Thüringen lächelt über die G-8-Debatte
03.03.2008 | 19:21 Uhr 2008-03-03T19:21:00+0100Erfurt. In der DDR war das Abitur in zwölf Jahren Standard. Thüringen und Sachsen blieben immer dabei.
Zwölf Jahre bis zum Abitur lösen im Westen einen Streit aus, den im Osten niemand versteht. In der DDR war das Standard, nach der Wiedervereinigung blieben Thüringen und Sachsen dabei.
In der Kultusministerkonferenz gab es bis in die 90er Jahre heftige Debatten um die Anerkennung des 'Kurzzeit-Abiturs'. Beide Länder blieben stur, stimmten aber einem Kompromiss zu: Auch dort mussten die Schüler fortan mindestens 265 Jahreswochenstunden bis zum Abitur absolvieren. Thüringen führte eigens deshalb in der Oberstufe das „Seminarfach” ein: Mehrere Stunden pro Woche üben die Schüler das wissenschaftliche Arbeiten mit Bibliotheken und Internet, erstellen allein oder in der Gruppe Konzepte, Gliederungen und Referate, die sie vor großem Publikum vortragen.
Weniger Stunden - oder Samstagsunterricht?
Heute lächelt man in Thüringen über die G-8-Debatte. Auf 266 Jahreswochenstunden kommen Thüringer Schüler. Die jungen Bayern lernen 279, Baden-Württemberger 266 und Rheinland-Pfälzer 272 Stunden bis zum Abitur.
Bayerns Eltern fordern nun eine Reduzierung der Stundenzahl bis zum Abitur. Andere wie die NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) bieten an, den Samstag wieder für Unterricht zu nutzen. Thüringens Politiker und Eltern wollen beides nicht. 265 Stunden seien gut zu schaffen. Und: Der Samstag bleibt schulfrei. Denn klar ist: Thüringens Gymnasien liegen in den Pisa-Studien weit vorn. Kein Wunder, dass sich die Schulen dort zunehmender Beliebtheit erfreuen: 1125 hessische Schüler reisen täglich über die Landesgrenze, um in Thüringen zu lernen; 601 besuchen eins der G-8-Gymnasien mit Ganztagsunterricht und Mittagessen. In Gerstungen kommen 310 der 730 Gymnasiasten aus Hessen; dort werden die Plätze für Externe bereits verlost.
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