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Opel-Krise

Rüttgers: "Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer"

07.11.2009 | 11:45 Uhr
Rüttgers: "Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer"

Berlin. Er wäre glücklich, „wenn wir bei Opel bis Weihnachten wissen, wie es weitergeht.” Allein, nicht der Ministerpräsident oder seine Kollegen sind die Herren des Verfahrens, sondern General Motors. Mit Jürgen Rüttgers sprach Miguel Sanches darüber, wie es weiter geht. Noch überwiegt die Wut.

GM hält an Opel fest. Hier sind die Arbeiter empört, in England jubeln sie. Was sagt Ihnen das?

Rüttgers: Die erhoffen sich offenbar mehr von GM als wir. Warten wir mal ab, bis der neue GM-Plan vorliegt.

Reicht Ihre Solidarität über Bochum hinaus?

Rüttgers: Ministerpräsidenten und Bundesregierung lassen nicht zu, dass ein Bundesland gegen das andere ausgespielt wird. Alle Standorte müssen erhalten und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

GM sieht für Bochum „interessante Optionen”. Wollen Sie uns weismachen, sie würden weinen, wenn in Bochum die Jobs gerettet werden, in Spanien aber nicht?

Rüttgers: Natürlich würde ich mich für Bochum freuen. Aber das Magna-Konzept hat eine Perspektive für alle aufgezeigt. Das sollte immer noch möglich sein. Wenn GM tiefe Wunden reißt, wird der Neuanfang in Europa insgesamt verdammt schwer.

Schweden ließ „Saab” in Insolvenz gehen. Nun startet Saab wieder durch. Waren die Schweden cleverer?

Rüttgers: Nicht der Staat kann eine Insolvenz beantragen, sondern die Eigentümer. Das wollte GM nicht. Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer.

Drei Milliarden an Kosten der Arbeitslosigkeit und vier Milliarden an Pensionslasten, die auf die gesamte Wirtschaft zukämen.

Rüttgers: Eben. Eine Rettung ist billiger und langfristig sinnvoller als die Abwicklung. Hinzu kommt – auch das ist die Botschaft des unsäglichen Verhaltens –, dass GM ohne Patente, ohne die Entwicklungsabteilung von Opel aufgeschmissen wäre.

Unsäglich? Kann man sich mit den GM-Leuten an einen Tisch setzen?

Rüttgers: Die Frage sollten Sie GM stellen. Die müssen das Verhältnis zu den Opel-Arbeitern und Betriebsräten kitten. Ich finde die Forderung der Gewerkschaften berechtigt, Opel in eine neue Rechtsform einzubringen, so dass nicht permanent aus Detroit hineinregiert wird. Die Herren haben keine Ahnung vom deutschen Markt. Sie haben – völlig neben der Spur – in den USA ihre Spritschlucker gebaut und sich in Machtkämpfen aufgerieben. Dazu passt auch, dass sie jetzt plötzlich das Management austauschen wollen.

Weil die Insolvenz teurer ist, wird die Politik helfen, oder?

Rüttgers: Wenn GM einen klaren Plan hat, sollen sie ihn vorlegen. Allerdings müssen sie auch investieren und Geld in die Hand nehmen. Die US-Regierung hat allerdings ja untersagt, dass US-Steuergelder woanders fließen.

Dann eben deutsche Steuergelder.

Rüttgers: Der deutsche Steuerzahler kann schon nach EU-Recht nur helfen, wenn es ein klares Konzept gibt. Ob es neue Hilfen geben kann und wird, hängt davon ab, wie sich GM verhält.

Opel ist zum Synonym für staatliche Bevorzugung geworden. Trifft Sie die Stimmung in der Bevölkerung?

Rüttgers: Darum geht es doch nicht. Ich lasse die Arbeitnehmer nicht allein, ob es um Opel, Nokia oder um Mittelständler geht. Wir helfen, weil wir überzeugt sind, dass die Regeln der sozialen Marktwirtschaft eingehalten werden und die industrielle Struktur erhalten bleiben muss.

Können Sie sich nicht darüber freuen, dass ein Unternehmen wieder so stabil ist, dass es seine Tochter führen kann?

Rüttgers: Nicht vergessen: Stabil dank der amerikanischen Staatshilfe. Es war vorher doch GM, das am Markt versagt, das nicht investiert und nicht Wort gehalten hat. Der Vertrauensverlust ist riesig. Den muss GM erst aufarbeiten. Am erfolgreichsten war dagegen die Tochter, nämlich Opel.

US-Präsident Obama soll nichts gewusst haben. Nehmen Sie ihm das ab?

Rüttgers: Ja, in Amerika gibt es ein anderes Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft. Soziale Partnerschaft kennen die nicht. Die Amerikaner haben die außenpolitische Tragweite unterschätzt. So sind auch die Russen stinksauer.

Ist die Ruhe der Magna-Leute Ihnen suspekt?

Rüttgers: Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna ist ein Lieferant von General Motors. Dass die jetzt nicht schimpfen, ist logisch. Die haben die Faust in der Tasche.

Miguel Sanches

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Kommentare
08.11.2009
16:00
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von akaz | #54

Und wenn der Arbeiterführer Rüttgers noch so lange hin- und herrechnet (ob das was mit Mathe zu tun hat, bleibt offen), am Ende sind die Hilfsmilliarden doch alle versenkt, denn Opel geht baden. Unter GM nur noch schneller. Warum fährt jetzt GM die gesprächsbereite Offensive? Warum soll ein Europäer die Leitung die Leitung übernehmen, wie Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz so vehement fordert?
Es geht ausschließlich um die Milliarden Euros, denn es gibt genug Beispiele von angeblicher Rettung, vorgemacht hat das der Basta-Kanzler.

08.11.2009
13:49
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von Peter Wein | #53

Als Bochumer muss ich feststellen: Das Opelwerk hat in der Vergangenheit bei Invesititionen und neu zu bauenden Automodellen immer europaweit vergleichsweise schlecht dagestanden.
Ich würde mir wünschen, dass unser Ministerpäsident Rüttgers nicht nur die Arbeitsplätze in Bochum im Auge behält sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes in Bochum insgesamt, sprich es muß endlich investiert werden.
Nur damit kann langfristig eine Perspektive für das Werk in Bochum geschaffen werden (gleiches gilt in anderen deutschen Werken).
Wie sonst soll wohl der Eigentümer entscheiden nachdem die Arbeitsplatzgarantien abgelaufen sein werden, die deutschen Hilfen ausgegeben sein werden, wenn andere europäische Standorte im Vergleich besser dastehen? Ich vermisse seit einem Jahr die Diskussion, wie die Zukunftsfähigkeit Opels in Bochum und seiner deutschen Werke erreicht werden soll.
Falls Investitionen in das Bochumer Werk nicht Bedingung der Verhandlungen sind, werden die im Gespräch befindlichen 450 Millionen Euro NRWs herausgeschmissenes Geld sein.

Stop der Diskussion, dass man mit Arbeitsplatzabbau ein Unternehmen retten kann!!

08.11.2009
13:40
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von Peter Wein | #52

Als Bochumer muss ich feststellen: Das Opelwerk hat in der Vergangenheit bei Invesititionen und neu zu bauenden Automodellen immer europaweit vergleichsweise schlecht dagestanden.
ich würde mir wünschen, dass unser Ministerpäsident Rüttgers nicht nur die Arbeitsplätze in Bochum im Auge behält sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes in Bochum insgesamt, sprich es müssen endlich investiert werden. Nur damit kann langfristig eine Perspektive für das Werk in Bochum geschaffen werden.
Ansonsten sind die im Gespräch befindlichen 450 Millionen Euro NRWs herausgeschmissenes Geld.

Stop der Diskussion, dass man mit Arbeitsplatzabbau ein Unternehmen retten kann!!

08.11.2009
00:55
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von dasKollektiv | #51

Unter Rüttgers und Guttenberg wäre es für alle noch viel teurer geworden, dann lieber denjenigen die sich damit auskennen und das ist GM!

07.11.2009
18:45
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von pauker | #50

Wir werden eben von Schwätzern wie Rüttgers regiert, weil die Mehrheit dieses Volkes solche dreisten Schwätzer will. Wenn die häufig übergewichtige Opelproleten öffentlich rumbrüllen spielt Sachverstand dann keine Rolle mehr wie der Rauswurf von Wennemer und Pfeil aus der OpelTreuhand zeigt.

07.11.2009
13:51
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von nie88 | #49

Bis zur Landtagswahl in NRW braucht sich kein Opelaner sorgen zu machen...aber vorsorglich sollte er/sie sich schon mal bei der BA melden, im Arbeitsmarktgesetz steht JEDER ARBEITNEHMER HAT SIC, WENN DER VERDACHT BESTEHT DAS ER7SIE DEN ARBEITSPLATZ VERLIERT UNVERZÜGLICH BEIM ARBEITSAMT ALS ARBEIT-SUCHEND ZU MELDEN.....Steht da nicht Wörtlich aber Sinngemäß....und verbratet schon mal euer Vermögen sonst freut sich ne ARGE

07.11.2009
13:34
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von blinker5902 | #48

Ach ja, der Jürgen.
Großes Maul und nix dahinter.
Angst vor den Wahlen und desshalb sein dummes Geschwätz.
Übrigens: Opel gehört GM und sonst niemandem.
Da ändert auch die NRW Lusche nichts daran.

07.11.2009
13:34
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #47

@r kant. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, Opel zu retten. Aber was mich ärgert, ist wie schwach die Politiker als unsere Vertreter in diesem Spiel sind. Sie werden doch von den Konzernen an der Nase herumgeführt, ob von den Banken oder GM, Siemens oder Telekom.

07.11.2009
13:09
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von Schürener | #46

Unser MP hatte doch schon vor Monaten in Detroit alles geklärt oder irre ich mich?

07.11.2009
12:10
Rüttgers: Eine Insolvenz wäre für alle viel teurer
von zauberlehrer | #45

Laßt den GM Konzern motschen ,es kommt sowieso nichts gescheites heraus . Und Herr Rüttgers der nach Staatsgeldern (Steuern von uns Bürgern ) schreit, hat nur sein eigenes Wohl im Auge (Wahl in NRW , sowie Mehrheit im Bundesrat ) einfach eine verlogene Gesellschaft !!

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