Umzingelt von Atomkraftwerken
08.02.2009 | 17:10 Uhr 2009-02-08T17:10:00+0100Briten und Italiener tun's, die Franzosen sowieso und nun auch die Schweden, die die ersten waren, die 1980 nach der Atomkatastrophe von Harrisburg den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen haben.
Es sind ausgerechnet die Schweden, die aus dem Ausstieg aussteigen und sich so nach den Worten von Ministerpräsident Reinfeldt in der Energiepolitik als „Vorbild für die ganze Welt” wähnen.
Nun wundern sich Atomkraftgegner über diese Volten, dabei haben Grüne und Sozialdemokraten das Ihre dazu beigetragen: Atomenergie ist neuerdings aus ökologischen und ökonomischen Gründen salonfähig. Ökologisch, weil das Bewusstsein über das klimaschädigende Kohlendioxid dank jahrelanger Warnungen der Grünen Eingang ins weltweite Bewusstsein gefunden hat. Ökonomisch, weil es nicht bei Fensterreden blieb, sondern ein europäisches System zum Handel von Verschmutzungsrechten entstanden ist.
Betreiber von Kraftwerken sollen einen Preis bezahlen für die Verschmutzung der Umwelt. Je höher der Preis je Tonne CO2, desto eher engagieren sie sich in der Wind-und Wasserkraft, desto mehr investieren sie in kohlendioxidsparende Technologien und bessere Wirkungsgrade ihrer Braun- und Steinkohlekraftwerke. Und außerhalb Deutschlands planen die Regierungen auch neue Atomkraftwerke. Warum? Weil sich kohlendioxidfreie Atomenergie rechnet, wenn die Verschmutzungszertifikate wie erwartet in vier Jahren knapp 60 Euro kosten. Damit kommt ein Argument hinzu, das auch Verbraucher gerne hören. Atomstrom ist nicht nur sauberer, sondern auch preiswerter als die Energie konventioneller Kraftwerke – und aus Sicht früherer Gegner wie der Schweden auch beherrschbar.
Damit werden die Karten für ein Wahlkampfthema ums Atom in Deutschland neu gemischt. Den Grünen nimmt ihre Klientel vielleicht noch ab, dass der Strom künftig vom Winde kommt. Die Arbeiter- und Industriepartei SPD aber muss eine Antwort geben, wie die Energiezukunft aussehen soll, wenn, wie zu Jahresanfang, kein Wind bläst. Oder wenn Putin mal wieder an der Gasschraube dreht. In Neuss droht einer Aluminiumhütte die Schließung, weil der Strom in Deutschland zu teuer ist für die weitere Produktion.
Zunächst geht es um eine Verlängerung der Laufzeiten. Aber warum alte AKWs laufen lassen, wenn neuere sicherer wären? Fehlt allerdings noch eine ehrliche, belastbare und vertrauenswürdige Antwort auf die Endlager-Frage.

19:30
@ feder24. Das sagt die Atomlobby. Zahlreiche Studien, unter anderem eine der Uni Sydney sagen, dass die CO2 Bilanz mindestens 10 mal so hoch ist.
Dazu kommt eben, dass der CO2 Ausstoß bei der Urangewinnung dramatisch ansteigen wird.
18:55
zu#8bzw.#9:
Der CO2 Austoß bei der Urangewinnung ist, wenn man ihn dem Betrieb der AKWs zurechnet, vergleichbar mit dem, der bei der Herstelllung von Windgeneratoren entsteht!
16:03
Meine Zahlen bezgl. des CO2-Ausstoßes bei der Urangewinnung sind gerne überprüfbar. Ich entnehme sie der Stormsmith-Studie. Viele weitere Studien belegen dies.
Und eine neue Studie der Universität Sydney zeigt auch, dass schon heute der CO2-Ausstoß mindestens 7 mal so hoch ist, wie von der Atomlobby zugegeben. Auf deren Zahlen stützen ja CDU und FDP ihre Argumentation. Höchst fragwürdig!
15:56
Bitte Glauben Sie nicht der Atomlobby, die hier Ihnen etwas weiß machen will. Es ist einfach falsch, dass AKWs so CO2 freundlich und so billig wären.
Argumentiert man mit CO2 und finanziell, so muss man gerade sich aus diesen Gründen gegen AKWs entscheiden!
15:54
Atomenergie ist ganz gewiss nicht geeigent um CO2 einzusparen. Bei allen Energiegewinnungsformen sinkt der CO2-Ausstoß. Nur bei der Urangewinnung steigt er dramatisch an. Schon 2040 wird der CO2-Ausstoß hier höher liegen als bei einem Gaskraftwerk (gerechnet pro Killowattstunde). Auch ein Braunkohlekraftwerk wird das AKW ablösen.
Urangewinnung wird immer schwieriger und damit CO2 intensiver.
Außerdem ist Atomstrom viel teuerer als die anderen Energieformen. Die Endlagerung zahlen nämlich nicht die Energiekonzerne, sondern der Steuerzahler!
21:05
@Sonnenflüsterer
Und die LKWs fahren nachts, weil sie tagsüber im Nebel auf Solarstrom warten? Andererseits: tierischer Ernst oder Dogmen, religiöser Eifer oder gar Missionierung: schaden dem Dialog und helfen auch nicht so richtig weiter.
20:51
Endlich!!
Die Debatte muss endlich wieder idealogiefrei geführt werden. Schweden - lange das Energievorbild ist nun aus der Sackgasse umgekehrt. CO2 Zaubertricks hat keiner - aber Wasser predigen (-40% bei CO2) und Sekt drinken (riesen Kohledeckschleudern bauen +100% CO2). Europa lacht über uns!!! Zumal die einzigen die am Ende zur Kasse gebeten werden, die Steuerzahler sind (über teure Energiezertifikate) oder Mikrogrammgebühren auf die Atemluft. Die veralteten CO2 Dreckschleudern (Kohlekraftwerke) diene aber auf jedem Fall dem Klimauntergang!! Das sollten selbst Politiker verstehen...
20:43
@ Chr. Bauer
Wieso Nachtstrom?
Die Sonne scheint am Tag...
18:34
Um alleine den Spritbedarf der privat genutzten PKW zu decken, der ja auf grünen Wunsch hin durch Strom ersetzt wird, erfordert ca 40 neue AKW´s der Grösse des KKW Unterweser. Die Zahl wird noch krasser, wenn ich mir alle Lieferwagen oder LKWs mit Nachtstrom betankt vorstelle. Haben wir den GRÜNEN zu verdanken!!!
16:13
Zu diesem sensiblen Thema hätte ich mir doch einen fundierteren Kommentar gewünscht.
Im Einzelnen:
1. Die ökologische Wirkung bzgl. des Kohlendioxid-Ausstoßes kann man AKWs ja noch zugute halten, wenn man die negativen Umweltauswirkungen bzgl. Strahlenmüll einmal ausblendet.
Aber ökonomisch bezweifele ich stark, dass neue Atomkraftwerke volkswirtschaftlich vorteilhaft sind.
Die Baukosten sind exorbitant hoch (ca. 4 Mrd. EUR) und nur zu stemmen, wenn der Staat günstige Kredite gibt.
Die Wirtschaftlichkeit der Atomkraft lässt sich darüber hinaus leicht revidieren, wenn die Betreiber die Risiken eines schweren Unfalls komplett versichern müssten.
2. Atomkrftwerke können auch nicht helfen, wenn Hr. Putin den Gashahn zudrehen sollte, da mit Atomkraft nicht geheizt wird. Statt dessen wird ein Großteil (>60 %) der bei der Kernspaltung frei werdenden Energie als Wärme wieder durch den Schornstein geblasen.
3. Atomkraft ist eine Technologie von gestern.
Warum soll ein toter Gaul über die Ziellinie getragen werden, wenn frische Gäule wie Kraft-Wärme-Kopplung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien am Start sind?
Statt dessen ist das Stromnetz länderübergreifend europäisch für die dezentrale Energieversorgung zu ertüchtigen. Zentrale Großkraftwerke stehen dieser zukunftsweisenden Aufgabe im Weg.
Auch hinsichtlich des Arbeitsmarktes ist der Beschäftigungseffekt bei vielen kleinen Erzeugungseinheiten erheblich besser als bei Großkraftwerken.
Dies kann man auch den SPD-Wählern ruhigen Gewissens erzählen.