Opelaner sind Kummer gewohnt
04.11.2009 | 22:57 Uhr 2009-11-04T22:57:00+0100
Bochum. Die Stimmung ist sowieso schlecht, sagen die Opelaner. Aber bei einigen ist nun auch das letzte Fünkchen Hoffnung weg. Denn das Bochumer Werk war immer ein Schließungskandidat - und ist es seit dem geplatzten Magna-Deal umso mehr. 10 000 Stellen sollen laut General Motors gestrichen werden.
Ist wieder Opelwetter. Grau, nass, kalt, und um das Werk pfeift ein eisiger Wind. So war es an allen Tagen in diesem Jahr, wenn es Neues gab beim Autobauer – und es waren viele: im Februar bei der Großdemo in Rüsselsheim, im Mai, als man um einen Käufer rang, selbst im August noch, als GM plötzlich doch nicht verkaufen wollte (und dann doch und nun doch wieder nicht. . .) Und jetzt zittern sie schon wieder.
Ein guter Vorwand für die Opelaner, den Mantelkragen hochzuschlagen, den Schirm auf den Scheitel zu drücken und vorbeizueilen an der Öffentlichkeit, die nun schon wieder wartet und wissen will: Wie geht es euch jetzt? „Schlecht”, sagen sie, wenn sie etwas sagen. Auch nicht anders als an all den anderen Tagen, als dieser kalte Wind wehte über Bochum und dunkle Wolken dräuten und die Fotografen warteten, bis auch noch die Werksuhr fünf vor zwölf zeigte. Sie können es nicht mehr sehen. Sie wollen nicht.
„Wir sagen ,Scheiße' und machen weiter”, sagt einer; es muss ja weitergehen, das ganze Jahr schon und schon länger, „seit 2004 ist doch nie mehr Ruhe eingekehrt. Schlechte Stimmung ist sowieso.” Ob sie besorgt sind, fragt jemand. „Waren wir schon immer.” Innerlich, gesteht einer aus der Reparatur, „habe ich das sogar fast schon erwartet. Dieses Hinhalten. Hätte doch längst alles über die Bühne sein können.”
"Macht nicht so ein Geschrei"
Bernhard Seiffert, der schon in Rente ist, kommt vorbei, „die sollen nicht so ein Geschrei machen”, sagt er, aber es schreit ja gar keiner mehr. Die Opelaner zucken mit den Schultern, murmeln etwas, dass sie sich „verarscht” fühlen und finden selbst das nicht mehr aufregend: „Man gewöhnt sich dran”, sagt Michael Schmidt. Falls da ein Fünkchen Hoffnung war – jedenfalls ist es jetzt weg.
„Ändern können wir sowieso nichts”, resigniert einer, der schon 20 Jahre dabei ist. „Im Endeffekt können wir eh nichts machen”, bestätigt Antonio Gonzalez. Ob er enttäuscht ist? „Enttäuscht bin ich schon seit Jahren”, eigentlich könne man dazu nichts mehr sagen. Aber dann fällt dem Kolonnenführer doch etwas ein: „Wir wissen, dass wir hier gute Autos bauen. Und das weiß GM auch, sonst würde sie uns nicht behalten wollen.” Oder? Die Umstehenden schauen zu Boden. „Ist eigentlich egal, wer uns nimmt”, hört man jemanden sagen. „Hauptsache, es tut jemand.” Der sechsfache Vater Gonzalez ist nicht ganz überzeugt: „Vielleicht, wenn die ein bisschen menschlich wären. . .”
Gegenseitig beruhigen
Aber das wäre viel der Hoffnung, so viel wagen die meisten gar nicht. Auch nicht die zwei, die in ihrer Pause zur Bude stürzen, zwei Bier pro Mann: „Das muss jetzt sein.” Ein Vertrauensmann beschreibt, wie es zugeht im Werk an Tagen wie diesen: „Es kommen die Horrorszenarien, Leute brechen zusammen, dann beruhigen wir uns gegenseitig, und es geht wieder von vorn los.” Aber diesmal, glauben sie, „werden sie bestimmt mehr abbauen. Kann sein, dass sie dichtmachen.”
Bochum war ja immer ein „Schließungskandidat”, bestätigt Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel, der am Mittwoch noch nicht einmal mehr erstaunt war: „Bei GM haut mich nur noch wenig um. Die haben dauernd Überraschungen für uns, die wir nicht haben wollen.” Weshalb er verstehen kann, dass die Opelaner müde sind: „Ich weiß ja, mit wem ich streite. Aber die Mitarbeiter wissen nicht, mit wem sie streiten sollen; sie kommen, bauen Autos und gehen nach Hause mit Fragen.”
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Was am Mittwoch nicht anders war. Von der neuen Kehrtwende erfuhren die Opelaner aus der Zeitung, mehr Informationen gibt es erst heute: Um 14 Uhr spricht Jürgen Rüttgers an Tor 4. Konkretes wird er diesmal nicht verkünden können, die Belegschaft schon: „Die Beschäftigten”, sagt Einenkel in der Kälte, „lassen sich ihr Werk nicht schließen!” Hinter ihm knattern die gelben Opelfahnen im Wind. Die von GM, die hier im Sommer noch wehten, sind eingeholt. „Es geht wieder los”, sagt die Frau an der Bude.

12:34
Bedenklich, höchst bedenklich, was man so liest:
Manager lügen und betrügen, GM verarscht, diese
Bundesregierung tut nichts usw. ,usw., usw..
Anscheinend hat man nichts dazu gelernt in meiner Studienstadt Bochum nebst Umgebung.
Wat tut Ihr denn, dat solltet Ihr Euch mal fragen und
nix anders!!
Glück auf!
22:42
#22
Es fahren auch nicht viele einen Arkandor, dafür jedoch einen Opel! Da muß die Aufregung größer sein. Wieviele Kleinbetriebe gehen still und heimlich Platt? da kräht keine Sau nach. Karmann
geht platt, weil BMW und Merzedes Ihre Rechnungen nicht bezahlen, auch das ist eine riesen Schweinerei.
11:56
Opel ist hoffnungslos verloren und die Kunden wenden sich ab mit Grausen. Spätestens seit dem Lopez-Effekt befindet sich Opel auf der Schussfahrt hinab ins Tal der Tränen. Dieses Schmierentheater von GM, Magna, der Bundesregierungen und vielen anderen erweckt alles andere als Vertrauen in einen Neuwagenkauf. Gott sei Dank verfügt der Automarkt über eine große Sortimentsbreite und Sortimentstiefe von anderen Autoherstellern. Opel wird die Weltbühne verlassen und hinterlässt dabei keine Lücke. Schade um die fleißigen Opelaner!
10:49
#21 Ruhrkumpel
Die neue Bundesregierung ist erst dabei, ihre Arbeit aufzunehmen, wieso betrügt und belügt sie im Falle Opel/GM?
Bleib cool, besonders beim Frühstück, sonst kriegste noch ein Magengeschwür vor lauter Ärger. Die Arcandor-Pleite mit 50.000 bedrohten Arbeitsplätzen hat hier im Forum nicht für solche Aufregung gesorgt. Aber jeder ist sich selbst der nächste und Bochum liegt vor der Haustür. Übrigens die Engländer freut es, dass GM Opel behalten will. Des einen Freud, des anderen Leid...
08:01
Kummer gewohnt?
Was ist das denn für eine dumme Schreibe? Da geht bald tausenden Menschen der ***** auf Grundeis weil sie nichts als Opel gelernt haben und sie schreiben so einen Müll.
Mir kommt mein Frühstück hoch, wenn ich mir überlege,wie sehr uns diese Bundesregierung belügt und betrügt. Und sie sekundieren auch noch.
Wenn dann noch in Betriebsrat sagt, dass die Leute auch noch vernünftig bleiben sollen, dann dreh ich ab. Weil sie immer so vernünftig bleiben, werden sie doch immer zum Arbeitsamt (pardon zur Arbeitsagentur) geschickt, wo sie dann erst mal erleben können, was Spott wirklich bedeutet.
Ich glaube, mir kommt mein Frühstück gerade doch noch hoch! Danke lieber Westen!
07:59
Keinen Cent Steuergeld mehr für Opel und General Motors, für solche Wirrköpfe im Aufsichtsrat und Vorstand ist das rausgeschmissenes Geld!
Dann lieber die Insolvenz, das wäre sowieso besser gewesen!
07:58
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07:38
Das Ende mit Schrecken wird wohl nicht mehr abwendbar sein. Auffallend allerdings ist, wie schon im Fall Nokia, kein einziges Wort, was mit den rechtlosen Arbeitern vom Zeitarbeitsstrich wird.
Die nämlich erwartet kein Sozialplan, anstelle dessen die schnelle Kündigung und ergänzende Leistungen nach Hartz4 bedingt durch ihren Niedriglohn.
Gerade bei Opel hat der Adecco-Deal die Grenzen des Anstandes weit überschritten und vor allem jungen Opel-Azubis die Zukunft verbaut. Auch hier liegt Handlungsbedarf vor.
07:30
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07:29
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