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Umweltzone

Problem vom Allerfeinsten

11.01.2008 | 21:30 Uhr

Essen. Die Abgase des Verkehrs stellen die Städte des Ruhrgebiets vor riesige Probleme. Fahrverbote sind umstritten, Alternativen rar. Die wichtigsten Fakten.

Je näher die Umweltzonen rücken, desto heftiger wird die Debatte über Befürworter und Kritiker. Was bringt eine solche Zone? Warum wird sie eingerichtet und wie lauten die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente? Ein Überblick.

Menschen, die an vielbefahrenen Straßen in Innenstädten wohnen, werden durch die Abgase der Fahrzeuge gesundheitlich geschädigt. Als Kern des Problems gelten feinste Staubpartikel, die in die Lunge gelangen. Mögliche Folgen sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von jährlich 13 000 Todesfällen bei Kindern von bis zu vier Jahren in EU-Staaten. Die bislang größte deutsche Studie wurde in NRW durchgeführt. Sie fand einen Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit und der Konzentration von Feinstaub und Stickoxiden (aus Verbrennungsmotoren) am Wohnort. Laut Studie nahm die Sterblichkeit unter Frauen zu, die im 50-Meter-Radius einer Hauptverkehrsstraße wohnen. Epidemiologen des Helmholtz-Zentrums in München wiesen zudem nach, dass Feinstaubpartikel aus dem Verkehr das Risiko von Herzinfarkten erhöhen und das Geburtsgewicht von Neugeborenen beeinflussen.

Luftreinhalteplan wird fertig gestellt

In diesen Tagen wird von den jeweiligen Bezirksregierungen ein Luftreinhalteplan für den Westen, Osten und Norden des Ruhrgebiets fertig gestellt. Jeder Plan umfasst ein Bündel von Maßnahmen. Der Plan West - er betrifft die Städte Duisburg, Mülheim, Essen, Oberhausen - beinhaltet alleine 88 Maßnahmen. Einschneidendste Maßnahme ist die Einrichtung von Umweltzonen, in denen Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß nicht mehr fahren dürfen. Nach bisheriger Planung würde im Ruhrgebiet eine städteübergreifende Zone mit einer Größe von 700 Quadratkilometern entstehen. In Köln umfasst die Zone gerade einmal 15 Quadratkilometer), auch in Hannover (50) und Berlin (80) sind die Flächen weitaus kleiner. Die Umweltzone Ruhrgebiet soll Anfang Oktober in Kraft treten.

Vor allem die Wirtschaft wehrt sich gegen Fahrverbote. Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen argumentieren, dass der Straßenverkehr nur zu einem geringen Teil zum Feinstaub-Problem beitrage. Dabei werde der größte Teil der Emissionen durch Aufwirbelung sowie durch den Abrieb von Bremsen und Reifen verursacht. Die Beiträge der Industrie sowie die ständige Hintergrundbelastung lägen um ein Vielfaches höher. Von einer Aussperrung seien in besonderem Maße leichte Nutzfahrzeuge betroffen - etwa Liefer- und Servicefahrzeuge, die Innenstädte mit Waren versorgen.

"Eine Umweltzone Ruhrgebiet nutzt Millionen Menschen, ein Flickenteppich an Fahrverboten führt dazu, dass das Problem in die Nebenstraßen verlagert wird", argumentiert Egon Falkenberg, Projektleiter und Experte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW. Er schätzt, dass durch eine Umweltzone die Zahl der Tage im Jahr, an denen die Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden, um zehn bis 15 sinken werden. "Man muss unterscheiden. In ländlichen Bereichen oder im Industrie-geprägten Norden Duisburgs rechtfertigen der Feinstaub-Anteil des Verkehrs keine Fahrverbote", sagt Falkenberg. "An den sogenannten Hot Spots - die Brackeler Straße in Dortmund oder die Gladbecker Straße in Essen - ist der Verkehr die größte Staubquelle."

"Es wird Übergangsfristen geben und wir werden auf soziale Härtefälle Rücksicht nehmen", kündigte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg im Gespräch mit der WAZ an. Auch Egon Falkenberg sieht einen Konsens mit Blick auf die Forderungen der Wirtschaft: "Weitergehende Ausnahmen im Bestand der leichten Nutzfahrzeuge sind möglich, ohne dass die Wirkung der Umweltzone maßgeblich geschmälert wird."

Mehr dazu: Reportage "Einfahrt verboten"

Mehr dazu: "Ruhrgebiet wird riesige Umweltzone"

Von Jürgen Polzin

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Kommentare
29.09.2008
09:58
Problem vom Allerfeinsten
von Werner Bierögel | #6

Feinstaub, na gut, muss reduziert werden. Aber wie ? Die Autofahrer sind die Größte Vereinigung, Die man schröpfen kann.

Was ist mit den Flugzeugen, Die über uns hinwegdüsen und Ihre Schadstoffe hinterlassen ?

Wer beeinflusst den Wind so, dass der Feinstaub und andere Umweltschadmittel, nicht in die Zonen geblasen wird ?

Ist doch alles nur Augenwischerei und Abzocke für die Kleinen ! ! !

27.01.2008
19:15
Problem vom Allerfeinsten
von Ralf Holt | #5

Die Einführung der Umweltzonen kommt einem Berufsverbot für viele, viele kleine und mittlere Firmen gleich.

15.01.2008
14:08
Problem vom Allerfeinsten
von jcm | #4

Hallo, Ihr Autofahrers!

Wenn Passivrauchen eine tödliche Gefahr darstellten soll: Feinstaub hört sich weniger dramatisch an, aber die Auswirkungen auf die Gesundheit dürften um einiges höher liegen als wenn ich irgendwo mal kurz Tabakqualm mitbekomme.

Ein österreichischer Wissenschaftler wartet schon seit geraumer Zeit darauf, seine Ergebnisse veröffentlichen zu dürfen, wonach alleine in D jährlich 70 000 Tote durch Feinstaub zu beklagen seien. Die SZ hat kurz darüber berichtet, dass diese Studie von übergeordneter Stelle einfach nicht frei gegeben wird.

Ein Schelm der Böses dabei denkt? Etwa, dass die jetzigen Maßnahmen nur Feinstaub sind, der uns von interessierter Seite (Autolobby etwa...) in die Augen gestreut wird?

Es dürfte wohl noch geraume Zeit verstreichen, bis die Autofahrer so drangsaliert werden wie die Raucher. Andere Sündenböcke werden sicher vorher noch als Sau durchs Dorf getrieben - und solange wird sich noch viel Feinstaub in unsere Körper einfinden (mag er auch nicht ausschließlich von Autos verursacht werden, etwa von Dieselfahrzeugen, die jahrelang mit sinnlosen Filtern durch die Gegend pesteten)...

14.01.2008
10:02
Problem vom Allerfeinsten
von wos | #3

Umweltzonen einrichten und gleichzeitig Müll aus der ganzen Welt importieren um ihn dann hier zu verbrennen!
Absurdistan lässt grüßen!

13.01.2008
20:09
Problem vom Allerfeinsten
von Michael Wrazidlo | #2

kennt jemand noch den Fliegentöter aus Großvater´s Zeiten?
Den gelben Klebestreifen, den man den Deckenlampen befestigte?
Jede Befreiungsaktion der Fliege führte sie nur um so schneller
in den Schlamassel hinein.
Vielleicht ist unsere Situation ganz ähnlich:
Errichtung von Umweltzonen als Beginn einer Feinstaubklassen-
gesellschaft als erste Anzeichen einer Verknappung (halbwegs)
intakter Umwelten.
Wir kleben Plaketten zum Rußfilter auf´s Fahrzeug (wie sollte man
auch einen schadstoffarmen PKW sonst erkennen?) um bußgeldfrei zur
Arbeit zu kommen. Vielleicht im Speditions- oder Transportgewerbe.
Da kann man sich dann von hunderten LKW-Bewegungen und drei Dutzend
Dieselstaplern feinstaubberieseln lassen.
Mag sein, wir müssen uns im Ruhrgebiet zwischen Industrieland und
Luftkurort entscheiden!
Plakettenberge, Schilderwälder, erzwungene Umwege von Stinkern
(verteilt den Staub nur großräumiger, da ist er schließlich immer noch)
und Vorschriften wie oft ich wann und wo Grenzwerte überschreiten
darf, empfinden nur (Brüsseler) Bürokraten als gelungenen Umweltschutz.
Für normal Sterbliche ist es nur zusätzliche Vergeudung von Energie
und Rohstoffen.
Wie konnten wir bloß in eine solch perfekte Falle geraten?
Die Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen sieht anders aus.

13.01.2008
18:18
Problem vom Allerfeinsten
von Daniel | #1

Es müßte im Titel richtigerweise heißen
Umweltzone im Ruhrgebiet stellen viele Menschen vor riesige Probleme

Alles andere ist Stimmungsmache und Sand in die Augen gestreut.

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