Politik im Netz: Internetstrategie ohne Nachhaltigkeit
06.11.2008 | 19:07 Uhr 2008-11-06T19:07:00+0100
Essen. Deutsche Parteien führen bislang keinen konsequenten Online-Wahlkampf. Während Barack Obama Wähler und Helfer crossmedial gewann, wird das Web 2.0 in Deutschland nur punktuell genutzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der Kurzstudie „Politik im Web 2.0”.
Markus Beckedahl, politischer Blogger, und der Politologe Falk Lüke untersuchen quartalsmäßig, ob und wie deutsche Parteien, Spitzenpolitiker und Jugendorganisationen das soziale Netz nutzen. Unter dem Eindruck der US-Präsidentschaftswahlkampagne werde nun auch von den deutschen Wahlkämpfern mehr erwartet, sagt Beckedahl.
Dennoch: An parteipolitischer Online-Aktivität wird derzeit noch gespart. Nach Beckedahls Einschätzung ist davon auszugehen, „dass die kleineren Parteien für den kompletten Internetwahlkampf ähnlich viel Geld ausgeben wie für eine einzige Großveranstaltung”. So seien zuletzt kampagnengebunden vereinzelt Blogs und Podcasts genutzt worden – bis zum Wahltag. Noch mangele es schlicht an Nachhaltigkeit.
Obamas ausgefeilte crossmediale Kommunikation – ferne Zukunftsmusik oder einfach zu amerikanisch für die deutsche Politik? Beckedahl: „Der Medienwandel durch das Internet ist in den USA weiter fortgeschritten. Gleichzeitig muss bei US-Wahlkampagnen immer erst eine Art Mitgliederstruktur aufgebaut werden.” Dies sei beeindruckend durch „my.barackobama.com” gelöst worden, wo Menschen erst virtuell, dann real zueinander fanden. Diese Arbeit leisten in Deutschland Orts- und Kreisverbände.
Vorteil der internetbasierten amerikanischen Variante: Freiwillige und Helfer können ad hoc aktiv werden. „Die deutschen Parteistrukturen mit ihren Wahllisten sind wenig interaktiv”, so Beckedahl.
0mitdiskutieren