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Analyse

Rüttgers, Trittin & die Schwampel

01.09.2009 | 17:37 Uhr

Essen. Das Spiel mit Jamaika ist nur auf den ersten Blick absurd: Obwohl sich Liberale und Grüne an der Oberfläche spinnefeind sind, birgt die Bündnisoption durchaus Chancen - und die beiden ausgebufften Macht-Manager Rüttgers und Trittin sondieren das Terrain.

Was haben Jürgen Rüttgers und Jürgen Trittin gemeinsam, abgesehen vom Vornamen? Während am Tag nach der Wahl die üblichen Verdächtigen die gewohnt einfallslosen Interpretationen darboten, ließen sich der schwarze und der grüne Jürgen etwas Neues einfallen: Sie spielten, noch vorsichtig tastend, aber doch deutlich, mit einer neuen Bündnisoption, der schwarzen Ampel aus Union, FDP und Grünen.

Wer sonst als Trittin?

Es ist auf den ersten Blick wirklich leicht, zu erklären, warum diese Konstellation keine Chance hat. Scheinbar soll hier zusammenfinden, was nicht zusammen gehört. Und in der Tat: Niemand ist sich so spinnefeind wie die Liberalen und die Grünen. Außerdem gibt es an der berüchtigten grünen Basis einen ausgeprägt antibürgerlichen Reflex.

Andererseits sind der grüne und der schwarze Jürgen keine Spinner, sondern ausgebuffte Manager der Macht. Und wenn irgendjemand den Grünen eine andere Richtung weisen kann als die aus grüner Sicht eher bedenkliche, das eigene Profil aus Soziale einengende, Rot-Rot-Grün also, dann wohl Trittin, der Bannerträger des linken Flügels.

Kein Signal für Rot-Grün

Von Trittins Parteifreund Arndt Klocke, dem Chef der Grünen in Nordrhein-Westfalen, stammt ein dazu passendes, ernüchterndes Zitat: „Von der Kommunalwahl geht kein Signal für Rot-Grün aus.” In der Tat: Die SPD verlor am Super-Sonntag 2,3 Prozent, die Grünen gewannen 1,7 Prozent dazu. Ein Aufbruchsignal Richtung Landtagswahl und Regierungswechsel in Düsseldorf sieht anders aus.

Und da ist auch noch das Saarland. Sicher ist dort, Stand gestern, Rot-Rot-Grün die wahrscheinlichere Variante. Aber eine schwarze Ampel wäre möglich. Ministerpräsident Peter Müller steht auf dem linken CDU-Flügel, wäre anders als etwa ein Roland Koch in Hessen, auch ganz persönlich kein Hindernis für eine derartige Konstellation.

Sozio-Demografisches kommt dazu: Die Wähler der Grünen sind bürgerlich durch und durch. Die Grünen sind die Partei der Besserverdienenden. Den Unterschied zwischen denjenigen, die sich für die Liberalen und anderen, die sich für die Grünen entscheiden, hat Claudia Roth einmal treffend so beschrieben: „Bei uns macht der Apotheker Friedensarbeit.”

Jenseits taktischer Überlegungen: Rüttgers wie Trittin wissen, dass sowohl Rot-Grün wie Schwarz-Gelb etwas Gestriges anhaftet. Es sind Konstellationen, die die Phantasie der Menschen wenig bewegen. Jamaika. das klingt nach Sommer, Sonne, Usain Bolt.

Am Ende müssten sich alle entscheiden: Die CDU, ob sie den Merkel/von der Leyen-Weg der inneren Modernisierung weiter geht, die Grünen, ob sie ihren bürgerlichen Wählern in eine schwarze Ampel folgen und die FDP, ob sie mit den grünen Erzfeinden teilen will. Weshalb aber eine Rote Ampel, für den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier die einzige Kanzler-Option, funktionieren soll, eine Schwarze Ampel hingegen nicht, mag verstehen, wer will.

Ulrich Reitz

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Kommentare
12.09.2009
19:00
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von Lionel | #12

zu # 10 Malte Dyckmanns:
Zitat: Aus inhaltlicher Überzeugung sollte jeder Mensch die Grünen wählen?
Wie das denn? Weil es die Partei der in die Jahre gekommenen Studienräte und Oberlehrer ist? Weil sie inzwischen auch Kriegseinsätze der Bundeswehr befürworten? Weil sie ihre Dienstwagen vor Wahlen einmal stehen lassen um sich auf dem Fahrrad fotografieren zu lassen?
Weil sie inzwischen die Partei der Besserverdienenden sind? Weil Herr Trittin so sympathisch ist und während seines Studiums Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB) war?
Ich glaube, da müssen Sie noch etwas Überzeugungsarbeit leisten!

12.09.2009
08:56
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von Malte Dyckmanns | #11

Aus inhaltlicher Überzeugung sollte eigentlich jeder Mensch die Grünen wählen.
Ist dies nicht der Fall, sollte man dies aus wahltaktischen Gründen trotzdem tun.
DieLinke an der Macht halte ich für schlimm, aber zum Glück vollkommen ausgeschlossen. Diese Partei wird im Bund von keiner anderen akzeptiert.
Die viel größere Gefahr (da wahrscheinlicher) ist einer Schwarz/Gelbe Koalition, da diese die marktradikale Wirtschaftspolitik fortführt, die zum Kollaps geführt hat und da diese den Suizid der Menschheit durch Umweltzerstörung beschleunigt. Rot-Grün ist unwahrscheinlich, Schwarz-Rot sollte im Sinne der Demokratie vermieden werden. Wählt Grün, dann nehmt ihr Schwarz/Gelb stimmen und ermöglicht eine Schwarz/Grüne Koalition.

Verhindert Schwarz/Gelb!!!

02.09.2009
12:45
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von kl | #10

Klar GELB kann es sich mit GÜN vorstellen!
Die FDP tut einfach alles, um mit in den Sandkasten zu dürfen. Wie immer

02.09.2009
10:17
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von immerNett | #9

Wer rot, rot grün wählt und will, wird auch erst nach der Wahl schlau dann nämlich, wenn es zu spät ist und er merkt die wünsch dir was Vorstellungen sind unrealistisch.

02.09.2009
09:31
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von blub | #8

Wieder einmal kann man r.kant nur zustimmen: Sicherlich ist eine Jamaika-Koalition keine Wunschlösung, gegenüber einer Rot-Rot-Grünen Koalition jedoch deutlich das kleinere Übel.

01.09.2009
20:50
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von r.kant | #7

Warum ist das Meinungsmache! Ich sehe in diesem Beitrag eine notwendige und wichtige Information und der anschließenden Meinungsbildung des Bürgers. Dazu ist ja eine Zeitung wohl au da.

Natürlich soll sich der geneigte Leser auch eine Meinung bilden. Und Meinungsbildend ist der Artikel wahrscheinlich. Also Ziel erreicht!

01.09.2009
15:42
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #6

Der Reitz hört das Gras wachsen. Aber natürlich! In diesem Lande werden Koalitionen ja nach den Vorstellungen irgendwelcher Chefredakteure geschmiedet.

Was war das jetzt? Aha, eine Analyse auf der Grundlage eines Statements von Trittins Parteifreund Arndt Klocke. Und schon weiß Herr Reitz, was der Trittin für listige kleine Gedankenspielchen in seinem Hinterköpfchen betreibt.

Klarer Fall von Meinungsmache. Ein wirklicher Journalist hat sich für so was zu schade zu sein. Herr Reitz aber anscheinend nicht.

01.09.2009
15:17
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.09.2009
15:16
Rüttgers, Trittin & die Schwampel
von kolonie54 | #4

Es kann nur eines geben:
rot rot grün.
Die schwarzblonden Lobbyschleimer müssen weg.

blinker5902

01.09.2009
15:03
Blockierter Kommentar.
von landsberg13 | #3

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