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Wann denn, wenn nicht jetzt?

04.10.2009 | 11:43 Uhr

Sind jetzt Visonäre an der Macht? „Wir müssen mehr über Ziele reden. Auf den Wegen dorthin finden sowieso die tagesüblichen Kämpfe statt, die uns am Weitblick zu hindern versuchen.“

Das hat Angela Merkel Anfang des Jahres Vor-, Nach- und Querdenkern gesagt, die sie mit der Bitte ins Kanzleramt geladen hatte, für sie und die Republik mal weit über den Tellerrand zu schauen. Dabei ist ein Füllhorn kluger Ideen herausgekommen, die der Journalist Peter Felixberger in dem Buch „Deutschlands nächste Jahre“ aufgeschrieben hat.

Auch Guido Westerwelle will langfristig Zukunft gestalten. Vor dem Politischen Forum Ruhr in Essen präsentierte er sich Anfang September als Politiker, der sich nicht damit abfinden möchte, „dass sich Politik nur als bloßes Krisenmanagement für die kommenden zwei oder drei Jahre versteht.“ Vielmehr forderte er, Visionen zu entwickeln, wie wir in einer globalisierten Welt in 20, 30 Jahren leben wollen. Länder wie China, Brasilien und Indien mit sehr junger, aufstiegshungriger Bevölkerung träten in den Wettbewerb mit älteren und gesättigteren Völkern der Industrieländer.

Ab Montag sitzen Merkel und Westerwelle zusammen, um eine Koalition von Union und FDP für die kommenden vier Jahre zu zimmern. Der Wähler hat beiden mit satter Mehrheit die Wunschkoalition beschert. Doch statt Jubel, Aufbruchstimmung und dem gemeinsamen Entwerfen guter, vorwärtstreibender Ideen herrscht zwischen Union und FDP ein Klima des Misstrauens und Kleinmuts.

Wann denn, wenn nicht jetzt könnten Merkel und Westerwelle das Fundament für die Zukunftssicherung unseres Landes legen? Wir brauchen vor allem eine Bildungsoffensive, die auch die Kinder mit ausländischer Herkunft erfasst. Gegen die Überalterung, die unsere Sozialsysteme zu sprengen droht, brauchen wir eine kluge Einwanderungspolitik. Steuerreform, Alterssicherung, Ökologie im Einklang mit Industriepolitik, solide Gesundheitspolitik, Abbau der dramatischen Staatsverschuldung, innere Sicherheit und die Frage, wie wir es als wirtschaftliche Großmacht mit unseren Militäreinsätzen halten, sind weitere für unser Land zukunftsträchtige Felder.

Und wie wäre es, wenn Merkel und Westerwelle nicht vorwiegend altgediente Parteisoldaten zu Ministern machten? Der ein oder andere Querdenker könnte im Kabinett kreative Unruhe stiften. Damit die Zukunftssicherung unseres Landes im täglichen Klein-Klein nicht vergessen wird.

Wilhelm Klümper

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