US-Journalistin im Iran wegen Spionage zu acht Jahren Haft verurteilt
19.04.2009 | 17:03 Uhr 2009-04-19T17:03:00+0200
Kairo. Ein ungewöhnlich hartes Urteil gegen eine amerikanisch-iranische Journalistin hat zu einem Rückschlag für die Bemühungen von US-Präsident Barack Obama geführt, das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran zu entspannen.
Saberi, die im US-Bundesstaat North Dakota aufgewachsen ist und die seit sechs Jahren im Iran lebt, wurde in Teheran in einem Schnellverfahren hinter geschlossenen Türen wegen Spionage für die USA mit acht Jahren Haft bestraft.
Präsident Obama zeigte sich nach Angaben seines Sprechers Robert Gibbs „tief enttäuscht angesichts dieser Nachrichten”. Seine Gedanken und seine Gebete seien bei Saberi und ihren Eltern. Aus Sicht des Weißen Hauses sei es wichtig, „dass diese Situation geklärt wird”.
Mit einer Videobotschaft an die iranische Führung gewandt
Obama hatte sich vor drei Wochen zum persischen Neujahrsfest mit einer Videobotschaft an die iranische Führung und das iranische Volk gewandt und vorgeschlagen, die Beziehungen beider Völker auf eine neue Grundlage zu stellen. Die USA und der Iran unterhalten seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die iranische Resonanz auf die amerikanische Initiative war jedoch bisher sehr zurückhaltend.
Auch Außenministerin Hillary Clinton, die noch am 31. März auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in Den Haag der iranischen Delegation ein Schreiben mit der Bitte um Freilassung von Roxana Saberi übergeben hatte, zeigte sich „tief enttäuscht”.
In einer ersten Reaktion übte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag überraschend Kritik an dem Verfahren und forderte einen fairen Prozess. In einem Brief fordert er die zuständige Staatsanwaltschaft auf, dafür zu sorgen, dass „Beschuldigte alle legalen Freiheiten und Rechte bekommen, um sich gegen die Anklagen verteidigen zu können”.
Seit Januar im Teheraner Gefängnis
Saberi, die neben der amerikanischen auch die iranische Staatsbürgerschaft besitzt, war im Januar festgenommen worden. Seitdem sitzt sie im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Ursprünglich warf die iranische Justiz der Reporterin und Buchautorin vor, eine Flasche Wein gekauft zu haben, was in der Islamischen Republik verboten ist. Dann erklärten die Behörden, Saberi habe seit 2006 ohne Presseakkreditierung und daher illegal im Iran gearbeitet – vor allem für das amerikanische National Public Radio (NPR) und den britischen Rundfunksender BBC.
Am Ende jedoch wurde ihr dann wegen angeblicher Spionage für die USA der Prozess vor einem Revolutionsgericht gemacht. Ihr iranischer Vater und ihre japanische Mutter reisten letzte Woche von Nord Dakota nach Teheran. Zuvor hatten sie vergeblich an den obersten geistlichen Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, appelliert, ihre Tochter wegen schlechter seelischer Verfassung freizulassen.
Ein falsches Geständnis abgepresst
Nach Angaben der Eltern wurde Saberi im Evin-Gefängnis ein falsches Geständnis abgepresst mit dem Versprechen, wenn sie alle Vorwürfe unterschreibe, werde sie freikommen. Als sie vor Gericht ihr „Geständnis” widerrief und erklärte, sie sei getäuscht worden, fand dies kein Gehör. Ihr Verteidiger kündigte Berufung an.
Die BBC erklärte in London, der Sender sei „extrem besorgt angesichts dieser harten Strafe”. NPR-Chefin Vivian Schiller forderte die iranische Justiz auf, Mitgefühl zu zeigen und Saberi die schnelle Rückkehr in die USA zu erlauben.

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