Ohr, Mund und Hand
24.10.2008 | 19:11 Uhr 2008-10-24T19:11:00+0200Zuwendung schenken, die frohe Botschaft verkünden, zupackende Nächstenliebe: Die Kirchen sind „Leib Christi”, die Christen seine Körperteile, heißt das Programm. Erfüllen sie es oder drehen sie sich nur um sich selbst? Drei Antworten von Wittener Pfarrern und Pastoren
Die Kirche – Mahnerin und Begleiterin zugleich
„Ihr seid das Licht der Welt”, so lesen wir im Matthäus-Evangelium, zeitgleich bei Johannes: „Sie sind nicht von dieser Welt.” In dieser Diskrepanz steht die Kirche seit 2000 Jahren. Zum einen muss und will sie die Menschen da abholen, wo sie stehen. Zum anderen will sie einen anderen Weg aufzeichnen, der sich von den gescheiterten Modellen wie Kommunismus und Kapitalismus abgrenzt.
Dass Kirche auch Aufgaben des Staates und der Kommunen als freier Wohlfahrtsträger übernimmt, in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Schulen, Kindergärten, der organisierten Caritas, dass sie in der Kinder- und Jungendarbeit aktiv ist, dass unzählige Ehrenamtliche in ihr für die Mitmenschen tätig sind, ist allgemein akzeptiert. Und doch kommt sie vielen fremd und in ihren Ansichten überholt vor. Gern wird Kirche dann auf eine moralische, Lust und Spaß verbietende Instanz reduziert. Und das Zahlenwerk schwindender Akzeptanz, zurückgehenden Gottesdienstbesuchs und umgenutzer oder abgerissener Kirchbauten scheint dies zu bestätigen.
Dennoch glaube ich, muss Kirche – alle Getauften – ihrem Fundament Jesus Christus treu bleiben. Als Pfarrer einer großen katholischen Innenstadtpfarrei behaupte ich, dass unser Name „katholisch = allumfassend” Programm sein muss. Es gilt Mahnerin und Einladende zugleich zu sein: Mahnerin, wenn nicht mehr der Mensch, sondern der Profit im Vordergrund steht, wenn der Mensch auf eine biologische Masse reduziert wird, um nur zwei Fehlentwicklungen zu nennen.
Einladende darf sie sein, Menschen in Lebenswendepunkten, schönen und traurigen zu begleiten, deutende Riten zu bieten, schlicht allen menschlichen Dienst in den Gottesdienst einmünden zu lassen. Und so darf und muss Kirche in der Welt sein, und zugleich darf sie anders sein, so wie Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist.
Reinhard EdelerPfarrer von St. Marien
Christen können die Fackelgar nicht zuhause lassen
Nicht die Kirche, sondern die Christen sind es, die keine Eigenbrötler sind. Denn die evangelische Kirche versteht sich als „Leib Christi”: Jesus ist der Kopf und jeder einzelne Christ quasi eines seiner Körperteile. Dieses Bild vom „Leib Christi” erklärt auch, warum wir in der evangelischen Kirche nicht von „Mitgliedern”, sondern von „Gliedern” sprechen. Wer evangelisch ist, macht nicht in der Kirche mit, sondern er macht Kirche - weil er Kirche ist. Jeder von uns trägt das Licht der Welt. Das Licht ausschalten oder die Fackel zu Hause lassen, können wir nicht. Egal ob mit Freunden beim Kegeln, beim Einkaufen oder bei der Arbeit.
So erklärt sich auch, warum wir als evangelische Christen die Gemeinschaft mit anderen Menschen suchen: Wir können gar nicht anders, als unseren Glauben immer dabei zu haben. Dieser Glaube ist mit dem Auftrag verbunden, seinen Nächsten zu lieben. Also fassen wir mit an, wo es nötig ist: In Schulen und Kindergärten, bei Familien und Obdachlosen, wenn es ums Feiern geht oder darum, die Trauernden zu trösten.
Dass nicht jeder alles kann, gehört dazu und ist im Bild vom Leib Christi auch enthalten: Der eine versteht sich als tatkräftige Hand; der andere ist ein Ohr, weil er gut zuhören kann. Alle Glieder zusammen können so richtig etwas auf die Beine stellen: 38 500 evangelische Christen in Witten machen dabei mit.
Iris BattenfeldPfarrerin, Sprecherin des ev. Kirchenkreises Hat.-Witten
Gottes Liebe durch Worte und Taten weitergeben
Kirchen in Witten: Eigenbrötler? Oder Hoffnung für alle?
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Die christliche Gemeinde hat von der Bibel her eine klare Aufgabe: „Du sollst den Herr, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” So sagt es Jesus. Und das gilt unabhängig von Zeit und Konfession.
Gemeinde ist dazu da, um Gott zu ehren und anzubeten. Um Menschen die gute Nachricht von der rettenden Liebe Gottes durch Jesus weiterzusagen. Um gemeinsam Glauben zu leben. Um die Liebe Gottes durch Worte und Taten an andere weiterzugeben.
In Gottesdiensten, einer lebendigen Kinder- und Jugendarbeit, in diakonischer Verantwortung soll und muss das zum Tragen kommen. Dazu gehören offene Angebote, die Menschen Mut machen, über Lebensfragen und Glaubensthemen nachzudenken. In all diesen Bereichen hat Gemeinde eine Bedeutung für ihren Ortsteil oder die ganze Stadt. Gemeinde, die sich nur mit sich selbst beschäftigt, verfehlt dieses Ziel.
Martin PlückerPastor, Freie evangelische Gemeinde (FeG) Witten

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