem Ausland überschwemmte laut Rasch den deutschen Markt. „Die Hälfte der Firmen ging damals pleite.” Deutsche Nähereien wurden zu teuer, Billiglohnländer lockten. Die zweite Krise kam in den 1990ern: Wendige Moderiesen wie H&M oder Zara erstarkten. Supermärkte verkauften nun auch Kleidung. Auf all das mussten sich deutsche Modefirmen einstellen. Heute konzentrieren sie sich auf Design und Vertrieb. Kleidung lassen sie im Ausland – in China, Bangladesch, Osteuropa oder der Türkei – nähen.
Das schützt die Branche bisher laut ihrer Interessenvertretung GermanFashion davor, im Wirtschaftsabschwung zu stark gebeutelt zu werden. Sie komme verglichen mit dem Maschinenbau und der Autoindustrie noch gut weg, findet Rasch. Auch wenn Karstadt taumelt und Hertie pleite ist: „Unsere Branche stellt Konsumgüter her, die nicht so teuer wie ein Auto sind. Das klingt banal, aber erklärt, warum es der Modebranche noch relativ gut geht.” „Relativ gut” heißt für den Verband in Zeiten wie diesen, dass der Umsatz in der Bekleidungsbranche im ersten Quartal um 9,2 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro sank. Im Gesamtjahr dürften die Erlöse um 5,3 Prozent sinken. Zum Vergleich: Im Maschinenbau sackten die Umsätze im ersten Quartal um 15 Prozent, in der Autobranche um 40 Prozent.
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17:14
was hat eine korrekte Garderobe mit den Bänker zu tun, auch Ihr Herr Reitz und Herr Hombach sind immer in passender Kleidung in den Medien. Aber ich stelle mir vor in der von Ihnen abgebildeten lässigen Kleidung würden diese Herren auch gut aussehen.
PS: Ihr Artikel passt in jedes Käseblättchen aber nicht in die WAZ. Ich hoffe das Niveau geht nicht noch weiter nach unten.
13:28
Vielleicht sähen die Anzüge trendiger aus, wenn die Streifen horizontal verlaufen würden:-))
12:13
Da bin ich aber beruhigt.
Ich dachte schon, die Gehälter wurden gekürzt.
11:56
Egal in welchem Outfit die auftraten - sympathsicher werden die dadurch auch nicht!
11:38
,..wäre schön, wenn der Anzug endlich als Berufskleidung anerkannt wird, damit man das Ding auch von der Steuer absetzen kann. Man kann nichtmal die Reinigungskosten von den Steuern absetzen!
@1: hieß das Buch nicht Nieten in Nadelstreifen?
08:48
was sich die Presse (derWesten) a´la Bild alles so einfallen lässt..
21:36
# 5
Die Panzerknacker hatten ja auch Ganovenehre. Wenn sich unsere Businessmen mit fremden Federn schmücken, dann lässt das doch Rückschlüsse zu, oder?
18:00
Anzüge mit Nadelstreifen sollten die Berufskleidung der Bankster werden, so kann man von Weitem einen Bogen um sie machen. Die Panzerknacker trugen sogar ihre Häftlingsnummern an ihren Anzügen.....
17:54
Is doch logo, denn wer läuft schon gerne im Nadelstreifenanzug rum, der so gerne mit den NIETEN verglichen wird...
16:44
Die Branche übersteht die Krise bisher recht gut.......
Kein Wunder bei der Steuergeldtransfusion vom deutschen Michel!
Dieser kapitalistische Vampirismus ist -was Art u. Umfang betrifft -ziemlich einmalig in der Geschichte.