Unterwegs nur im Auftrag des Herrn
02.04.2009 | 19:29 Uhr 2009-04-02T19:29:00+0200Dortmund. Christen werben auf einem Bus für ihren Glauben, eine atheistische Gruppe aber wiesen die Stadtwerke mit einem ganz ähnlichen Gesuch ab. Dabei ist die Atheisten-Kampagne selbst in katholisch geprägten Ländern wie Italien und Spanien offenbar kein Problem.
Werbung auf Linienbussen ist bisher nicht sonderlich als Auslöser für religiöse Grundsatzfragen aufgefallen. Das ändert sich gerade, weil eine atheistische Kampagne in katholisch geprägten Ländern wie Italien und Spanien problemlos Werbeflächen auf Bussen findet, in Deutschland aber nicht.
Die Absage aus Dortmund regt Philipp Möller (28) besonders auf. Er ist der Sprecher der deutschen „buskampagne.de”, einer kleinen ehrenamtlichen Bewegung aus Nichtgläubigen, die die Öffentlichkeit sucht und schon über 28.000 Euro Spenden bekommen hat.
Was Dortmund von den elf anderen Städten, in denen die Verkehrsbetriebe schon absagt haben, unterscheidet: Seit dem 16. Februar fährt dort ein Bus durch die ganze Stadt (und Teile von Castrop-Rauxel), auf dessen Heck in zweieinhalb Metern Breite steht: „Keine Sorge: Es gibt Gott. Also schönen Tag!” Die Christen dürfen also werben, die Atheisten nicht.
Die Nicht-Gläubigen fühlen sich diskriminiert
Ein Passus der Dortmunder Stadtwerke (DSW 21) verbietet neben sexistischer und rassistischer auch „glaubenverachtende” Werbung. Atheistensprecher Möller, der schon mit Scientologen in eine Schublade gesteckt worden ist, findet das diskriminierend.
Für das Verkehrsunternehmen, sagt Sprecher Bernd Winkelmann, ging es bei dem Werbevertrag mit dem Katholischen Forum, von dem der Satz stammt, nicht um solch große Fragen. Es ging schlicht um „einen von 165 Bussen und die Unterstützung einer etablierten, sozialen Einrichtung.”
Deren Werbespruch kostet rund 4000 (gespendete) Euro für ein Jahr. Er ist der „Versuch einer inhaltlichen Antwort” auf eine Buswerbung in London, mit der die mittlerweile internationale atheistische Kampagne begann, erklärt der Urheber der Botschaft, Georg Borgschulte (59).
Atheistenbusse fahren in London und haben Nachahmer
In London fuhren im Januar auf einmal 800 Busse mit Botschaften wie „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott” herum, weil eine Atheistin die entsprechenden Werbeflächen gekauft hatte. Die Aktion fand Nachahmer in Italien, Spanien, den Niederlanden und Deutschland. Während im eher als humorlos-gläubig geltenden Süden Europas nun die Atheistenbusse fahren, scheiterte das Gleiche in den Niederlanden und in Deutschland bisher an der Ablehnung der Vekehrsunternehmen.
„In Amsterdam hängt stattdessen ein Mega-Plakat in der Nähe des Flughafens”, sagt Möller. Er ist enttäuscht von all den Absagen in Deutschland, will aber die Idee mit der Buswerbung noch nicht aufgeben. Nächster Versuch: das Saarland. Und Essen, NRW.
- Diskussion: Werbeverbot für Atheisten?
- Werbung auf Bussen für ein Leben ohne Gott?
- Fotostrecke: Es gibt keinen Gott
14:45
Die werden gerade in der Hölle verheizt.
22:25
wo sind eigentlich die vielen anderen kommentare geblieben?
14:11
Ich warte jetzt nur noch darauf, daß die Leichterregbaren diesen Bus abfackeln!
07:39
Lasst sie doch für ihren Gott werben.
Bei den Propagandabauten mit den Minaretten als Speerspitzen ( Erdogan ) regt sich doch auch keiner auf.
20:55
Es gibt keinen Grund dafür, extra für ein Leben ohne Gott auch noch zu werben: Die wohl meisten unserer Zeitgenossen leben so. Man darf also mit Fug und Recht annehmen, was das Ziel einer solchen Atheismus-Werbung ist - die Verdrängung vorrangig des christlichen Glaubens.