Viel Lärm um nichts
10.04.2008 | 18:56 Uhr 2008-04-10T18:56:00+0200Essen. Die Diskussion um EU-Pläne, deutsche Synchronisation abzuschaffen, löste sich am Donnerstag in Luft auf. Eine Nachrichtenpanne in Brüssel hatte Öffentlich-Rechtlichen und der Synchronbranche die Sprache verschlagen.
Das Europaparlament will TV-Filme in öffentlich-rechtlichen Sendern nur noch als Original ohne deutsche Synchronübersetzung laufen lassen, hieß es am Mittwochnachmittag aus Brüssel. Eine glatte Fehlmeldung, wie sich gestern herausstellte. Eine Nachrichtenagentur hatte sich verzettelt – was indes einige Politiker nicht davon abhielt, ernsthaft zur fiktiven Materie Stellung zu beziehen. Fakt ist: Diskutiert wird über den Service, sämtliche Sendungen mit Untertiteln zu versehen, wie es die britische BBC seit Anfang des Monats praktiziert.
Das ZDF hatte die korrekte Sachlage bereits gestern früh erkannt, als Sprecher Walter Kehr auf WAZ-Anfrage bezweifelte, dass das deutsche Synchronwesen um seine Grundlage zittern muss. Hektik sei beim Mainzer Sender ohnehin nicht aufgekommen, „weil es sich um keine Initiative gehandelt hätte, die uns nach deutschem Mediengesetz beeinflussen könnte”.
Mehr Untertitel geplant
Was die Untertitelung betrifft, sei derzeit die Novellierung des 12. Rundfunkstaatsvertrages im Gange: „Und dieser sieht vor, dass der Einsatz von Untertiteln verstärkt werden soll”, sagt Kehr, „eine Bemühung, die wir allerdings schon seit Jahren kontinuierlich verstärken”. Eine Forderung nach ausschließlich in Originalsprache gesendeten Filmen, etwa von Hollywoodproduktionen, wäre laut Kehr hanebüchen gewesen: „Über Nacht hätte sich unser Programmvorrat dramatisch dezimiert”.
Aufatmen auch beim Interessenverband der Synchronschauspieler in Berlin. Zu dessen Vorstand gehört Engelbert von Nordhausen, die deutsche Stimme von Stars wie Bill Cosby und Samuel L. Jackson. „Lächerlich”, schimpfte der 60-Jährige gestern Nachmittag gegenüber der WAZ, „die Politiker wären gar nicht intelligent genug, um die Hintergründe des Synchronisationswesens beurteilen zu können”.
Manchmal besser als das Original
Das Übersetzen von Filmen habe in Deutschland seit Ende der 30er Jahre Tradition: „Damals versuchten Laurel und Hardy in den USA, ihre Filme in mehreren Sprachen zu drehen, was natürlich nicht klappte”, erklärte er. „Professionelle Sprecher schwitzen Blut und Wasser bei der Arbeit. Robert De Niro würde mit seiner mittelmäßigen Originalstimme nur zehn Prozent seiner Filme in Deutschland verkaufen”, ist sich der Synchronschauspieler sicher.
Er glaubt auch, dass keine Untertitelung an die Synchronisation heran kommt: „Jeder, der schon mal Untertitel bearbeitet hat, weiß, dass die ganzen gesprochenen Informationen überhaupt nicht dort hinein passen”, sagte von Nordhausen, der selbst in rund 1000 Filmen Dialogregie geführt habe. Dass seine Arbeit nun scheinbar von Brüssel unangetastet bleibt, bedeutet nicht nur für ihn ein Happy End: Der Produktionsstab aus Sprechern, Produzenten und weiteren wichtigen Mitarbeitern umfasse dem Experten zufolge etwa 4000 Menschen.

07:54
Regulierungswahn der überbezahlten (T)eurokraten.
00:59
Erschreckend finde ich die arroganten Stellungnahmen der Synchronsprecher. Ich persönlich habe es satt, immer wieder von denselben salbungsvoll-nasalen Synchronstimmen belästigt zu werden, die von Stimmung und emotionalen Feinheiten nur sehr wenig zu kommunizieren verstehen. Es sind eben Übersetzer und keine Schauspieler ...
00:45
So habe ich mir die Stellungnahme nicht vorgestellt. Der Fehler wird auf eine Nachrichtenagentur geschoben.
Über den Fehler der WAZ, die Falschmeldung ohne zu rechergieren einfach zu übernehmen und in zwei Berichten und einem Kommentar zu publizieren, wird nichts gesagt. Stattdessen wird der Originalartikel aus DerWesten nach kürzester Zeit entfernt.
Was ist denn das für ein Stil?
22:13
Eine Nachrichtenagentur hatte sich verzettelt – was indes einige Politiker nicht davon abhielt, ernsthaft zur fiktiven Materie Stellung zu beziehen.
Und es hat die WAZ nicht davon abgehalten, darauf hereinzufallen und diesem Unsinn den SEITE 1-Kommentar ernsthaft zu widmen.
Wie war das nochmal mit dem Glashaus?
21:59
@Alex: Bloß gut daß die italienischen, französischen und russischen Filme auch alle auf Englisch sind, oder?
@Hr. Kruska: Wo ist eigentlich der Originalartikel von heute mit den Kommentaren? Und das unreflektierte Übernehmen einer afp-Falschmeldung sowie das Unterlassen einer kurzen Recherche (so lang ist der Parlamentsbeschluß nun auch nicht) zugunsten eines Seite-1-Kommentars als Nachrichtenpanne in Brüssel zu titulieren ist schon, gelinde gesagt, etwas dreist. Die Sorgfalts-Panne hat in Essen stattgefunden.
21:51
das hätte schon zur eu gepaßt so etwas hanebüchenes zu schaffen.
gut das das nicht kommen wird.
@alex:
klar kann man so besser englisch lernen und sicherlich sollte man mittel und wege finden um eine techische umsetzung für diejenigen zu schaffen ,die auf diese art englisch lernen wollen.
aber man sollte das nicht jedem einfach so aufs auge drücken.
schließlich geht es hier auch um unterhaltung.
20:33
Wir sollten besser mal auf Untertitel umschalten - dann würden wir auch schneller englisch lernen. Für ältere Menschen ist dies natürlich nicht das beste aber ich habe vor 20 Jahren damit sehr schön englsch gelernt - besser als in der Schule!
20:03
Da haben Sie aber der Zielgruppe von ARD und ZDF einen gehörigen Schrecken eingejagt, die aufgrund ihrer Altersstruktur in der Mehrzahl kein ausländisch kann . Diese Ente kann auch von Protesen-Trägern, wenn auch heiß gekocht, ebenso gegessen werden.