Schwarz-Gelb probt erstmal den Kuschelkurs
05.10.2009 | 21:06 Uhr 2009-10-05T21:06:00+0200
Berlin. Am ersten Tag der Koalitionsverhandlungen gaben sich CDU, CSU und FDP betont harmonisch. Das wechselseitige Anrempeln der vergangenen Tage schien vergessen zu sein. Meinungsverschiedenheiten wurden weggelächelt. Dabei waren gerade die Liberalen noch am Montagvormittag spürbar angesäuert.
Wenn Kleider nicht nur Leute, sondern auch Koalitionen machten, dann wäre manches einfacher an diesem angenehm besonnten Nachmittag in der Berliner Hiroshimastraße gewesen. Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, hat ihr oft getragenes Pink im Jackett der noch für Forschung zuständigen Kabinettskollegin Schavan überlassen und sich hoffnungsfroh in einen petrol-grünen Blazer geworfen. Guido Westerwelle hat sich eine sehr nach königlich bayrischem Blau aussehende Krawatte umgebunden und Horst Seehofer die Beißlust auf alles Liberale mit einem schwarz-gelb gemusterten Binder geknebelt. Die über das Textile hinausreichende Botschaft der Delegationschef von CDU, FDP und CSU zum Auftakt der schwarz-gelben Regierungsbildung in der NRW-Landesvertretung war somit klar: Wird schon werden mit uns, lasst uns nur machen.
Keimfreie Sätze
Und was war mit dem wechselseitigen Anrempeln der vergangenen Tage? Alles weggelächelt. Mit staatspolitisch keimfreien Sätzen wie diesen: „Wir werden diese Koalitionsgespräche in guter Partnerschaft, in großer Fairness miteinander führen, natürlich in dem Bewusstsein, dass es auch Unterschiede gibt, aber vor allen Dingen in dem Bewusstsein, dass wir von den Wählern einen Auftrag bekommen haben, gemeinsam für dieses Land vernünftige Politik zu machen.” (Merkel). Oder : „Jede neue Regierung ist ein neuer Anfang.” (Westerwelle). Oder: „Ich denke, wir werden eine sehr gute Koalitionsvereinbarung hinbekommen.” (Seehofer)
Der „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs” , der sich neben „Piratenpartei”-Gängern und Atomkraftgegnern als Protestkulisse auf die andere Straßenseite geschlagen hatte, bekam leider nicht mit, was man nur aus der Nähe sah: eine gewisse Verkrampfung auf den Gesichtern der drei Wortführer. Wie Büchsenspanner aller Parteien übereinstimmend durchsickern ließen, legte sich die Anspannung aber im Lauf des Nachmittags. Wohl auch, weil Torsten Liske, Küchenchef der Landesvertretung, sich mit den Feigen-Spießchen und Avocado-Salatbeilagen einige Mühe gegeben hatte. Gegen 19 Uhr sollte zudem ein rustikales Rumpsteak zusätzliche Kraft geben. Die war aber gar nicht vonnöten.
Überraschend große Arbeitsgruppen
Glaubt man jedenfalls den drei Generalsekretären, die für eine inhaltsleere Wasserstandsmeldung vor die Mikrofone traten. Schnittmenge der Worte von Ronald Pofalla (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Dirk Niebel (FDP): ausgezeichnete Atmosphäre - alle bereit für den Neuanfang.
Dabei waren gerade die Liberalen noch am Montagvormittag spürbar angesäuert. CDU/CSU hatten kurzerhand die Anzahl der Experten in den zehn Facharbeitsgruppen von Umwelt über Finanzen bis Gesundheit, die ab heute die Feinarbeit für die Formulierungen im Koalitionsvertrag aufnehmen, kurzfristig nach oben geschraubt. Waren zunächst effektive Dreier-Teams von CDU, CSU und FDP vorgesehen, also maximal neun Leute pro Fachgebiet, so meldete die Union plötzlich für jene Arbeitsgruppe vier oder fünf Vertreter, für andere sogar sechs Abgesandte an. Vermutetes Kalkül: Wenn am Ende insgesamt 160 oder sogar 180 Parlamentarier aller Denkschulen und Flügel beteiligt sind, kann später niemand meckern und sich mit dem beliebten Mich-hat-ja-keiner-gefragt herauslügen.
In den Arbeitsgruppen kriegt es FDP-Oldie Hermann Otto Solms beim Thema Finanzen mit Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere (CDU) zu tun. Und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss sich auf dem Feld der Innen- und Sicherheitspolitik mit der Bürgerrechtsvertreterin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zusammenraufen. Ob die Masse allerdings die Schlagkräftigkeit und das von Angela Merkel gewollte Verhandlungstempo erhöhen wird, muss sich noch herausstellen. „Das weiß doch jeder, je mehr Leute, desto detailverliebter die Gespräche, desto größer die Aussicht auf Stillstand und Nichteinigung”, sagte ein pikierter FDP-Verhandler der WAZ.
Liberale Brücken
Einer, der sich auf weitaus zähere Gespräche einstellt, als gestern erkennbar wurden, ist Horst Seehofer. Sein Hinweis, als einziger in der 27-köpfigen Chef-Runde, die sich am 8. und 14. Oktober von den „Arbeitsbienen” berichten lässt, über 17 Jahre Koalitionserfahrung mit der FDP in Bonn und München zu verfügen, konnte auch als sanfte Drohung verstanden werden. Guido Westerwelle, dessen Programm für viele in der CDU, gerade um NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Zumutungen enthält, bekräftigte, dass alle Meinungsverschiedenheiten „überbrückbar” seien. Wie begehbar die liberalen „Brücken” sind, wird sich vom 16. bis 18. Oktober zeigen. Dann kommen die Chef-Unterhändler zum vorläufig letzten Verhandlungspoker zusammen.

07:06
Die Mauerkönigen und sein Knappe- ich bin voll öberzeugt (-;
06:52
#1 wenig im kopf so einen dämlichen kommentar abzugeben
00:18
Tolle sachliche Kommentare. Die Politiker/innen sind wie wir hier: Auf einem Auge blind, reden ohne etwas zu sagen und polemisieren bis der Arzt kommt. Sind die und wir tatsächlich so? Das wäre schon bitter. Oder führen wir alle uns nur so auf?
00:15
Wir stehen am Abgrund und morgen sind wir einen Schritt weiter.....
21:51
Ach, r.kant wieder als Troll unterwegs was nicht lesen will?
ansonsten schriebe ich nicht... du bist nur zu dumm einfache Wahrheiten zu erkennen!
*LOL* über dich Vollpfosten
21:43
@ das Kollektiv
Könnten sie ihren Kommentar mal so schrieben, dass man auch erkennt, was sie damit aussagen wollen?
@ all
Ansonsten bleibt wohl festzuhalten, dass Koalitionsgespräche wohl in einer netten Atmosphäre ablaufen.
Für diese Erkenntnis hätte man den Kommentar von Herrn Hautkapp nicht gebraucht.
Ich vermute, dass Herr Hautkapp natürlich persönlich vor Ort war und vergeblich versucht hat, weitere Informationen zu erhalten.
Oder hat er alle seine Erkenntnisse nur den entsprechenden Meldungen der Presseagenturen und dem deutschen Fernsehen entnommen?
21:27
Als ob sich das Merkel was von dem Leichtmatrosen und seiner Kumpenei was gefallen läßt... lieber weiter Deutschland neoliberal abwirtschaften!!
21:20
häh häh. den roten redakteuren gefällt es wohl nicht, dass nicht stunk in der sitzung war. ja, erwachsene menschen können auch konstruktiv zusammenarbeiten.
da muss die rote zeitung sich wohl auf die spd gespräche stürzen, damit die neue rote bild mit schlagzeilen rauskommt.
ja, der roten presse fehlt eine gewaltige portion coolness, zurückhaltung und objektive berichterstattung.
warum geht ihr nicht zur bild ?