Orthodoxe auf dem Vormarsch
11.12.2009 | 18:42 Uhr 2009-12-11T18:42:00+0100In ihrem neuen, noch nicht gedruckten Buch will die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek die Marxloer Merkez-Moschee als vorbildlich loben. „Hoffentlich kann dies so stehen bleiben”, sagte Kelek zur WAZ.
Essen. Enttäuschungen ist die Islam-Kritikerin, die Mitglied in der Islamkonferenz der Bundesregierung ist, allerdings gewöhnt. „Es scheint mir, dass in Duisburg ein typischer Konflikt ausgebrochen ist”, so Kelek. „Wenn eine Moscheegemeinde Transparenz und Offenheit demonstrieren will, versuchen Fundamentalisten, dies oft zu sabotieren.”
„Wunder von Marxloh”
Nicht nur Kelek, auch der NRW-Integrationsbeauftragte Thomas Kufen hofft, dass jedem klar ist, was auf dem Spiel steht. „Die Ditib ist darauf angewiesen, dass das ,Wunder von Marxloh' Bestand hat – auch mit Blick auf ihre weiteren Moschee-Pläne, etwa in Köln”, so Kufen. Der Ditib-Dachverband sieht sich in der Rolle des Schlichters zwischen den Interpreten eines traditionellen und eines modernen Islam, die in Duisburg aneinander geraten sind. Die gegenseitigen Vorwürfe seien geprüft worden, so Ditib-Sprecher Mehmet Günet. Die Ergebnisse und die Konsequenzen will Ditib in der kommenden Woche öffentlich vorstellen.
Bedauern über die Entwicklung äußert auch das Bistum Essen, das die Begegnungsstätte in der Moschee als Bereicherung empfindet. „Wir haben dort sehr gute Erfahrungen gemacht”, sagt Volker Meissner, Referent für Migration und Integration. Fortbildungsveranstaltungen für Priester zum Islam fänden inzwischen in der Begegnungsstätte mit den Partnern vor Ort statt. Erst kürzlich habe die christlich-islamische Gesellschaft in Marxloh mit katholischen Bistümern, evangelischen Landeskirchen und muslimischen Organisationen eine gut besuchte Veranstaltung zum Thema Spiritualität angeboten. „Für uns ist das eine Zusammenarbeit, die auch funktioniert. Wir sind froh, dass wir diese Partner haben”, so Meissner.

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