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Totgeglaubter Iraker trifft in NRW seine Kinder wieder

28.06.2009 | 16:37 Uhr
Totgeglaubter Iraker trifft in NRW seine Kinder wieder

Düsseldorf/Essen. Nach fast zwei Jahren der Ungewissheit kommt Jalal Shaaya aus dem Irak in Essen wieder mit seinen sieben Kindern zusammen. Er galt schon als tot, die Mutter wurde erschossen. Dss Wiedersehen ist wie eine Weihnachtsgeschichte im Juni.

Wenn man auf dem Flughafen von Istanbul gesucht wird, ist die telefonische Wegbeschreibung „Ich warte in einer Cafeteria” nahezu sinnlos, denn es gibt schon die eine oder andere mehr. Aber in einem Zeitraum von drei Stunden haben sie sich dann doch erfolgreich zusammentelefoniert: Jalal Shaaya, der tot geglaubte Iraker und Christ, und zwei Mitarbeiter der deutschen Caritas, die gekommen waren, ihn nach Essen zu holen.

So beginnt das letzte Kapitel in der Sache „Familienzusammenführung Shaaya” mit leicht komischen Zügen; und es endet am Wochenende auf dem Flughafen Düsseldorf mit Freudentränen, Weinattacken und geradezu orientalischen Umarmungen.

Die sieben Waisen aus dem Morgenland

Die Shaaya-Kinder, ein bisschen bekannt geworden als die „Sieben Waisen aus dem Morgenland”, sind jetzt nur noch halbe Waisen: Sie haben ihren Vater wieder nach nahezu zwei Jahren. Mit gelben und roten Rosen haben sie am Flughafen gewartet, Großeltern, Freunde, einige Landsleute, die Kinder natürlich, die Kleineren gingen über Tische und Bänke, sie warten ja schließlich schon lange.

Dann endlich kommt der Vater aus der elektrischen Schiebetür, die sich zuvor schon für viele andere Reisende aus Istanbul öffnete; ein schmächtiger Mann von 45 Jahren, ein Lkw- und Taxifahrer. „Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben, ich bin wortlos”, sagt Shaaya, dessen Sätze gedolmetscht werden müssen: „Ich habe ständig an die Kinder gedacht und Kraft von Gott erhalten. Ich sehe mich wiedergeboren.” Wenige Sätze später bricht er das Gespräch unter Tränen ab, Angehörige führen ihn weg.

Seine Frau Amerah wird erschossen

Die Geschichte der Familie „ist nicht ganz kurz”, sagt Rudi Löffelsend, der Leiter der Auslandshilfe der Caritas im Ruhrbistum. Gerafft geht sie so: In Samra südlich von Bagdad gibt es nur wenige Christen wie die Shaayas. Im Sommer 2007 verschwindet Jalal, er wird entführt und festgehalten; und seine Frau Amerah wird erschossen, angeblich, weil sie nicht zum Islam übertreten wollte.

Daraufhin kümmern sich christlich-chaldäischen Gemeinden im Irak um die Kinder und reichen sie durch bis nach Damaskus ins sichere Syrien. Hier gibt es nur noch Papierkrieg! Jedenfalls können die Sieben im März 2008 nach Deutschland einreisen, denn in Essen leben ihre Großeltern Fiktoria und Abdel Hanah schon seit einigen Jahren als anerkannte Flüchtlinge. Fortan kümmert sich die Caritas um die Großfamilie, aber „dass der Vater noch lebt, daran haben nur noch die Kinder geglaubt”, sagt Löffelsend.

Armee überwältigt die Entführer

Sie glaubten zu Recht: Nach einem Jahr der Gefangenschaft hatte die Armee die Entführer überwältigt, und Shaaya, der kein Zuhause mehr hatte, schlug sich durch zu anderen Verwandten in den Nordirak. Von dort aus kam die Nachricht von der glücklichen Fügung zu den Großeltern nach Essen. Der Rest waren Ausnahmegenehmigungen, bei denen sowohl die Botschaft mitzog wie auch die Stadtverwaltung.

Das Ganze hat Züge einer Weihnachtsgeschichte im Juni. Ende gut, alles gut? So einfach wohl doch nicht. Es gibt Sprach- und Integrationsprobleme, und es gab die schwierige Situation der Großeltern im Rentenalter, die plötzlich mit sieben Kindern überschüttet wurden vom Säugling bis zu Jugendlichen männlich/weiblich.

 „Wir hoffen sehr stark, dass Normalität in der Erziehung einkehrt, dass der Vater das schafft”, sagt Löffelsend. Im übrigen sei der Fall Shaaya „besonders krass wegen sieben betroffener Kinder. Aber wenn es nach vergleichbaren Schicksalen geht, könnte ich ständig hin und her reisen.”

Hubert Wolf

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