Politstreit um Modegeschäft
03.04.2009 | 19:13 Uhr 2009-04-03T19:13:00+0200Essen/Berlin. Wo die bei Rechtsextremen beliebte Marke „Thor Steinar” auftaucht, kommt es zu Protesten. Nun gibt es ein Lokal in Essen
Kämpfen bis zur letzten Instanz: Der Hersteller des Modelabels „Thor Steinar” streitet deutschlandweit hartnäckig um Ladenlokale – mittlerweile sogar vor dem Bundesgerichtshof. Das jüngste Geschäft der unter Neonazis beliebten Marke hat am Freitag am Rand der Essener Fußgängerzone eröffnet.
Die Modemarke „Thor Steinar” gilt wegen ihrer nor-dischen Symbolik in rechten Kreisen als Kultlabel. Das neue Essener Geschäft mit der Kollektion der Brandenburger Firma Mediatex ist bundesweit der neunte Laden der Modemarke. Erst Ende Februar hatte in Berlin-Friedrichshain ein neuer „Thor Steinar”-Laden eröffnet. Der Protest kam postwendend: Demonstranten zogen vor den Laden, Steine und Farbbeutel flogen an die Fassade. Zwei Wochen nach der Eröffnung kündigte der Vermieter dem Laden fristlos. Der Mieter habe verschwiegen, dass im Geschäft „Thor Steinar”-Artikel verkauft werden sollten. Auch dem Ladenlokal in Berlin-Mitte hatte der dortige Vermieter bereits vor längerem gekündigt, es folgten Widerspruch und Räumungsklage. Ob der Verkauf in den Berliner Läden dennoch weitergeht? „Klar, die sind offen”, sagt ein Mitarbeiter von Mediatex.
„Für den Kampf gegen diese Läden braucht man einen langen Atem”, weiß Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) in Berlin. Der Mietstreit um das „Thor Steinar”-Geschäft in Magdeburg liegt mittlerweile beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Der Versuch dagegen, im letzten Herbst auch in Hamburg einen Laden zu öffnen, endete in einer außergerichtlichen Einigung mit dem Vermieter. Das Geschäft konnte Ende September wegen Protesten aus der linken Szene nur unter Polizeischutz eröffnet werden. Nach Medienberichten hatte der Vermieter, die HSH Nordbank, zu spät erfahren, dass sich dahinter die Marke „Thor Steinar” verbirgt. Jetzt ist der Laden dicht. „Aber das heißt gar nichts: Thor Steinar will expandieren”, sagt Bianca Klose.
Im November wurde die Mediatex GmbH von einem arabischen Investor übernommen. Ob die Stammkunden den ideologisch pikanten Wechsel hinnehmen? „In den Internetforen wird zwar viel diskutiert”, so Klose, „aber Thor Steinar wird weiter seine Kunden an sich binden.”
Die Mobilen Berater aus Berlin arbeiten gerade an einem Mustervertrag für Vermieter, die sicher gehen wollen, dass in ihren Läden „keine Produkte verkauft werden, die in der Öffentlichkeit mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene wahrgenommen werden”. Was schwammig klingt, bedeutet tatsächlich größtmögliche Wirksamkeit. Denn: Würde man von vornherein von „rechten Labels” sprechen, wäre im Fall der meisten Firmen der Nachweis juristisch nur schwer möglich.
Polizei setzte Marken auf den internen Index
Erst im März hatte sich der Berliner Polizeipräsident im Dickicht der rechten Modeszene verirrt. Nachdem Zivilbeamte mit scheinbar einschlägigen Kleidungsstücken gesichtet worden waren, ließ Dieter Glietsch zehn Modemarken auf den Index setzen. Vier von ihnen sind mittlerweile wieder von der Liste gestrichen worden. Nach wie vor untersagt sind Marken wie „Pit Bull”, „Thor Steinar” und „Consdaple” – welche viele wegen der Buchstabenreihe „nsdap” im Namen kaufen.
19:09
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. EWr wird sagen: Ich bin der Antifaschismus. (Zitatende) IGNAZIO SILONE, sozialistischer (!!!) Schriftsteller, gest.1978
23:29
Das hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun!!!
Das ist keine Meinung, das ist ein Verbrechen!
Man kann nicht der Meinung sein, Massenmord wäre etwas Gutes oder Notwendiges!!
Alles (auch eine Modemarke), was die Verbrechen der Nazi-Zeit auch nur im Geringsten idealisiert, muss sofort bekämpft werden...damit die Menschen nicht ein weiteres Mal darauf hereinfallen!
15:49
Ich bin entsetzt! Als aufrechter Bürger und guter Steuerzahler fühle ich mich jetzt gerade motiviert mich nach Leibeskräften für Thor Steinar einzusetzen. Die Meinungsfreiheit, ein hohes Gut, muss vor Euch geschützt werden.
12:15
Das nenn ich mal wahre Meinungsfreiheit!
Hauptsache 20, 1€ Läden, Dönerbuden und anderen müll in der Stadt offen lassen!
Herzlichen Glückwunsch Deutschland
Das ist BRD
14:48
Toll! Jetzt liegt die Essener Universität zwischen einem riesigen Freiluftbordell und einem NRW-bekannten Neonazi Treffpunkt. Soviel zur Kulturhauptstadt.
Der grösste Sicherheitspolitische Skandal ist für mich allerdings, das ein so eindeutig rechtsradikales Geschäft in unmittelbarer Nähe von drei großen Schwulenlokalen öffnen darf.
20:00
Da wir in Deutschland eh keine anderen Probleme haben, ist es ganz besonders wichtig sich stark zu machen damit ein Geschäft wieder geschloßen wird!
Der angeblich rechte Laden befindet sich in einer Zone die Hauptsächlich von Ausländern besetzt ist, Komisch das die es garnicht stört das der Laden dort geöffnet hat!
10:17
Nun, ob man durch bekämpfen einer Modemarke den Sieg gegen Rechts erkämpfen kann mag fraglich sein. Letztendlich wird dies eine ganze menge Juristen und Gerichte beschäftigen . Mit Farbbeutel und Steinwürfen seine meinung kund zu tun dürfte auch nicht der richtige Weg sein , besser wäre es wenn Gesetzgeber und Justitz der rechten Szene einhalt gebieten würde.
Es ist aber verwunderlich das eine Modemarke so viel Wirbel auslösen kann. Denken wir mal an den KdF Wagen den Ferdi Porsche während des Nazi Regime entwickelt hat und später als VW Käfer Millionenfach gebaut wurde - ein Stück Wirtschaftswunder der jungen Demokratie der Bundesrepublik.
20:00
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