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Krimi

Volksverhetzer und Vollbartträger in Bombenstimmung

09.06.2009 | 18:19 Uhr

„Sprengkraft”: Der neue Krimi von Horst Eckert unternimmt einen explosiven Ausflug in die politische Großwetterlage

Jens Dirksen

Essen. Seine Krimis spielen (früher oder später) in Düsseldorf, und doch ist Horst Eckert längst aus der Regional- in die Bundesliga des deutschen Krimis aufgestiegen. Nach Jacques Berndorf ist Eckert das zweite Zugpferd des einschlägig bekannten Grafit-Verlags, und so hat man Eckerts Qualitätskrimis dort inzwischen aus dem Paperback-Ghetto in Hardcover-Höhen gehoben. „Sprengkraft”, Eckerts neuster Streich, ist nach dem glänzenden Afghanistan-Krimi „Purpurland” sein zweiter Ausflug in die politische Großwetterlage. Diesmal geht es um islamischen Fundamentalismus und den Nutzen, den rechtsradikale Parteien daraus ziehen, es geht um die allmähliche Talkshowisierung der Tagespolitik – und um die bisweilen dubiose Rolle der Geheimdienste in der erweiterten Kampfzone zwischen Vollbartträgern in Bombenstimmung und parolenschwingenden Volksverhetzern. Hinter denen steht ein bekannter Bauunternehmer, der Fußballstadien baut – Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht Zufall, sondern Methode. Das könnte Ärger geben...

Der Krimi beginnt mit seiner heikelsten Stelle: Eckert hat versucht, sich in die Hirn- und Herzenswindungen eines Einwandererkindes hineinzudenken, das vom Drogenhändler zum Fundamentalisten wird. Wie man das macht, das war schon zu lesen, am besten wohl in John Updikes „Terrorist”. Eckert aber wirkt steif und wenig überzeugend in dieser Rolle.

Rasender Thriller

Was kein Grund ist, sich vom Weiterlesen abhalten zu lassen: Da entspinnt sich ein rasender Thriller, der Momente der Spannung mit menschlicher Berührung ausbalanciert. Martin Zander, für Eckert-Leser ein alter Bekannter, und eine Kollegin jagen dem Dealer Noureddine hinterher – und landen in einem Bombenanschlag auf eine Hinterhof-Moschee. Und die Überraschungen, die dann folgen, sind auch nicht weniger böse. Ein guter Krimi!

Horst Eckert: Sprengkraft. Grafit-Verlag, 410 S., 18,90 €.

Jens DIRKSEN

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