Tod auf den Gleisen: Ein Trauma auch für Lokführer
08.01.2009 | 15:21 Uhr 2009-01-08T15:21:00+0100
Essen. Jeden Tag nehmen sich zwei, drei Menschen auf Bahngleisen das Leben. Für Lokführer ist das ein Berufsrisiko der besonderen Art. Mancher mag nach so einem Trauma in keinen Zug mehr steigen.
Die Bilder, sie kamen immer wieder. Das bleiche Gesicht mit den erschrockenen Augen. Uwe G. wusste nicht, wie er sich ablenken sollte, es fiel ihm schwer, sich zu konzentrieren, er schlief schlecht. Vor allem aber fühlte er sich schuldig: Hätte er nicht doch noch rechtzeitig bremsen können? Uwe G.* ist ein Lokführer von vielen in Deutschland, die Opfer des Suizids eines anderen Menschen wurden. Täglich nehmen sich auf den Gleisen der Bahn zwei, drei Menschen das Leben. Manch einer, der die Lok fuhr, wird damit nicht fertig.
"Ein Riesenproblem für die Bahn"
Rund 800 solcher Suizide registriert die Bahn jährlich. Mit gravierenden Folgen. So entscheiden jedes Jahr über 30 Lokführer, sich umschulen zu lassen, weil sie an dem Erlebten zu zerbrechen drohen, weil sie nie mehr in einen Zug steigen mögen. „Das ist ein Riesenproblem für die Bahn. Ich kenne selbst Fahrer, die das erlebt haben, manche mehrfach”, sagt Frank Schmidt, der Vorsitzende der NRW-Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer.
Der Freitod des Pharma-Unternehmers Merckle, er ist also nur ein Beispiel von vielen. Der Bundesverband der Psychologen stellte in seinem Gesundheitsbericht 2008 fest, dass jeder Lokführer in seinem Berufsleben durchschnittlich mit zwei Unfällen dieser Art rechnen muss. Das Risiko, ein psychisches Trauma zu erleiden, sei hoch, so die Autorinnen Gerlinde Wiemann und Viola Middendorf. Beim Überfahren von Selbstmördern seien Triebwagenführer einer besonderen Art von Trauma ausgesetzt: „Die Rolle des Täters und des Opfers geraten durcheinander. Der Lokführer fühlt sich verantwortlich, hat aber wegen des langen Bremsweges gar keine Chance, den Unfall zu vermeiden”.
Auch bei Uwe G. wendete die Bahn ihr seit 1994 entwickeltes Betreuungskonzept an. Gleich nach dem Unglück wurde er nach Hause gefahren, wurde er beurlaubt und von einem Kollegen, einem Laien-Ersthelfer, betreut. Dass sein Körper streikte, dass er nicht schlafen konnte, nicht essen, all das seien normale Reaktionen, die auch von selbst verschwinden könnten, wurde ihm erklärt.
Die Fahrt danach
„Die erste Fahrt danach ist jedes Mal eine Herausforderung. Sie findet in Begleitung eines zweiten Zugführers statt, und natürlich ist es schwierig, die Stelle zu passieren, an der das Unglück geschah”, sagt ein Bahn-Kenner. Nicht immer ist es jedoch damit getan, Abstand zu gewinnen, sich über das furchtbare Erlebnis mit Kollegen auszutauschen.
Manch einer leidet danach unter Unruhe, Depressionen oder Angststörungen. „Lokführer sind ja in einer solchen Situation völlig ohnmächtig, hilflos, ausgeliefert. Und sie müssen wieder rein in den Zug, können es nicht vermeiden. Das macht berufsbedingte Traumatisierungen so besonders”, erklärt Andrea Möllering von der Trauma-Ambulanz der Rheinischen Kliniken in Essen. Typisch für traumatische Belastungsstörungen sei, dass die Bilder und Gefühle ganz plötzlich wiederkehrten und der Körper des Betroffenen so reagiere, als ob das Unglück in diesem Moment geschehe. Suizid auf den Gleisen, das ist ein Thema, über das die Bahn AG nicht gerne spricht. Vor allem deshalb, weil sie Nachahmer fürchtet. Das bestätigt auch der GDL-Vorsitzende Schmidt.
Doch oft genug müsse seine Gewerkschaft eben solche Lokführer auch juristisch gegenüber dem Arbeitgeber vertreten. „Nicht immer wird ein Unfall, eine psychische Erkrankung, die dadurch entstanden ist, als Ursache für Berufsunfähigkeit anerkannt. Und wie soll ein Zugführer umgeschult werden, der nervlich so kaputt ist, dass er es nicht mal mehr erträgt, Gleise zu sehen”.
* Name geändert
Bericht: Merckle wirft sich vor den Zug
19:50
#13
Lokführer müssen ein dickeres Fell haben ?? Weisst Du eigentlich was Du da für einen Müll schreibst ? Diese Situation kann man vorher nicht trainieren !
Mit einer Notbremsung kannst Du Fahrgäste auch nicht im geringsten gefährden , wir sprechen hier nicht von einer Auto-Notbremsung , sondern von mehreren hundert Metern Bremsweg - nur mal so nebenbei.
Es gibt genügend Lokführer die nach solch einem Ereignis nie wieder auf eine Lok steigen konnten !
19:47
Die Angehörigen müssen natürlich nicht haften. Es muss der Täter sprich der Selbstmörder haften. So wie auch jeder der Graffitis auf die Züge sprüht oder anderen Schabernack treibt.
Da der Selbstmörder tot ist, haftet er mit seinem Vermögen, was natürlich bedeutet, das Erbe wird kleiner oder fällt ganz aus.
19:13
Naja, ich fände es schon sehr obszön den Hinterbliebenen eine Rechnung zu präsentieren oder sie auf Millionen Ero Schmerzensgeld zu verklagen. Ich wüßte auch nicht auf welche juristische Grundlage Ansprüche gestellt werden können sollten, schließlich haben die Hinterbliebenen den Suizidanten nicht vor den Zug geschubst.
18:27
#16 von blackyellow,
Wer mit solch salopper Sprache von platt gemacht schreibt, dem nehme ich schwerlich ab, dass er danach einen Seelenklemptner benötigte.
17:39
hallo zusammen bin selber lokführer bei der DB AG
habe selber schon ein platt gemacht in witten mit 120 km/h ...hatte liebeskummer kam später raus
also keinem wünsche ich es ,da kann jeder daran zerbrechen bin selber zum seelenklempner gegangen es hilft ,der kopf ist wieder frei
WIE LANGE ????? BIS DER NÄCHSTE KOMMT
P:S in amerika wäre ich reich geworden...SCHMERZEN GELD IN MIO(in deutschland gibt es nichts
16:11
@DIttsche
es gibt Lokführer die das machen .. doch auch das ist nicht einfach das Geräusch das der Körper macht wenn er gegen die Lok schlägt ist sehr Laut.
und trotz allem Kopf gesteuerten nicht bremsen ist das Gefühl was bleibt einen Menschen übefahren zu haben; und das ist übel.
16:10
Stimmt, jeder kann mit seinem Leben das machen, was er will. Aber wie geht ein humaner Suizid anders? Sollte man mal drüber nachdenken und eventuell andere Möglichkeiten dem Selbstmörder zur Verfügung stellen. Dann werden auch Lokführer mit diesem Trauma nichts mehr zu tun haben.
15:38
Lockführer müssen hier ein dickeres Fell haben. Wenn jemand meint, er müsse sich vor meine Lock werfen würde ich keine Norbremsung einleiten, und die Gesundheit meiner Fahrgäste gefährden.
Im nächsten Bahnhof würde ich eine Meldung an die Bahnpolizei absetzen. Leichenteile kann man auch ohne Zug von den Gleisen sammeln und wir hätten weniger Verspätungen am Bahnsteig.
Jeder kann mit seinem Leben machen was er will.
14:31
@spacedrummer
die Bahn stellt eine Rechnung an die Hinterbliebenen!!!
Da der Zugführer nach dem Suizid eines mir nahen Angehörigen 14 Tage arbeitsunfähig war, wurden unserer Familie die Kosten für die dadurch entstanden Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall in Rechnung gestellt.
Die Kosten wurden durch die Familienhaftpflichtversicherung übernommen.
PS:
Der Lokführer wird (unter anderem) als völlig unbeteidigte Person in einen unglaublich brutalen, zerstörerischen, öffentlichen Selbsttötungsakt aktiv und nur wegen seines Berufes, einbezogen. Ihm steht jede nur erdenkliche Hilfe bei der Überwindung dieses Traumas zu!
13:37
Ich finde es auch bedenklich, dass Selbstmörder nicht im geringsten an die Lockführer denken.
Eventuell stellt die bedauernswerte Bahn AG bei Selbstmorden auf ihren Gleisen demnächst eine Benutzungsgebühr in Rechnung.
Warum heißt es eigentlich immer bei einfachen Leuten SelbstMORD und bei Personen des öffentlichen Lebens Freitod, selbst wenn letztere sich im Nachhinein als Verbrecher enttarnen - der Darmgang der Medien!