Das aktuelle Wetter NRW 13°C
60 Jahre WAZ

"Revolution? Ja, klar!"

03.04.2008 | 10:06 Uhr

Essen. Wenn unsere Gesellschaft ein Fluss ist, dann schwimmt eine Volkszeitung wie unsere in dessen Mitte. Dort ist die Geschwindigkeit am höchsten, hier wird die Richtung bestimmt: Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung in der Mitte eines mächtigen Stroms.

1948 – Revolution? Nicht ganz. Deutschland, Übergangsland. Welche Art von Demokratie? Welche Art von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verfassung? Wie eingebunden in die Welt drumherum? Nichts war mehr ganz offen, aber noch sehr wenig war schon fertig. Immerhin wurde der Mythos erdacht für Deutschland als Wirtschaftswunderland: die D-Mark.

2008 – Revolution? Nicht ganz. Aber wieder ist Deutschland Übergangsland. Was kommt nach dem Auslaufen der Industriegesellschaft, wie sie das Ruhrgebiet prägte? Was passiert, wenn der Eigentümer-Kapitalismus Zug um Zug ersetzt wird durch den Börsen-Kapitalismus, der keine Heimat mehr kennt? Mag sein, dass der Übergang von einer Industrie- in eine Was-Auch-Immer-Gesellschaft auf jeden Fall mit einer Verbürgerlichung der Lebensverhältnisse einhergeht, weil nicht mehr die großen Einheiten unser Leben prägen, sondern die mittleren, mittelständischen und kleinen, aber: Wie lange wird das dauern? Und was geschieht in der Zwischenzeit? Was das mit der WAZ zu tun hat? Einfach alles, weil eine Zeitung Teil des Wandels ist.

"Zeitung heute ist, anders als 1948, nicht mehr selbstverständlich. Nur schöne Zeitungen und Zeitschriften werden ihre Kunden finden, sie erfreuen oder gar begeistern"

Wenn unsere Gesellschaft ein Fluss ist, dann schwimmt eine Volkszeitung wie unsere in dessen Mitte. Dort ist die Geschwindigkeit am höchsten, hier wird die Richtung bestimmt, entfaltet sich die ganze Kraft. Hier wird aus dem Gestern das Morgen. Am Ufer geht es langsamer zu, schon deshalb, weil man sich im Gestrüpp verfangen kann. Eine Zeitung so zu machen, dass sie nicht Gefahr läuft, sich im Ufergestrüpp zu verheddern, sondern in der Mitte schwimmt, also den Strom der Gesellschaft spürt, erkennt und dann notiert für ihre Kundschaft, ist eine anspruchsvolle Angelegenheit.

WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz (Bild: WAZ / Ingo Otto)

1948 wurde die Zeitung neu erfunden. Unter widrigen Umständen. Das Papier war so knapp wie der Nachrichtenhunger groß. Also druckte man sehr kleine Schriften, kleine Bilder, und füllte auch noch den letzten Millimeter.

2008 wird die Zeitung neu erfunden. Unter widrigen Umständen. 300 TV-Kanäle und mehr noch: das Internet mit seiner Vielfalt zwischen Programmkino und Porno, Neuigkeit und Nonsens. 1948, das war der Umgang mit Knappheit. 2008, das ist die Bewältigung von Überfluss. Mut zur Einzigartigkeit also, selbst wenn es darum geht, immer noch seriös und aktuell den Tag abzubilden.

"Nokia ist erst einmal nur eine Nachricht. Dann eine Emotion. Aber dann ein Fall fürs tiefere Verstehen. Ist das noch unsere Marktwirtschaft? Und wie funktioniert die neue?"

Aber es ist nicht mehr nur das Gestern. Sondern auch das Heute und Morgen. Zeitung bereitet mehr denn je darauf vor, was uns erwartet. Das hat Folgen. Die Nachricht bleibt, aber die Analyse holt auf. Zeitung heute ist, anders als 1948, nicht mehr selbstverständlich. Um diesen Status ringt sie viel mehr als früher. Deshalb will sie schön sein. Nur schöne Zeitungen und Zeitschriften werden ihre Kunden finden, sie erfreuen oder gar begeistern. Ästhetik ist kein Schnickschnack, unser ganzes Leben ist voll davon. Darum gibt man sich heute so viel Mühe mit den Fotos. Mehr noch: Wenn Fotos den Charakter von Dokumenten des Zeitgeschehens gewinnen, werden Zeitungsseiten um sie herum gebaut. Dann sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Und die Inhalte? Wenn alles um uns herum saust und braust, dann stiftet die Zeitung eine Oase der Ruhe. Des Innehaltens und Sich-Auseinandersetzens. Nachdenklichkeit statt Aktion wie im Rest der Welt. Ein Platz des Begreifens. Debatte also. Pluralität. Offenheit für das Andere, das Neue. Und Mut zum Tiefgang. Oberfläche ist einfacher, hält aber auch nicht, bisweilen nicht einmal einen Erscheinungstag lang. Unsere Leser sollen erfahren, welche Gedanken gerade gedacht werden. Aber nicht in einer abgehobenen Sprache, die nur die Köpfe von wenigen erreicht. Das Anspruchsvolle bodenständig dargebracht. Darüber ermöglicht Zeitung Teilhabe.

Nie war der Bildungsauftrag von Zeitung wichtiger als heute. Noch nie war darum Zeitung so eng verbunden mit Schule. Nokia ist erst einmal nur eine Nachricht. Dann eine Emotion. Aber dann ein Fall fürs tiefere Verstehen. Ist das noch unsere Marktwirtschaft? Und wie funktioniert die neue? Das wollen und müssen wir liefern. Wie die Serie über den Koran.

"Wenn alles um uns herum saust und braust, dann stiftet die Zeitung eine Oase der Ruhe. Des Innehaltens und Sich-Auseinandersetzens"

Liefern werden wir Journalismus auf allen Kanälen. Was wir mitteilen, sollte schon überall gefragt sein, nicht nur in der Zeitung, sondern auch auf dem Handy, übers Internet auf dem Computer, im Fernsehen. Und noch nie war die Verbindung zum Kunden so groß wie heute. Längst ist Zeitung Mitmach-Zeitung, das haben wir vom und im Internet gelernt. (Und in dieser Beziehung werden wir, neugierig und dankbar, noch viel lernen.)

Bei allem: es gibt sie noch – die gute alte Enthüllung. Den Scoop. Nur ist er manchmal anders, als man denkt. Kürzlich gelang der Redaktion etwas ganz Besonderes. Aufzudecken, wie verloren Menschen sich in unserem Siechen-System fühlen, die den Tod eines geliebten Menschen erleben müssen. Das hätte man vielleicht auch vorher wissen können. Aber wir wussten es nicht. Erfahren haben wir es durch zweierlei: die naive Unschuld, Sie danach zu fragen, und eben Ihre Antworten. Tief betroffen, ehrlich, rückhaltlos.

Es ist schon seltsam: Unsere Leser haben ihre ganz eigene Exklusivität erzeugt. Nicht wir haben den Scoop geschafft, sondern: Sie. Auch so eine Revolution. 60 Jahre nach der allerersten. Der Geburt der WAZ. Und wer weiß, was noch alles kommt.

Mehr zum Thema:

Chefredakteur Ulrich Reitz

Facebook
 
Kommentare
30.07.2009
20:43
Revolution? Ja, klar!
von Gert Messerschmidt | #14

Sehr geehrter Herr Reitz,
als Historiker kann ich mich nur wundern. Ihre Verwendung und Interpretation von Begriffen wie Revolution und Gesellschaft entsprechen ebenfalls der von Ihnen kritisierten Vielfalt im Sinne von Nonsens! Und was das historische Wissen über die WAZ angeht, so sollten sie als Chefredakteur endlich mal in das folgende Werk schauen:
Karl-Martin Obermeier : Medien im Revier. Entwicklungen am Beispiel der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), (Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung, Bd. 48.) München; London; New York 1991.
Dort erfahren sie dann mehr über die Geschichte der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung im Jahre 1948 und können sich dann zukünftig vielleicht wie Ihr Vorgänger Brost qualifiziert zur deutschen Zeitunggeschichte äußern.
Es geht dabei nicht um die Lizenzerteilung am 18. Februar 1948, sondern um die Ideen der Gründer Brost und Funke! Es geht um die Tatsache, dass die guten Verbindungen von Brost und Funke halfen, die WAZ erfolgreich starten zu lassen.
Weiterhin spricht man in der Soziologie von der Dienstleistungsgesellschaft und im Ruhrgebiet von der postindustriellen Gesellschaft als Nachfolger der Industriegesellschaft. Ihr Ausdruck lässt auf wenig Beschäftigung mit Gesellschaftswandel schließen. Eines ist übrigens sachlich völlig falsch. Die Zeitung an sich wurde 1948 nicht neu erfunden, sie wurde höchstens weiterentwickelt. Das war nicht die Leistung der WAZ, auch sie war von der britischen Besatzungspolitk abhängig und wurde gleichsam durch die Briten gefördert. Weiterhin mangelte es Brost nicht an Papier, er konnte von den Briten ausreichend besorgen. (siehe bei Obermeier, S.256f.) Seine Interviews in den 1980er Jahren dramatisieren die damlige Situation. Wo bleibt da die redaktionelle Tiefe oder Genauigkeit? Noch eine Sache. Nichts war in der Nachkriegszeit wichtiger als die Bildung! Die Umerziehung der Deutschen im Sinne der Reeducation war Vorraussetzung für die demokratische Entwicklung in Deutschland. Das war der Auftrag der Zeitungen! Als langjähriger Leser hoffe ich auf Ihr Bemühen, damit die Arbeit von erich Brost und Jakob Funke würdig weiter geführt wird!

11.12.2008
10:46
Revolution? Ja, klar!
von ChrisRiver | #13

... in einem Fluß geworfen und weggespühlt. Das scheint mir die heutige WAZ zu sein.

08.04.2008
15:49
Revolution? Ja, klar!
von Michael Ries | #12

Diejenigen, die über die in den letzten Jahren stark veränderte WAZ meckern, sollten bitte nicht vergessen, daß sich die Zeitung zumal unter Ulrich und im Hintergrund mit Bodo Hombach (übrigens ein SPD-Mann !) quantitativ und qualitativ mächtig verbessert hat. Aus einem mittelmäßigen, meist verschlafenen Provinzblatt mit dürftigem journalistischen Angebot, das mich oft genug frustirert hat, ist eine frische, moderne und unterhaltsame Tageszeitung mit überregionaler Ausstrahlung geworden.
Da nehme ich es gerne in Kauf, daß der Chefredakteur nicht mehr ein lupenreiner SPD-Mann ist. Als selbständig denkender Mensch freue ich mich hingegen über die lebendige Meinungsfreude und neuentfaltete Kreativität der Redaktion.
Deshalb: Liebe WAZ, nur weiter so! Werdet zur publizistischen Klammer und zum journalistischen Leuchtturm unseres Ruhrgebiets!

04.04.2008
19:21
Revolution? Ja, klar!
von turbo_40 | #11

@unruhr Unterschätzen Sie bitte nicht die Bedeutung und den Einfluss, der mit dem Posten eines Chefredakteurs bei der WAZ, bundesweit und speziell für NRW auf die öffentliche Meinung, verbunden ist. Fragen Sie mal den selbst ernannten Arbeiterführer Rüttgers, der uns in das oder besser in sein gelobtes Land führen will. Für Herrn Rüttgers war die Meldung, dass Herr Reitz den Posten ab Juli 2005 bei der WAZ übernimmt wie Ostern, Weihnachten und sechs Richtige im Lotto in einem.
Einen kleinen Vorgeschmack haben wir ja alle schon vor und nach der Hessenwahl bekommen, wo Herr Reitz sich bis heute als leidenschaftlicher Wahlkampfhelfer für die CDU in der WAZ engagiert. Meine unmaßgebliche Prognose lautet, an einem Tandem Rüttgers / Reitz kommt 2010 und in den folgenden Wahlen in NRW keiner vorbei. Da kann sich eine Hannelore Kraft noch so anstrengen. Sie kommt doch in der WAZ gar nicht mehr vor und wenn ja dann nur mit Negativmeldungen.
Die WAZ hat 55 Jahre in der Region, im Sinne ihrer beider Gründungsväter, sozialdemokratisches Gedankengut zur Gestaltung einer menschlichen Gesellschaft gepflegt und bewahrt. Mit dieser Tradition ist jetzt mit der personellen Neuausrichtung radikal gebrochen worden. Das Schlimme an der Sache ist, dass es keine Alternative, außer die Beendigung des Abonnement gibt.
Frau Merkel ist über die Neuausrichtung bei der WAZ auch froh und glücklich. Die Mauern der sozialdemokratischen Festung Ruhrgebiet sind geschanzt, das verschafft ihr einen bundesweiten Zugewinn von mindestens 5 % gegenüber den Sozialdemokraten.

04.04.2008
13:19
Revolution? Ja, klar!
von K. Meisel | #10

Die WAZ mitten im Strom? - So ist es wohl und erklärt, dass in der Jubel-Beilage kein Platz für die Lokalteile ist. Dieser Herr Reitz ist an lokalen (Ufer)-Niederungen eben nicht interessiert. Mit dem Lokalen kann ein Chefredakteur seines Zuschnitts nichts anfangen - umgekehrt wird dieser Chefredakteur aber auch den lokalen Lesern fremd bleiben. Herr Reitz feiert sich in dieser Beilage; die WAZ hat angesichts ihrer hohen Auflagenverluste wenig Grund für ein fröhliches Fest.

04.04.2008
10:55
Revolution? Ja, klar!
von unruhr | #9

Lieber Herr Reitz,
was für ein schwülstiges Geschwurbel. Mir ist ganz schwindlig. Und ich sag Ihnen mal was: Unsere Gesellschaft ist gar kein Fluss. Und nu?Bestenfalls ein Netzwerk. Und die WAZ ist ein kleines Knötchen irgendwo, ein Knötchen, das an einem Konzern hängt, der Geld verdienen muss, um sinkende Auflagen auszugleichen.
Und einerseits sagen Sie, sie schwämmen in der Mitte, wo es am schnellsten voran ginge. Und andererseits sagen Sie, die Zeitung wäre ein Ort des Innehaltens und der Besinnung. Was denn nun? Zwei gegensätzliche Bilder in einem Text - das sollte einem guten Journalisten doch nicht passieren. Alles etwas beliebig, oder? Oder wissen Sie etwa nicht, wo es hingehen soll mit der alten Tante WAZ?

03.04.2008
21:53
Revolution? Ja, klar!
von sorok | #8

Ich kann meinem Vorredner nur beipflichten.
Seitdem Herr Reitz die WAZ leitet, hat sich diese Zeitung in ein neoliberales Kampfblättchen verwandelt
Der konservative Ulrich Reitz verabscheut alles, was eine Gesellschaft menschlicher macht. Er wittert überall die Gefahr sozialistischer und kommunistischer Revolutionen und kämpft mit seiner WAZ dagegen. an. Deshalb auch seine Anspielung auf eine „Revolution“. Als ob er seine Wunschzukunft herbeischreiben könnte, schwärmt er von einer „Was-Auch-Immer-Gesellschaft“, die auf jeden Fall mit einer Verbürgerlichung der Lebensverhältnisse einhergehen wird.
Der Mann scheint in einer anderen Welt zu leben.

Mit diesem Chefredakteur hält sich meine Begeisterung für den 60-jährigen Geburtstag der Zeitung in Grenzen.

Was ist nur aus der guten alten WAZ geworden?

03.04.2008
17:30
Revolution? Ja, klar!
von turbo_40 | #7

Hallo Moderation!
Leider ist der Link jetzt so versteckt, dass kein Mensch ihn findet.

03.04.2008
16:41
Revolution? Ja, klar!
von turbo_40 | #6

Hallo Herr Reitz,
als langjähriger WAZ-Leser, auch von mir, herzlichen Glückwunsch zu 60 Jahre WAZ.
Von den besagten 60 Jahren hatte ich das Glück, die WAZ seit etwa 50 Jahren, wie ich glaube als aufmerksamer und auch kritischer Leser, zu begleiten. Hier von mir einige Anmerkungen zu ihren Ausführungen.
Strommitte:
Bis zum Jahre 2005 war die WAZ eine Zeitung in der ich mich als Mensch dieser Region wieder gefunden habe, und die sich im Zweifel meistens auf der Seite der Schwachen in unserer Gesellschaft gestellt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich die WAZ, um auf ihren Kommentar Bezug zu nehmen, als eine Volkszeitung in der Strommitte wahrgenommen.
Seit ihrem Eintritt als Chefredakteur hat sich diese Justierung aber grundlegend geändert. Heute kann ich die WAZ beim besten Willen nicht mehr in der Strommitte orten. In einer Zeitung sollen natürlich unterschiedliche Meinungen ausgedrückt werden können. Aus meiner Sicht ist aber die Bandbreite der vertretenen Meinungen aus der Strommitte nach rechts, mit Ausflügen in das Gestrüpp der rechten Uferzone, verlagert worden. Ich möchte hier nur zwei Stichworte ohne Details nennen, die Berichterstattung vor und nach der hessischen Landtagswahl und das Ringen um ein besseres Schulsystem in NRW. Beides war für mich ein Vorgeschmack auf das was uns bevorsteht wenn im Bund und später in NRW die Karten neu gemischt werden. Mein Vorschlag an die Redaktion, kehren Sie in die Strommitte zurück.
2008 – Revolution:
Beim Übergang von der Industrie- in eine Was-Auch-Immer-Gesellschaft wie Sie schreiben wäre mein Wunsch an die WAZ, nehmen Sie auch die Schwachen auf diesen Weg mit. Ich möchte in keiner Gesellschaft leben, die ausschließlich von den Starken dominiert wird.
Bilder in der WAZ:
Ihrer Aussage, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt, kann ich nur zustimmen. Das heißt aber auch, dass man mit Bildern Meinungen und Stimmungen beeinflussen bzw. Politik machen kann. Mir ist aufgefallen, dass z.B. Herr Beck fast ausnahmslos auf allen WAZ-Bildern sehr schlecht dargestellt wird. Frau Merkel ist aber im Gegensatz dazu immer die strahlende Heldin. Da Sie sich, Herr Reitz, schon oftmals als ausgesprochener Merkelfan in der WAZ präsentiert haben, muss ich hier wohl mit ihnen nachsichtig sein. Meine Bitte an Sie, zukünftig etwas mehr Überparteilichkeit bei den Bildern und auch in der Berichterstattung.
Die gute alte Enthüllung:
Hier haben die Medien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, als Kontrollinstanz zu erfüllen.
Überall wo Filz, Korruption, Bestechung, Misswirtschaft herrschen sind unabhängige Journalisten gefragt, die ohne Ansehen der Person und Machstrukturen recherchieren und die die Öffentlichkeit ehrlich und rückhaltlos informieren.
Ich sehe in der über uns hereingebrochenen US-Hypothekenkrise ein Thema, wo ein riesiger Aufklärungsbedarf besteht. Mein Vorschlag an die Wirtschaftsredaktion der WAZ, informieren Sie uns über den Sachverhalt und die Hintergründe dieses Skandals. Die Berichterstattung kann doch nicht damit beendet sein, dass nur gemeldet wird, dass die Bank xy mal wieder eine Wertberichtigung in Höhe von x Milliarden Euro vorgenommen hat. Die Hypothekenkrise ist doch nicht als Naturereignis vom Himmel gefallen. Hier haben Menschen eindeutig Fehler gemacht, die aufgeklärt werden müssen.
Milliardenverlust bei der WestLB
Der Bürger zahlt die Zeche Nachrichten, 03.04.2008, Janet Grund , 48 Kommentare, 1 Trackback
Der vorstehende Link spricht für den vermuteten Bedarf an zusätzlichen Informationen und kann den Redakteuren vielleicht Anregungen bei ihrer Recherche geben.
Internet WAZ-Online:
Hier kann ich Sie nur beglückwünschen den Schritt getan zu haben, jedermann eine Stimme zum Ausdruck seiner Meinung zu geben.
Ausblick:
Eine Zeitung ist natürlich in erster Linie ein Wirtschaftsunternehmen das sich täglich am Markt behaupten muss, um überleben zu können. Dadurch ergeben sich naturgemäß gewisse Sachzwängen. Trotzdem sollte eine Zeitung auch wenn es naiv klingt aus meiner Sicht inhaltliche für bestimmte Ideale einstehen. Die von Ihnen definierte Strommitte erscheint mir als Zielbestimmung zu beliebig zu sein. Sie haben in ihrem Kommentar mehrmals mutig das Wort Revolution benutzt. Mein Wunsch wäre, kehren Sie zu den Wurzeln der französischen Revolution zurück, die da lauten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Auf den heutigen Sprachgebrauch übersetzt könnte man sagen Freiheit, Chancengleichheit und Solidarität. Auf allen drei Feldern besteht noch ein riesiger Bedarf tätig zu werden, um unsere Gesellschaft weiter zu entwickeln.
Glück auf.

03.04.2008
15:38
Revolution? Ja, klar!
von Ulf Möhrke | #5

Ahoi, Käptn Reitz,
da sitzen Sie also in Ihrem WAZ-Schiffchen und schippern (in der Mitte des Flusses) in Richtung Ozean, oder wie? Und bloß immer schön dem Ufer (und dem gefährlichen Gestrüpp) fernbleiben. Ganz nebenbei: Sowohl die Geschwindigkeit als auch die Richtung eines Flusses werden nicht in seiner Mitte entschieden. Ich wünschte, Sie und Ihre Kollegen hätten des öfteren den Mumm, gegen den Strom, statt mit ihm zu schwimmen. Wenn Sie dann noch ab und zu am Ufer anlegten um sich ins Gestrüpp zu wagen, könnten Sie dort eine Menge Berichtenswertes entdecken, was Ihnen auf Ihrer rasenden Fahrt in der Flussmitte entgeht. Und davon würden dann wiederum Ihre Leser profitieren. Kurz: Mehr Mut zum Journalismus!
Gruß (oder Mast- und Schotbruch?)
Ulf Möhrke

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1702140/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.