Waffenhandel à la Alster
18.01.2008 | 14:36 Uhr 2008-01-18T14:36:15+0100NETZHAUT Man wirft den deutschen Behörden gerne mal ans Komatöse grenzende Langsamkeit vor, aber wenn sie ein Thema angehen, dann gleich gründlich. ...
... So wird bei einer Art Behörden-Ebay unter www.zoll-auktion.de fast alles versteigert, was den Beamten im Dienst in die Finger kommt. Als Anbieter tritt nicht nur der Zoll selbst auf und bringt große Posten beschlagnahmter Alkoholika an den Mann, auch andere Ämter leeren ihre Lager.
Und man wundert sich, was im Rahmen einer Zwangsvollstreckung so alles einkassiert wird. Von Opas Porzellannachttopf über einen gebrauchten Fußpflegestuhl bis hin zum (garantiert ungebrauchten) Grabstein aus Impala-Granit ist alles dabei.
Da wollte sich auch die Staatsanwaltschaft Hamburg nicht lumpen lassen und stellte zwei attraktive Pakete mit je sechs Klappmessern zusammen. Natürlich keine übertrieben großen Messer, sondern nur solche mit bis zu 10 cm lange Klingen, die so gerade eben noch nicht gegen Waffengesetze verstoßen. Und weil die Hanseaten es mit der Kaufmannsehre ganz genau nehmen, wiesen sie potenzielle Interessenten auch gleich auf etwaige Gebrauchsspuren an der beschlagnahmten Ware hin.
Von diesen Dingen besitzt die örtliche Polizei mehr als genug, seit Mitte Dezember ein Waffenverbot für die Reeperbahn und den Stadtteil St. Georg ausgesprochen wurde. Mit großem Aufwand kontrolliert die Polizei seither grimmig dreinblickende Pubertierende ebenso wie bayerische Touristen und lässt selbst unverdächtige Chefredakteurinnen die Handtasche leeren.
Uns mag diese etwas unorthodoxe Form des Wirtschaftskreislaufs überraschen, aber der Hanseat ist eben Händler durch und durch.
Katharina Borchert ist Chefredakteurin des Internetportals DerWesten.
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