Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Parteitag der Linkspartei

Vorübergehend kompromissbereit

21.06.2009 | 18:04 Uhr

Die Linksparei hat ihren Grundkonflikt wieder vertagt

Die Hoffnung, die Linkspartei werde sich vor laufenden Kameras  zerfleischen und so von der politischen Landkarte nehmen, war ein  Trugschluss. Selbst die größten Verächter dieses Sammelbeckens von  West-Radikalen und Ost-Pragmatikern, von Europa-Freunden und  Brüssel-Feinden, von enttäuschten Sozialdemokraten und ehrbaren  Gewerkschaftern, von Wichtigtuern und Abgemeierten müssen einräumen:  Die Linke reißt sich am Riemen, wenn sie muss.

In Berlin hat sich die tief zerrissene Partei von den beiden  Chef-Dompteuren Lafontaine (Theorie-Peitsche) und Gysi (Humor und  Herzenswärme) auf Kompromisskurs zwingen lassen. Wie schwer es  manchen Inhabern der allerletzten Weisheit fiel, Beiß- und  Streitlust  zu unterdrücken, war jedoch nicht zu übersehen. Der Grundkonflikt der Linken bleibt. Während die auf Dagegensein  fixierten Linksradikalen, vorzugsweise aus West-Deutschland, meinen,  man müsse nur dogmatisch genug gegen den Kapitalismus stänkern,  warnen die mitregierungswilligen Pragmatiker, vornehmlich aus dem  Osten, davor, durch immer radikalere Forderungen auch noch die  Restbestände  ernsthaften Gestaltungswillens  aufzugeben.

Die Abteilung Verstand hat sich durchgesetzt; vorläufig. Das  Wahlprogramm mag ob seiner in der Gesamtschau ungut ideologiesatten  Grundtönung kaum anschlussfähig sein - es aber als staatszersetzende  Einladung an Möchtegern-Weltrevolutionäre zu dämonisieren, wäre  töricht und beleidigte viele Wähler. Stimmenzuwächse für die Linke,  die im Osten längst vor der SPD rangiert, wären programmiert. Berlin ist aber nur eine Momentaufnahme. Der Häutungsprozess steht  noch aus. Ob sich die Linke zu einem koalitionstauglichen Akteur  entwickeln und Rot-Rot-Grün auf Länder- und später auch auf  Bundesebene eine Regierungsalternative zu Schwarz-Gelb werden kann  oder ob sie als irrlichternde Protestsplitterpartei in der  Meckerecke bleibt, darüber wird erst das kommende Jahr Auskunft  geben. Dann muss sich das Bündnis aus Ex-PDS-Ex-SED sowie WASG mit  ihren Ex-SPDlern erstmals ein gemeinsames Parteiprogramm geben. Bis  dahin werden die Karten neu gemischt. Personell wie inhaltlich.  Nicht nur in der Linkspartei.

Dirk Hautkapp

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/424472/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.