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Afghanistan

Teheran ergreift die ausgestreckte Hand

31.03.2009 | 16:46 Uhr
Teheran ergreift die ausgestreckte Hand

Die Afghanistan-Geberkonferenz in Den Haag bringt USA und Iran an einen Tisch – das wird als Sensation gehandelt. Mit seiner neuen Strategie für Afghanistan findet US-Präsident Obama bei den Teilnehmern große Zustimmung.

„Big Tent Meeting“ nennen sie die Internationale Geberkonferenz in Den Haag, die das geschundene Afghanistan endlich auf stabile Füße bringen soll. Mit fast 90 Delegationen ist das „Große Zelt“ eine Konferenz der Superlative. Entsprechend hoch der Promi-Faktor: US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sind gekommen, ebenso Präsident Hamid Karsai, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und seiner russischer Kollege Sergej Lawrow.

Der eigentliche Star des Tages ist jedoch Mohammed Mehdi Achundsadeh, der Vize-Außenminister der „Iranischen Republik Iran“. Dass die USA und Iran nach Jahrzehnten wieder auf höchster Ebene friedlich an einem Tisch sitzen, gilt als echte Polit-Sensation.

Vorsichtige Annäherung an "den großen Satan"

George W. Bush, das war die brutale Politik der geballten Faust, Barack Obama hingegen streckt Teheran freundlich die Hand entgegen. Und siehe da: Der Iran nähert sich dem „großen Satan“ vorsichtig an. Triftige Gründe dafür gibt’s genug. Millionen afghanische Flüchtlinge bedeuten eine große soziale und finanzielle Bürde, hinzu kommen mittlerweile Zigtausende junge iranische Drogensüchtige, die am afghanischen Opium krepieren.

„Iran hat immer unter der Instabilität und Unsicherheit in Afghanistan gelitten“, gesteht Achundsadeh, der zugleich Obamas neuen „regionalen Ansatz“ preist. Einen Sieg der sunnitischen Taliban fürchtet auch der schiitische Iran.

Iran lehnt Aufstockung der US-Truppen ab

Den amerikanischen „Surge“, die exorbitante Truppenaufstockung um 17.000 Soldaten und 4000 Militärausbilder, hingegen lehnt Teheran nach wie vor kategorisch ab. Der Groß-Aufmarsch westlicher Bataillone am Hindukusch sei nicht Teil der Lösung, im Gegenteil er habe die Aufständischen erst stark gemacht und die Nato in die Sackgasse geführt, warnt Achundsadeh am Vorabend der Konferenz.

Sein dezenter Hinweis auf den erweiterten iranischen Hafen Chabahar wiederum ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Um ihren immensen Nachschub nach Afghanistan langfristig zu sichern, braucht die Nato unbedingt diesen ebenso kurzen wie sicheren Landweg via Iran.

60 Millionen Euro mehr von der EU - 1,5 Milliarden Dollar von den USA

Natürlich erledigt die Den Haager Geberkonferenz - die vierte nach Bonn, London und Paris - an diesem Dienstag auch ihre Hausaufgaben. Sie gibt Geld. So verkündet Benita Ferrero-Waldner, die EU-Außenkommissarin, dass Brüssel zu seiner bereits bewilligten Afghanistan-Hilfe von 700 Millionen Euro noch mal 60 Mio draufsattelt. Zum Vergleich: Washington allein macht zusätzlich 1,5 Mrd Dollar locker.

Auch Berlin, das ohnehin schon 600 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch schickt, zeigt sich abermals spendabel. Außenminister Steinmeier wirbt für den Aufbau einer zivilen Luftraumsicherung, und gemeinsam mit den Emiraten packe Deutschland den Ausbau des Flughafens Mazar-i-Sharif (35 Mio Euro) zu einem Drehkreuz im Norden an, berichten Teilnehmerkreise.

Das Signal von Den Haag ist klar und kraftvoll: Die Zustimmung der internationalen Staatengemeinschaft zur neuen US-Strategie, militärische Sicherheit und zivilen Wiederaufbau wirksamer und aufwändiger als bisher zu vernetzen, ist überwältigend.

Iran will sein Image verbessern

Unterdessen nutzt der Iran geschickt die Haager Bühne, um endlich sein unfeines „Achse-des-Bösen“-Image loszuwerden. Den Haag, das Hollands Premier Jan-Peter Balkenende mit dem Hinweis auf die internationalen Gerichte als „Weltstadt des Friedens“ preist, scheint dazu wie geschaffen. Der Mann aus Teheran trifft seine Kollegen aus China, Australien und Italien.

Nur für das Gerücht des Tages, der Mullah-Gesandte könne sogar Hillary Clinton zu einem Vier-Augen-Gespräch treffen, findet sich keine Bestätigung. „Es wäre so schön gewesen“, schwärmt eine iranische Korrespondentin – und schließt dabei ihre Augen.

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Gerd Niewerth

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