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Steinbrück wird Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp

20.11.2009 | 18:00 Uhr

Essen. Dem Kuratoriums-Vorsitzenden der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, ist ein personeller Coup gelungen: Die Stiftung als größter Anteilseigner des Thyssen-Krupp-Konzerns will den ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in den Aufsichtsrat entsenden.

Kommende Woche werde der Aufsichtsrat das neue Personaltableau der Anteilseigener für das Aufsichtsgremium benennen, teilte die Stiftung mit. Entscheiden über die Personalien muss die Hauptversammlung am 21. Januar.

Der Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz. Foto: Matthias Graben

Die Essener Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält gut 25,33 Prozent an der Thyssen-Krupp AG, die zu den größten 30 im deutschen Aktienindex notierten Unternehmen zählt. Die Stiftung entsendet drei Aufsichtsräte. Neben Steinbrück sind das wie bisher der Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Kersten von Schenk.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die der Entsendung von drei statt der bei diesem Anteilsbesitz üblichen zwei Personen kritisch gegenüber steht, nannte die Berufung von Steinbrück „eine Super-Personalie”. Der Ex-SPD-Finanzminister sei eine „herausragende Persönlichkeit und ein ausgewiesener Finanzfachmann”. Hinzu kämen beste Kontakte, auch international.

Dem Vernehmen nach hat Beitz, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsgremiums, die Personalie selbst eingefädelt. Beitz ziele seit eh und je darauf, Thyssen-Krupp breit aufzustellen. Das gilt offenbar auch politisch: Mit dem SPD-Politiker Steinbrück vertritt jetzt der ehemalige Ministerpräsident von NRW die Interessen des Großaktionärs im Aufsichtsrat, der derzeitige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat einen Sitz im Kuratorium der Stiftung. Beitz und Steinbrück kennen sich lange und gut, hieß es weiter.

Spektakulärer Wechsel

Steinbrück hatte nach der verheerenden Wahlniederlage vom 27. September seine Parteiämter niedergelegt, sein Bundestagsmandat aber behalten. In Berlin war seit längerem über einen Wechsel des diplomierten Volkswirts in die Wirtschaft spekuliert worden. Nach dem letzten Vergütungsbericht von Thyssen-Krupp verdienten gewöhnliche Aufsichtsratsmitglieder zwischen knapp 130 000 und knapp 230 000 Euro im Geschäftsjahr 2008/09. Als Finanzminister erhielt Steinbrück inklusive Aufwandsentschädigung knapp 158 000 Euro.

Die bisher vom Kuratorium entsandten Aufsichtsräte Ulrich Lehner (Ex-Henkel-Chef) und Jürgen Thumann (Ex-BDI-Präsident) könnten weiterhin auf der Liste der vorzuschlagenden Aufsichtsräte verbleiben, wurde spekuliert, nur eben nicht mehr auf Vorschlag des Kuratoriums. Zwei Aufsichträte, Heinz Kriwet und Martin Kohlhaussen, haben die Altersgrenze erreicht.

Spektakuläre Wechsel in die Wirtschaft vollzogen vor Steinbrück Ex-Kanzler Gerhard Schröder (Aufsichtsratschef Ostsee-Pipeline) oder Ex-Außenminister Joschka Fischer (Nabucco-Pipeline).

Thomas Wels

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Kommentare
25.11.2009
11:43
Steinbrück wird Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp
von jo.cit | #1

Steinbrück „… sei … ein ausgewiesener Finanzfachmann.“?

Aus meiner Sicht war Herr Steinbrück ein außerordentlich unfähiger Finanzminister, der den Charakter eines eloquenten Poltergeistes hatte, einer, der uns über seine Mißwirkung hinaus noch teuer zu stehen kommt und kommen wird. Zum einen hat er, z.B., diese Finanzkrise völlig falsch eingeschätzt, war zuerst der Meinung, daß ein Konjunkturprogramm nichts bringe, vorher aber glaubte er noch, daß jede Bank unbedingt „systemrelevant“ sei und um jeden Preis gerettet werden müsse – auf Kosten der Steuerzahler, die seit dem sozusagen am Nasenring mit im „Casino“ sitzen, d.h. nicht willentlich. Dann unterließ er es, diese Verzockerbuden unter Kuratel zu stellen, was eigentlich schon deshalb eine Notwendigkeit gewesen wäre, um erst einmal „Ruhe“ in die Finanzwirtschaft und damit in die reale Wirtschaft zu bringen. Des weiteren unterließ er es, die Spekulationsmöglichkeiten auf nationaler Ebene zurückzunehmen, die er, sein Vorgänger Eichel, und ein gewisser Herr Asmussen immer munter mit, Mitte der 2000er Jahre durch sogenannte Deregulierung verbrochen hatte, was den Banken, und insbesondere auch den Landesbanken, erst die volle Möglichkeit zum Einstieg in die Spekulationswirtschaft eröffnete. (Das heißt übrigens auch: die „Krise“ hatte nicht ihren Ursprung in den USA, dort wurde sozusagen bloß ihr letzter Nagel eingeschlagen, und die nächste Finanzkrise wird z.Z. angeblasen: nur deshalb möglich, weil die aktuelle nicht adäquat angegangen worden ist – auch auf nationaler Ebene!)
Aber ist ja alles kein Wunder: die an sich Durchschnittlichen werden in der Öffentlichkeit verbesondert präsentiert und schon haben sie „Statur“. Hauptsache sie bewegen sich in der „Mitte“. (Der „Begriff“ „Mitte“ ist zwar eine Lachnummer, aber hier nimmt man ihn für bare Münze.) (En passant bemerkt: „Erste sozialdemokratische Bundeskanzlerin“ – noch ’ne Lachnummer, die nur deshalb als solche nicht ohne weiteres erkenntlich ist, weil die SPD glaubte für sich die „Mitte“ entdecken zu müssen. …)

Selbstverständlich schätzt man Herrn Steinbrück in Chefetagen anders ein – eben betriebswirtschaftlich.

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