US-deutsche Erfolgsstory - Botschafter Timken bilanziert
21.11.2008 | 09:02 Uhr 2008-11-21T09:02:00+0100Essen. William Timken, Botschafter der Vereinigten Staaten, im WAZ-Interview: Autobauer General Motors und dessen Tochter Opel gehen nicht Pleite. Deutschland gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der USA.
Was hat die Welt von dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama zu erwarten?
Timken: Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich nichts zur kommenden Politik sage. Wir als scheidende Administration werden aber alles tun, damit der Übergang zu Obama und seinen Leuten so reibungslos wie möglich vonstatten geht.
Aber wird Obamas angekündigte Wirtschaftspolitik, also Investitionen, Konjunkturprogramme oder Steuersenkungen für Handwerker, die Wirtschaft ankurbeln?
Timken: Das amerikanische Volk hat Obama gewählt, er hat auch die Mehrheit im Kongress. Damit hat er weitgehend freie Hand, das umzusetzen, was er angekündigt hat.
Was kann man gegen die Finanzkrise tun?
Timken: Zunächst einmal haben Regierungen und Zentralbanken mit ihren Rettungspaketen schneller gehandelt als man sich das hätte vorstellen können. Das war bemerkenswert und hat die schlimmsten Gefahren abgewendet. Wir müssen aber weltweit noch enger zusammenarbeiten. Der G-20-Wirtschaftsgipfel in Washington war da ein guter Schritt. Auch der Vorschlag von Kanzlerin Merkel während der deutschen EU-Präsidentschaft, einen transatlantischen Wirtschaftsrat ins Leben zu rufen, war richtig.
Wie sieht es mit dem Abbau von Handelsbeschränkungen bzw. Protektionismus aus?
Timken: Auch das müssen wir angehen und sind da schon auf einem guten Weg. 60 Prozent aller weltweit produzierten Waren kommen aus den USA und der EU. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat ausgerechnet, dass durch den vollständigen Abbau aller Handelsbeschränkungen drei weitere Prozent dazukommen könnten. Das ist eine riesige Zahl und würde enorm viele neue Jobs bedeuten.
Die US-Autohersteller rufen nach Staatshilfen. Könnten etwa General Motors und die Tochter Opel pleite gehen?
Timken: Möglich ist alles. Aber man muss natürlich auch sehen, wie viele Autos etwa die US-Verbraucher kaufen. Irgendjemand muss also auch diese Fahrzeuge bauen. Wir können es uns daher nicht leisten, dass weite Teile der Produktion zum Erliegen kommen. Das US-Insolvenzverfahren ist darauf ausgerichtet, die Geschäfte am Laufen zu halten, die Beschäftigung zu sichern und den Firmen die Möglichkeit zu geben, ihre finanziellen Probleme zu beheben. Ich bin mir sicher, dass bei den Autoherstellern nicht das schlimmste denkbare Szenario eintreten wird.
Wie bewerten Sie die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland?
Timken: Seit wir unsere Truppenpräsenz in Deutschland von 300 000 auf nun knapp 70 000 Soldaten reduziert haben, verbindet uns vor allem die Wirtschaft. Seit der Wiedervereinigung haben sich die deutschen Investitionen in den USA versiebenfacht und die US-Investitionen in Deutschland vervierfacht. Das entspricht einer Gesamtsumme von über einer Billion Dollar. Aus solchen Investitionen resultiert dann Handel.
Entstehen neue Jobs?
Timken: In Deutschland sind bereits über 800 000 Menschen bei US-Firmen beschäftigt. Das ist jede fünfunddreißigste privatwirtschaftliche Stelle. Umgekehrt arbeiten 670 000 Amerikaner in den USA für deutsche Firmen. Und diese Zahl steigt rapide.
Wie sieht die Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen aus?
Timken: Für die USA sind die EU-Staaten und natürlich Deutschland die wichtigsten Partner. Schauen Sie nur, wie viele Milliarden etwa Thyssen-Krupp in ein neues Stahlwerk in Alabama investiert. Auf der anderen Seite investieren Konzerne wie Microsoft oder Google sehr viel in Forschungszentren in Deutschland. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Partnerschaften es gerade im Bereich der Hochtechnologie zwischen Deutschland und den USA gibt. Das wird ausgebaut.
Eine Frage noch: Woher kommt Ihr Name Timken?
Timken: Meine Vorfahren sind 1838 aus dem niedersächsischen Bauerndorf Tarmstedt nach St. Louis ausgewandert. 1898 hat dann mein Urgroßvater ein Kugellagerunternehmen, die Timken Company, gegründet. Auch das ist ein Beispiel für die deutsch-amerikanische Erfolgsstory
Interview: Wolfgang Pott und Christopher Shepherd

0mitdiskutieren