Schulz: Nie betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen
28.04.2009 | 09:49 Uhr 2009-04-28T09:49:00+0200
Essen. Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp plant einen radikalen Umbau seiner Unternehmensstruktur. Mindestens 1,5 Milliarden Euro will Konzernchef Ekkehard Schulz einsparen. Ob und wie viele Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, ist noch unklar. Schulz sieht sich derzeit aber zu Unrecht in der Kritik.
Herr Schulz, Sie galten lange bei den Arbeitnehmern als der wohl beliebteste Vorstandschef eines Dax-Konzerns. Damit ist es wohl vorbei.
Schulz: Zwischen Hosianna und "Kreuzigt ihn" ist es ein schmaler Grat. In diesem Fall ist die Kritik der Betriebsräte an mir völlig unberechtigt und auch sehr ärgerlich. Ich weiß wirklich nicht, was die Arbeitnehmervertreter damit bezwecken, mich zum Buhmann zu stempeln.
Die Betriebsräte werfen Ihnen Wortbruch vor, insbesondere in der Frage der betriebsbedingten Kündigungen.
Schulz: Hier entsprechen die Aussagen der Betriebsräte keineswegs den Fakten. Ich habe nie betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Das kann ich auch nicht. Ich habe allerdings noch letzten Donnerstag den Betriebsräten gesagt, dass ich sehr sicher bin, dass wir den Umstrukturierungsprozess ohne betriebsbedingte Kündigungen hinbekommen. Insofern haben die Betriebsräte meine Aussagen in der Öffentlichkeit fast schon ins Gegenteil verkehrt.
Was macht Sie so sicher, ohne Kündigungen auszukommen?
Schulz: Der Vergleich mit der bisher schlimmsten Stahlkrise zwischen 1992 und 1995. Damals mussten wir bei Thyssen, Krupp und Hoesch binnen dreier Jahre 30 000 Stellen abbauen. Auch das ist uns ohne Kündigungen gelungen.
Thyssen-Krupp muss Nachfrageeinbruch von 10 Prozent verkraften
Der Einbruch beim Stahl ist heute schlimmer als damals.
Schulz: Das stimmt. Damals hatten wir einen Nachfrageeinbruch von zehn Prozent zu verkraften. Im Moment liegen wir bei einem Rückgang von dramatischen 40 bis 50 Prozent. Das gab es noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings sind wir bei weitem nicht gezwungen, Personal in der Größenordnung wie in den 90er Jahren abzubauen.
Allerdings strukturieren Sie ihren Konzern komplett um, und zwar noch drastischer, als bereits vor vier Wochen geplant? Auch das treibt die Betriebsräte auf die Barrikaden.
Schulz: Wir haben bisher immer zwei Konzepte diskutiert. Das eine, aus fünf operativen Zwischengesellschaften zwei Divisionen in Form von Aktiengesellschaften zu machen, oder die fünf Gesellschaften – abgesehen von der Thyssen-Krupp Steel AG – auf die Holding, also Thyssen-Krupp AG, zu verschmelzen.
"Es ist nicht unser Ziel, Mitbestimmung einzuschränken."
Der ersten Version haben die Arbeitnehmer zugestimmt, jetzt wollen Sie aber die zweite Version durchsetzen, womit 40 Aufsichtsratssitze der Arbeitnehmer wegfallen und damit Mitbestimmung eingeschränkt wird.
Schulz: Es ist nicht unser Ziel, Mitbestimmung einzuschränken. Wir sind allerdings in einigen Bereichen übermitbestimmt.
Das heißt?
Schulz: Nehmen Sie das Beispiel Marine Systems. Da wird auf dieser Unternehmensebene mit Aufsichtsrat, Fristen und Vorlagen gearbeitet, dann beim Segment Technologies und später nochmal auf der Ebene der Thyssen-Krupp AG – drei Mal sind drei Aufsichtsräte mit einem Vorgang befasst, das können wir uns nicht mehr leisten.
"Schiff Thyssen-Krupp durch wogende See ans Ufer bringen"
Dennoch, warum haben Sie binnen vier Wochen Ihre Ansicht geändert?
Schulz: Die Zahlen in dieser Krise verschlechtern sich wöchentlich. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir einen deutlich stärkeren Durchgriff auf das operative Geschäft brauchen. Wir müssen gemeinsam mit allen Beteiligten das Schiff Thyssen-Krupp in wogender See ans andere Ufer bekommen. Diese Umstrukturierung ermöglicht nicht nur schnellere Entscheidungen, weil eine Vielzahl von Gremien wegfällt, sondern sie hilft uns auch, unsere Einsparmöglichkeiten vor allem bei Sachkosten auszunutzen.
Inwiefern?
Schulz: Unser Konzern kauft dieses Jahr für 23 Milliarden Euro ein. Etwa fünf Milliarden davon drängen sich auf, künftig zentral gemanagt zu werden. Wir rechnen damit, dass wir fünf Prozent durch eine solche neue zentralere Struktur einsparen können. Ein typisches Beispiel dafür sind die Kosten für Informationstechnologie, die bei uns 450 Millionen Euro betragen.
"Deutlich schneller und effizienter werden"
Haben Sie denn bisher nicht gespart?
Schulz: Sicherlich, aber auf freiwilliger Basis. Die neue Struktur, mit der wir die operativen Einheiten zentral vom Holdingvorstand aus steuern, wird es uns erleichtern, falsch verstandene Selbstständigkeit auszuschließen. Wir können nicht mehr Rücksicht nehmen auf Kompromisse in der Konzernstruktur, die wir bei der Fusion von Thyssen und Krupp 1998/99 eingegangen sind.
Also doch eine Renaissance der alten Führung der Krupp GmbH?
Schulz: Überhaupt nicht, das ist falsch. Krupp wurde früher als reine Holding geführt. Wir aber haben zwei Vorstände im Holdingvorstand, die operative Verantwortung tragen. Wir wollen mit der Umstrukturierung deutlich schneller und effizienter werden. Das ist alles.
Thyssen-Krupp beschäftigt von seinen rund 190.000 Mitarbeitern weniger als 80.000 in Deutschland. Planen Sie, aus der Thyssen-Krupp AG eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht zu machen?
Schulz: Das steht derzeit überhaupt nicht zur Diskussion.
"Es gibt eine Reihe von Interessenten"
Mit effizienteren Strukturen wollen Sie auch gewährleisten, dass solche enormen Kostensteigerungen wie bei dem Stahlwerk in Brasilien nicht an Ihnen vorbei gehen?
Schulz: Wir haben schon 2007 die Entwicklung sehr kritisch gesehen, den Projektleiter haben wir im Frühjahr 2008 ausgetauscht. Die Kostenüberschreitung aber jetzt mir anhängen zu wollen, ist ein weiterer Versuch, mich als Vorstandsvorsitzenden zu beschädigen.
Sie planen, die Werke in Brasilien und USA in eine oder zwei Gesellschaften auszugliedern. Suchen Sie Partner?
Schulz: Es ist in der Tat so, dass es eine Reihe von Interessenten gibt. Ich schließe nicht aus, strategische Partner mit hineinzunehmen, wenn das industrielle Konzept stimmt.
Es stand auch zu lesen, Sie stünden unter Druck von Berthold Beitz als Vorsitzender der Krupp-Stiftung und Gerhard Cromme, dem Aufsichtsratschef.
Schulz: Da kann ich Sie beruhigen, noch am Freitag war ich mit beiden zusammen, und Beitz hat mir auf die Brust geklopft und gesagt: "Sie haben mein Vertrauen, das müssen wir gemeinsam durchziehen, das werden wir schaffen. Das ist Ihre Bewährungsprobe."
"Noch keine Zahlen nennen"
Wie viele Mitarbeiter sind von dem Umbau betroffen? Es ist die Rede von 4000.
Schulz: Das entbehrt jeder Grundlage. Wir prüfen jetzt erstmal die wegfallenden Funktionen. Wir können definitiv noch keine Zahlen nennen.
Die Zahlen verschlechtern sich dramatisch. Können Sie Werksstillegungen ausschließen?
Schulz: Ich unterscheide zwischen Stillsetzung und Stilllegung. Letzteres ist endgültig. Wir wollen alle Anlagen und die qualifizierten Mitarbeiter für uns erhalten. Zeitweise Stillsetzungen sind z.B. bei Feuerverzinkung und/oder Kaltwalzwerken möglich, dabei werden wir mit Kurzarbeit reagieren und versuchen, die Auswirkungen auf alle Schultern zu verteilen. Gegen Stilllegungen werden wir mit allen Mitteln kämpfen.
23:38
...bezüglich des Betriebsrats/der Gewerkschaft gebe ich allen recht: Es ist schon extrem pervers das z.B.Dieter Kroll vom Betriebsratsvorsitzenden zum Vostandsmitglied und Arbeitsdirektor aufgestiegen ist. Vom einen Extrem ins Andere.
23:05
..na man solte auch mal beachten das Thyssenkrupp dieses Jahr (also 2009!!!) genau soviel Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet hat wie im Boomjahr 2008. Nämlich 669 Millionen EURO!!! Der alte Beitz woltte seine Kohle für seine unwichtige Stiftung! Cromme ist sein Adjudant und der Schulz muss die Ideen von den Beiden umsetzten. Dazu kommt das Geld von Brasilien und Alabama. Nun wisst ihr warum Thyssen Leute abbbauen will. Es muss mal knallen, mit oder ohne Betriebsrat oder Gewerkschaft...
10:51
So, das ist der Artikel von dem ich dir erzählt habe.
19:56
es wird doch hoechste zeit, dass die betonkoepfe und klassenkaempfer in den betriebsraeten auf ein vernuenftiges mass zurueckgestutzt werden und ihre allmacht verlieren. wie soll sonst eine wirkliche neuausrichtung gelingen? denen geht es um ihre macht, ihre posten und die damit verbundenen annehmlichkeit, sich teilweise zu fast 100% in ihre rot-beflaggten bueros zurueckziehen zu duerfen, wo sie unternehmensverhinderung betreiben, indem sie alles, aber auch alles laehmen. legt ihnen endlich das handwerk, bringt sie dahin, wofuer sie bezahlt werden: an die arbeit!
10:35
@ dasKollektiv:
Was habe ich nicht verstanden? Was wollen Sie uns eigentlich mitteilen?
09:30
@Christian
?
Ihnen, nichts, denn sie haben es nicht verstanden,
es pder das kommt schneller als Sie reagieren können, leider
Gruss
09:15
Herr Schulz merkt endlich, dass seine jahrelange Appeasementpolitik zugunsten Gewerkschaften und Betriebsräten zu nichts geführt hat. Nun jammert er, statt früher seine Mitarbeiter zu unterstützen, die sich geg unverschämte Forderungen vom Gewerkschaften und Betriebsräten gewehrt haben. Sie wurden eiskalt abserviert, weil sie Schulzens Appeasementpolitik nicht folgen wollten, sondern das Wohl ihrer Unternehmungen im Auge hatten.
09:06
@dasKollektiv:
Werden Sie konkret! Was hat es mit Naivität zu tun, festzustellen, dass es keine betriebsbedingte Kündigung zurzeit gibt? Das ist eine Feststellung. Ebenso ist es Tatsache, dass Herr Schulz definitiv zu keinem Zeitpunkt betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen hat. Gegen betriebsbedingte Kündigungen kann man sich erst dann wehren, wenn diese konkret werden. Also: Was werfen Sie mir vor?
07:35
@Christian....
die Naiven sterben nicht aus, Unterstützen sie die..?
07:22
@ dasKollektiv:
Bitte informieren Sie sich! Es ist tatsächlich so, dass betriebsbedingte Kündigungen nie ausgeschlossen wurden. Der Betriebsrat hat sich auf eine Formulierung eingelassen, für dessen Bedeutung er wohl nicht intelligent genug war. So siehts aus.
So lange es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt, brauchen wir uns nicht zu wehren. Gegen was denn?