Straßenschlachten erschüttern Teheran
07.12.2009 | 18:16 Uhr 2009-12-07T18:16:00+0100
Teheran. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten sind am Montag in Teheran zahlreiche Menschen verletzt und verhaftet worden. Bewaffnet mit Tränengas, Schlagstöcken und Schusswaffen marschierten die Sicherheitskräfte rund um den Campus der Universität auf.
Im Umfeld der Teheraner Universität und auf mehreren großen Plätzen der Innenstadt ist es am „Nationalen Studententag” am Montag zu schweren Zusammenstößen zwischen Uniformierten und Studenten gekommen. Zehntausende Demonstranten riefen „Tod dem Diktator” und „Freiheit”.
Die Polizei ging gegen die Menge mit Tränengas und Schlagstöcken vor, zahlreiche Menschen wurden verhaftet. Nach Augenzeugenberichten prügelten Mitglieder der gefürchteten Basij-Milizen auf junge Demonstranten ein. In Nebenstraßen lieferten sich Regimetreue und Studenten erbitterte Straßenschlachten.
Schon am frühen Morgen war der Campus von Polizei und Revolutionären Garden umstellt worden. Studenten berichteten, jeder, der auf das Unigelände wollte, habe seinen Ausweis vorzeigen müssen. Der Zaun um die Universität Teheran war mit Postern des Obersten Revolutionsführers Ali Chamenei sowie frommen Parolen zugehängt, um Augenzeugen den Einblick auf das Universitätsgelände zu verwehren. Auch in der Technischen Universität Amir Kabir kam es zu Prügeleien zwischen Studenten und Basij-Milizen. Oppositionelle Websites berichteten von Unruhen in den Städten Kermanshah, Shiraz und Tabriz, sowie in der Pilgermetropole Mashad.
Regierung blockiert Internet und Handynetz
Das Regime hatte schon am Wochenende Vorkehrungen getroffen, um eine Berichterstattung über Unruhen zu unterdrücken. Das Internet wurde heruntergefahren und das Handynetz in Teheran am Montag abgeschaltet. Auslandskorrespondenten wurde verboten, direkt von der Straße zu berichten. Sie müssen bis Mittwoch im Büro bleiben.
Zahlreiche oppositionelle Websites hatten in den letzten Wochen zu Demonstrationen am 7. Dezember aufgerufen, die nach Angaben von Teilnehmern die größten seit Monaten waren. Normalerweise wird an diesem Tag dreier Studenten gedacht, die während einer anti-amerikanischen Demonstration 1953 durch Geheimpolizisten des Schahs erschossen worden waren. Kurz zuvor war der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident des Landes, Mohammad Mossadeq, mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA gestürzt worden. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni nutzt die grüne Opposition nun solche Gedenktage, um gegen den umstrittenen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und den Obersten Religionsführer Ali Chamenei zu demonstrieren. Zuletzt kam es am 4. November, dem 30. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft, in zahlreichen Städten zu Protesten gegen das Regime.
Sonntagabend waren erstmals seit Wochen wieder die Rufe „Allah ist groß” und „Tod dem Diktator” zu hören. Die Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi stellten sich ausdrücklich hinter die Studenten. Auf seiner Website erklärte Mussawi, das klerikale Establishment werde die Studenten nicht mundtot machen können. Es verliere im Volk immer mehr an Legitimität.

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