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Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW

19.07.2009 | 19:46 Uhr

Düsseldorf. Auf 100 000 Menschen in NRW kommen 113 Zwangseinweisungen in die Psychiatrie. Zum Vergleich: Im Saarland sind es nur 8 pro 100 000 Menschen. In manchen Bundesländern wird diese Zahl nicht mal erhoben. Das NRW-Gesundheitsministerium sucht nun nach Lösungen.

Erstmals wurde bundesweit die Zahl der Zwangseinweisungen in die Psychiatrie abgefragt. „Sie spielen sich in weiten Teilen Deutschlands offensichtlich in Grauzonen ab”, klagt der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Romberg. Auf seine Initiative hin fand die Erhebung statt.

Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

In NRW liegt die Quote bei 113 Menschen pro 100 000 Einwohner, wobei es je nach Stadt erhebliche Unterschiede gibt. Während es in Bochum lediglich 30 Kranke je 100 000 Einwohner trifft, ist in Dortmund und Essen die Quote fünf Mal so hoch. Zum Vergleich: Im Saarland werden pro 100 000 Einwohner nur acht Menschen gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, in Bremen dagegen 150.

Scharf kritisiert Romberg, dass mehr als die Hälfte der Bundesländer, darunter Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, die Daten gar nicht erfasst. „Mangelndes Problembewusstsein” wirft ihnen der Politiker, selbst Nervenheilarzt, vor. „Zwangseinweisungen in die Psychiatrie sind ein erheblicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des einzelnen Menschen”, warnt Romberg. „Daher dürfen sie per Gesetz auch nur als letztes Mittel bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung angewendet werden.”

Indikator für Versorgung

Eine Patientin in ihrem Zimmer in einer psychiatrischen Klinik

Ein so einschneidender Eingriff in die Freiheitsrechte eines Bürgers – Voraussetzung ist ein richterlicher Beschluss auf Antrag einer Ordnungsbehörde – müsse genau dokumentiert werden, so Romberg. Zudem sei die Anzahl der Zwangseinweisungen ein verlässlicher Indikator für die psychiatrische Versorgungssituation in einem Bundesland. „Wer mit einer Depression zum Arzt geht und über ein Jahr auf einen Psychotherapieplatz warten muss, läuft große Gefahr, durch die fehlende Behandlung in eine Krise zu rutschen”, erklärt Romberg.

Das NRW-Gesundheitsministerium will die Schieflage nach Angaben einer Sprecherin im zuständigen Fachgremium der Gesundheitsministerkonferenz zur Sprache bringen, „um länderübergreifend Problemlösungen zu entwickeln”. Rombergs Einschätzung, dass die Zahl der Zwangseinweisungen Rückschlüsse auf die Qualität der psychiatrischen Versorgung zulässt, teilt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) allerdings nicht. Gleichwohl sei auch „vordringliches Ziel der Landesregierung”, die Zahl wegen der erheblichen Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte „möglichst gering zu halten”.

Christoph Meinerz

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Kommentare
20.07.2009
22:55
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #29

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.07.2009
16:57
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von zickzack | #28

NRW ist ein Ballungsraum, das ist die Erklärung. Noch immer wird scharf mit Psychopharmaka und Fixierung geschossen, wo sensible Betreuung dasselbe erreichen würde. geht aber nicht. Und Psychiater reden sich die Situation schön, indem sie den massiven Einsatz von Psychopharmaka rechtfertigen - bis der Arzt kommt ; )
In Bochum sieht die Situation deshalb anders aus, weil es das Weglaufhaus und eine sehr gute ausgebildete Phalanx an Sozialpädagogen und Psychotherapeuten gibt.
So wie es in jeder Stadt sein müsste.

20.07.2009
16:20
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von Grisu112 | #27

Wir haben in unserer Stadt 3 Krankenhäuser mit Psychiatrischer Station.
Aber nur in einem Krankenhaus wird man, wenn man alkoholisiert ist und sich eine Verletzung zugezogen hat psychiatrisch eingewiesen (Grund: Suchterkrankung).
Ist sowas überhaupt rechtens ???
Wenn ja, warum passiert sowas nur in diesem Krankenhaus.
Und ist es überhaupt richtig, daß die Feuerwehr statt des Ordnungsamtes den Verwaltungsakt durchführt ??

20.07.2009
12:00
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von Nessell | #26

Was Kommentator Kafka23 beschrieben hat, kann ich durch ähnliche Erfahrungen einer Bekannten
bestätigen. Die war nachher durch die Willkür so traumatisiert, dass sie sich das Leben nahm. Die Betreuerin hatte ihr z.B auch das Taschengeld zugeteilt, d.h. sie brachte der Patientin für 50 Euro Zigaretten mit, liess sich aber 100 Euro dafür quittieren, ansonsten hätte sie die Zigaretten nicht herausgerückt..

20.07.2009
10:54
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von Kafka23 | #25

zu kommentar 19# und alle die die gleiche Meinung sind wie 19
wünsche ich das Sie das erleben was ich erlebt habe
von wegen FREIWILLIG
ich bin von gleich auf jetzt auf ein Schreiben vom Verwanten vom Amtsgericht für 3Jahre unter Betreuung gestellt worden habe das Schreiben nicht ernst genommen sollte ja nur eine Anhörung sein in wirklichkeit war das schon beschlossene Sache ich konnte nichts dagegen machen
die Bertreuerin hat mich dann Zwangseinweisen lassen
der Witz an der Sache war das die Ärzte nur das getan haben was die Bettreuerin erlaubt hat die Ärzte haben erst die Betreuerin gefragt und das ja oder nein gesagt dann frag ich mich doch mal wo für noch Ärzte in der Psychatrie wenn Sie nicht entscheidungen treffen können
weder konnte ich die Berteuerin verklagen noch das Amstgericht ich bin in meinem Leben noch nicht so gedemütigt worden als in der zeit der Betreuung um es kurz zu machen mich hat die ganze Betreuung 18000 euro gekostet die ich verloren habe also kommen sie mir nicht damit wie schwer das ist
zu mindestens wo Leute Geld haben geht das ganz schnell denn die müssen ja alles selber zahlen für eine Betreuung die Sie nie wollten
und ich bin kein einzelfall es gab schon sehr viele Sendungen im Fernseh die darüber berichtet haben leider immer um Mitternacht wenn cdie meisten kein Fernseh mehr kuken
wünsche es keinem aber die so tun als gebe das nicht wünsche ich das Sie das mal erleben und dann auch liebe Leute angewiesen sind die einem da wieder raus helfen bei mir hat es 2jahre gedauert bis man mich wieder FREI gesprochen hat hatte aber auch kein Geld mehr
und da ist nun mal NRW sehr schnell bei der
Sache wollte man ja mal erschweren aber bis jetzt ja wohl noch nicht oder?????

20.07.2009
10:48
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von Angehöriger | #24

Nachtrag zu # 17
Wenn ein Richter entgegen dem Rat des Arztes
eine Einweisung ablehnt, erleben Angehörige
und Mitmenschen oft die Hölle auf Erden. Der
Kranke fühlt sich durch den Richter bestätigt, er
sei garnicht krank und läuft zur Hochform auf.
Der Kranke selbst kommt auch nicht ungeschoren
davon. Wenn die Phase vorbei ist und er sieht,
was er angerichtet hat, befällt ihn oft die Verzweif-
lung. Er wird schwer depressiv. Eine neue Runde,
diesesmal entgegengesetzt ist eingeläutet.

20.07.2009
10:37
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von dsnero20090707 | #23

Wäre schöne, wenn bei solchen Zahlen auch etwas qualifizierendes stände - z.B. sind das 113 von 100000 pro Jahr oder jemals im Leben!? Bei pro Jahr wären das in NRW rund 20.000 Betroffenen im Jahr!

20.07.2009
10:36
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von vati | #22

welche Vorstellungen haben denn manche Leser hier. ich habe die Erfahrung gemacht,daß gerade die die sich über die Psychiatrie aufregen (Umgangston KLAPSE) aber auch gar nichts über psychische Krankheiten wissen oder wissen wollen. kommen sie dann mal auf eine Geschlossene als Besuche werden die Kranken beglotzt wie Tiere im Zoo. Kriegt man ja son st nicht zu sehen!!!!

20.07.2009
09:36
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von Angehöriger | #21

Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem
jeder so verrückt sein kann wie er will.
Einzige Einschränkung: Er darf sich und Andere
nicht gefährden.
Der Glaube, man könne jeden,der einem im Wege
ist, einweisen lassen, ist dummes Zeug.
Selbst bei schwersten psychischen Erkrankungen
wird erst versucht, einen FREIWILLIGEN Aufent-
halt zu erreichen. Wird der abgelehnt, wird der
Patient zwangsweise festgehalten. Dann wird im
Beisein eines Anwalts des Patienten von einem
Richter entschieden, ob die Einweisung zu Recht
besteht.
Ein Arzt einer Klink hat mir erzählt wie es oft weiter-
geht: Der Richter verweigert die Unterschrift. Der
Kranke muss entlassen werden. Die Krankheit
schreitet fort, der Patient treibt es immer toller,
wird wieder eingewiesen. Jetzt unterschreibt der
Richter. Wochenlange, wertvolle Zeit wurde ver-
schenkt die zur Behandlung genutzt werden konnte

20.07.2009
09:05
Viele Zwangseinweisungen in die Psychiatrie in NRW
von TDecker | #20

Die Hürden für eine mehrtätgige Zwangseinweisung ohne richterlichen Beschluss und Rechtsbeistand sind praktisch gering. Erst danach wird der Patient von erfahrenen Ärzten untersucht - davor sind es meist Beurfsanfänger, die lieber vorsichtshalber alles wegsperren. Aber auch eine spätere Untersuchung kann durchaus 2 Wochen Krankenhaus bedeuten, da sich die Ärtze erst einmal auf Aussagen der Nichtpaptienten (Angehörige, Polizei etc.) verlassen. Außerdem sind viele Pat. so mit Medikamenten zugedröhnt, dass ihr Normalität ohnehin nicht zu erkennen ist.
Und hatte jemand einmal (etwa vor 20 Jahren) ein psychisches Problem, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er viele Wochen bleibt. Der Richter, der dann über die Zwangseinweisung entscheidet, verlässt sich eh auf den Arzt. Einen Rechtsbeistand oder alternativen ärtzlichen Gutachter hat der Patient meines Wissens nicht.

Die Psychiatrie wird seit alters her dazu benutzt, Leute wegzusperren, die stören.
Auch heute sehr beliebt als Grund für Einweisungen Opa schmeisst das Geld zum Fenster raus. Er müsste es ja nur den richtigen geben, dann hätte er kein Problem. Schauspieltalent der Angehörigen sind auch günstig für Zwangseinweisungen. Und wenn man dann noch ins Feld führt, dass derjenige sich nicht richtig wäscht, seine Wohnung ein Chaos ist, keinen Sinn im Leben mehr siech oder verfolgt fühlt, dann hilft das auch, jemanden erst einmal wegzusperren.

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