Verdi wirft Schlecker Lohn-Dumping vor
30.07.2009 | 17:22 Uhr 2009-07-30T17:22:00+0200
Ruhrgebiet. Die Gewerkschaft Verdi prangert den Sparkurs beim Drogerie-Discounter Schlecker an. Dieser will seinen Mitarbeitern keine Überstunden mehr bezahlen. Stattdessen sollen Leiharbeiter die Mehrarbeit machen.
Der Drogerie-Discounter Schlecker zahlt seinen rund 35 000 Beschäftigten nach Betriebsrats-Angaben keine Überstunden mehr. Stattdessen würden ab August Leiharbeiterinnen die anfallende Mehrarbeit leisten. „Hier geht es um den Ausstieg aus dem Tarif”, sagt Verdi-Sprecher Reiner Kajewski.
Betriebsräte und Gewerkschaft befürchten, dass sich der schleichende Personalabbau drastisch auswirkt: Nachdem im Jahr 2008 mehr als 500 Filialen geschlossen wurden, geht Verdi für die nächsten Jahre von möglichen weiteren 400 Schließungen und potenziell 12 000 gefährdeten Mit-arbeiterinnen aus – und zwar an jenen Standorten, an denen Schlecker „XL”-Märkte eröffnet. Schlecker ist nach Gewerkschaftsangaben der größte Drogerie-Discounter mit 10 000 Verkaufsstellen in Deutschland. Weil die Konkurrenten „dm” und „Rossmann” deutlich zulegten, gerate Schlecker unter Druck.
Arbeiten für den Lohn eines Berufsanfängers
„Die müssen sparen”, sagt Gewerkschaftssekretär Kajewski. Er versucht Licht in die aktuelle Taktik des Unternehmens zu bringen: „Würden die offiziell erklären, die alten Märkte zugunsten der XL-Märkte zu schließen, wäre das eine Betriebsänderung.” Diese erfordere allerdings einen Interessenausgleich und einen teuren Sozialplan.
Weil die XL-Märkte eine andere Rechtsform als die Schlecker-Verkaufsstellen hätten, könne die Stammbelegschaft nicht ihren Arbeitsplatz tauschen, sagt Kajewski. „Das ist auch gar nicht gewollt.” Die Arbeitsverträge für die XL-Märkte seien befristet. Eine Schlecker-Betriebsrätin sagt, die Frauen arbeiteten zu einem Lohn, der trotz jahrelangen Arbeitens für Schlecker, dem eines Berufsanfängers entspreche. „Da können wir uns bewerben. Wenn wir bereit sind, befristet zu sein und deutlich weniger zu verdienen. Also für 6,50 Euro.”
Befristete Arbeitsverträge und die Inanspruchnahme von Personaldienstleistern seien normal
Laut Verdi rekrutiert der Discounter seine neuen Mitarbeiterinnen bei der Leiharbeitsfirma „Meniar”. Hier halte ein Ex-Schlecker-Geschäftsführer die Fäden in der Hand. Alle Bewerbungen für XL-Märkte liefen über diese Firma, die Mitglied im Arbeitgeberverband der Personalleaser sei. Die habe eine Tarifvertrag mit der CGZP abgeschlossen, jenem Teil des Christlichen Gewerkschaftsbundes also, der vom Berliner Arbeitsgericht als nicht tariffähig eingestuft wurde. „Daher die Dumpinglöhne”, sagt Achim Neumann, Verdi-Unternehmensbetreuer.
Das Unternehmen Anton Schlecker sprach von einer Desinformationskampagne der Gewerkschaft. Die XL-Märkte seien ein ergänzendes, kein ersetzendes Angebot. Befristete Arbeitsverträge und die Inanspruchnahme von Personaldienstleistern seien normal. Die Stundenlöhne bewegten sich zwischen 6,78 und 13 Euro. Ob Schlecker mit Meniar eine eigene Leiharbeitsfirma gegründet habe, wurde nicht beantwortet.
Verdi, so erklärt Achim Neumann, berufe sich auf verlässliche Quellen. Man habe ein aktives Netzwerk von Betriebsräten und Mitarbeitern.

22:28
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11:24
Der Mindestlohn …. Auch für Zusteller der WAZ?!
Als Betroffener bin ich immer wieder begeistert, wie engagiert die WAZ die Mindestlohndiskussion begleitet und in den Kommentaren Mindestlöhne befürwortet. So weit - so gut!
Allerdings scheint weder den Berichterstattern noch den Kommentatoren bekannt zu sein, dass im eigenen Konzern Hungerlöhne für die Zusteller, das wichtige „letzte Glied zum Kunden“ -siehe Stellenangebote! – gezahlt werden, von den Arbeitsbedingungen (Witterung/Nachtzeit) ganz zu schweigen:
Für im Schnitt 100 Zeitungen pro Tag bei einem Zeitaufwand von ca. 70 Minuten und 25 Arbeitstagen je Monat erhalte ich ca. € 4,91 je Stunde, wobei noch eine teilweise zu versteuernde Nachtzulage von durchschnittlich € 1,02 hinzukommt, insgesamt also stolze € 5,93 je Stunde!
Es gibt auch bezahlten Urlaub von 24 Werktagen bei einer 6-Tagewoche, was bedeutet, dass ich tatsächlich 4 ganze Wochen im Jahr frei habe.
Ach ja, hätte ich fast vergessen, Weihnachtsgeld gibt es selbstverständlich auch, wenn nicht die Geschäftsleitung, wie im Vorjahr geschehen und dank des Engagements des einzigen Betriebsrats schließlich verhindert, erneut versucht, die Kostenschraube an uns Zustellern anzuziehen.
Selbstverständlich ist jeder Zusteller für seine witterungsgerechte Bekleidung und Schuhwerk sowie für Leuchtmittel und Batterien selbst verantwortlich und trägt hierfür auch die Kosten.
Wenn das Auto für die Zustelltätigkeit benutzt wird, was in vielen Revieren notwendig ist, wird dies mit einer Vergütung von € 0,21 je im Revier gefahrenen km abgegolten, wobei es keine Rolle spielt, dass die Fahrzeuge durch ständiges stop-and-go außerordentlich stark beansprucht werden. Auch für verstärkte Verschmutzung der Fahrzeuge, gerade in ländlichen Revieren, erfolgt kein Ausgleich.
Ich würde mich freuen zu dieser Thematik in der WAZ einen Bericht zu lesen, glaube aber nicht wirklich an Wunder!
21:05
Verdi-ausgerechnet, die lassen doch ihre Leute
( Gewerkschaftsmitglieder ) im Regen stehen, und fliegen lieber in die Sonne, wärnd die Kollegen um ihre Arbeitsplätze kämpfen.
Leih- Arbeit ist Menschenhandel.
07:50
Tja, die VerLIDLung scheint nicht mehr aufhaltbar zu sein, oder doch? Jetzt, wo das Jobwunder Leiharbeit sich als Mogelpackung entlarvt, die Verantwortlichen in absehbarer Zeit aus der Regierung gefegt sind und wie schon Clement oder Gerster anderweitig ihre Aufgabe finden, könnte ein Umdenken einsetzen. Der Verbraucher ist nicht gezwungen Produkte, ob aus Industrie oder Einzelhandel kommend, mit überproportioniertem Anteil an Arbeitskräften aus Niedriglohn und Zeitarbeitsstrich, zu kaufen. Er kann durchaus die gleiche Verantwortung zeigen, die er vermehrt bei Lebensmitteln aus artgerechter Tierhaltung zeigt.
14:53
Wem das nicht passt, geht doch einfach nicht bei Schlecker einkaufen. Aber ihr wollt doch alles billig. Daher erst mal an die eigene Nase fassen.
10:16
BZA-Präsident Volker Enkerts fordert eine entfesselte Zeitarbeit ;-)))
Wirtschaftspolitik ist eine echt komplizierte Geschichte, zumal gerade hier in Deutschland keiner zufrieden gestellt wird. Aber, wir erleben es doch gerade, Deutschland ist ein Exportland. Und der Export befindet sich gerade im freiem Fall. Also was bleibt? Die Binnennachfrage. Die Binnennachfrage mit Zeitarbeitern ankurbeln?
P.S. Meniar hat was mit Schlecker zu tun. Immerhin ist Alois Over der Geschäftsführer. Und Herr Over hat bei Schlecker eine eigene Emailadresse: a.over@de.schlecker.net. Ob die echt ist weiß ich nicht. Kann man aber ergoogeln.
Ach, im Zusammenhang Zeitarbeit. Herr Enkerts fordert, den Begriff Leiharbeit aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu streichen. Herr Enkerts, wie wäre es mit Perenniservus?
10:02
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09:11
Erst heute hat die Gewerkschaft bemängelt, dass zu viele Überstunden gemacht werden und darunter die Familie leidet. Was denn nun...?
Typisch rote Gewerkschafter: Immer rumnölen, egal worüber, hauptsache in der Presse...
08:07
Pure Heuchelei. Der Mob jammert, wenn die Butter bei Aldi 30 Cent teurer wird und beklagt andererseits niedrige Löhne der Angestellten. Der deutschen Lamoryanz ist nichts hinzuzufügen.
07:49
Kennt Ihr eine Handelskette, die für gute Löhne bekannt ist?
Es ist schön, dass Schlecker gerade an Kreuz genagelt wird, aber mich würden die positiven Gegenbeispiele interessieren.
In welcher Kette kann ich mein Geiz ist geil mit guten Gewissen ausleben? Ich befürchte nirgends. Mehr Lohn heißt auch höhere Preise (oder weniger/ungelerntes Personal), und dann sind die Verbraucher auch nicht zufrieden.
Schwer zu lösen....