Schwule Christen wehren sich
06.11.2009 | 17:03 Uhr 2009-11-06T17:03:00+0100Bielefeld. In der Evangelischen Kirche von Westfalen tobt ein heftiger Streit über den Umgang mit Homosexuellen. Grund ist das Werben des westfälischen Präses Alfred Buß für eine bessere Akzeptanz von Homosexuellen in der Kirche. 30 Pfarrer protestieren heftig. Homosexuelle Christen wehren sich.
Buß sagt: „Menschen müssen ihre Sexualität in der christlichen Gemeinschaft leben können, ohne diffamiert zu werden.”
In einem Brandbrief verurteilen rund 30 westfälische Pfarrer die Positionen des Präses. Sie fürchten, dass Buß „den Weg bereitet für Reformen, die die Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare erlauben.” Buß wende sich hier von der „biblischen Orientierung” ab. Unterschrieben haben den Brief Pfarrer aus den Kirchenkreisen Lüdenscheid, Münster, Soest und Witten.
„Was in dem Brief steht, ist nur eine lautstarke Minderheitenmeinung. Sie kommt aus konservativen Kreisen in bestimmten Regionen”, sagt Reinhold Weicker von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) zur WAZ.
Wie bei Linkshändern
Für Weicker ist die Meinung, die Buß im Mai auf dem Kirchentag in Bremen öffentlich gemacht hatte, „ein Weg hin zum Evangelium.” Der HuK-Sprecher wundert sich über die Schärfe des Protests: „Manche möchten uns das Christsein absprechen.”
In Bremen hatte Alfred Buß festgestellt: „Gott liebt alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.” Er zog einen Vergleich zu den Linkshändern: Noch vor wenigen Jahren sei ihre Veranlagung als Mangel betrachtet worden, den man durch Erziehung beheben wollte. Heute würden Linkshänder selbstverständlich akzeptiert.
Homosexualität sei anlagebedingt: „Es handelt sich weder um eine Fehlentwicklung oder eine Krankheit noch um eine Behinderung oder ein Defizit.” Die Evangelische Kirche in Deutschland mochte gestern nichts zu dem Streit sagen. Das sei ein „westfälisches Thema”. Der Sprecher von Präses Buß hielt sich ebenfalls zurück: „Es gibt auf alte Fragen keine neuen Antworten.”

00:39
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
00:39
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
00:39
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
00:38
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
23:54
Der Wunsch homosexueller Menschen nach Gleichberechtigung und Akzeptanz ihrer sexuellen Prägung ist nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen mit einer Propagierung sexueller Freizügigkeit oder Beliebigkeit. Homo- wie heterosexuelle Menschen erleben ihre Sexualität als Teil ihres Lebens und haben sie in gleicher Weise verantwortlich in ihr Leben einzubeziehen.
Ein Zweck der Sexualität - aber keineswegs ihr einziger - ist es, biologisches Leben weiterzugeben, was nur in der Vereinigung von Mann und Frau möglich ist. Homosexuelle können diesem Zweck nicht nachkommen, erleben ihre Sexualität als körperlichen Ausdruck der Liebe zu einem anderen Menschen aber nicht anders als Heterosexuelle.
Wir wissen um die Zerbrechlichkeit unserer Beziehungen. Es ist darum gut, einander darin unterstützen, unserer Partnerschaft Bestand zu geben. Auch homosexuelle Christen sind nicht von Gott geschaffen, um ihre Sexualität ein Leben lang zu ignorieren oder krampfhaft zu verdrängen. Wer gegenseitige Liebe erleben darf, wird als Christ diese Liebe als Geschenk Gottes ansehen. Und als homo- wie als heterosexueller Mensch wird er Gott darum bitten, dieses Geschenk zu segnen und zu bewahren. Manch einer, der sich für bibeltreu hält, kann (oder will) dies nicht nachvollziehen und meint, dagegen protestieren zu müssen, wenn homosexuelle Menschen, die aufgrund ihrer Prägung nun einmal nicht heterosexuell leben können, darum bitten, ihr gemeinsames Leben dem Schutz und der Begleitung Gottes anzuempfehlen.
Die Bibel verurteilt sexuelle Gier, die dem eigenen Egoismus dient, nicht aber die Liebe zweier Menschen zueinander.