Das aktuelle Wetter NRW 10°C
WAZ-Info

Obamas Erwartungen

27.03.2009 | 18:44 Uhr
Funktionen
Obamas Erwartungen

Delhi. Beobachter in der Krisenregion sagen: Der neue Plan aus den USA könnte funktionieren.

„Die Deutschen fühlen sich mal wieder bestätigt”, unkt ein Diplomat in Südasien angesichts der neuen „Afpak- Strategie”, die US-Präsident Barack Obama am Freitag in Washington präsentierte. Der Grund für das Berliner Frohlocken: Der Plan Washingtons bedeute nichts anderes als die amerikanische Entdeckung just jenes „zivil-militärischen Ansatzes”, den die deutsche Bundesregierung im Norden Afghanistans gebetsmühlenartig preist. Der Erfolg in Mazar- i-Sharif, Faisalabad und Kundus mag mehr als mäßig gewesen sein. Aber der Obama-Plan, da sind Beobachter in der Krisenregion zuversichtlich, könne funktionieren.

Die Erwartungen an Europa steigen

Dieser Anfang vom Ausstieg am Hindukusch, um den es laut Diplomaten bei Washingtons neuer „Afpak-Strategie” in erster Linie gehe, verlangt freilich nicht nur massives zusätzliches militärisches und ziviles Engagement der USA. „Viele Leute übersehen, dass mit der neuen Strategie Washingtons die Erwartungen an Europa massiv steigen”, heißt es in diplomatischen Kreisen.

„Konkret wollen die USA wahrscheinlich sehr viel mehr Geld, sehr viel mehr Engagement bei der der Polizeihilfe und sehr viel mehr ziviles Personal.” „Das Dessert”, wie ein Diplomat die Erwartungen der USA an die europäischen Partner bezeichnet, „wird uns wahrscheinlich schon beim Treffen in Den Haag präsentiert.” Dort kommen am 31. März 80 Länder inklusive des Iran und rund zwei Dutzend internationaler Organisationen zu Beratungen über die Krise am Hindukusch und in Pakistan zusammen.

Diplomat warnt vor Euphorie über Obamas neue Strategie

Richard Holbrooke, Obamas US-Sondergesandter für die Krisenregion, erwähnte während der vergangenen Tage öffentlich nur die Beiträge Großbritanniens und Kanadas am Hindukusch und schürte damit die ersten Befürchtungen in kontinentaleuropäischen Hauptstädten einschließlich Berlin. „Die Frage ist, ob wir mit unseren Vorstellungen bei der zivilen Hilfe gleichbehandelt werden, oder ob wir – wie es im Militärbereich ja längst geschieht – eher als Empfänger von Anordnungen behandelt werden”, warnt ein Diplomat vor Euphorie über Obamas neue Strategie.

Washingtons neue Pläne dürften außerdem für die deutsche Bundeswehr ein paar unangenehme Fragen aufwerfen. Zum einen wird erneut der Ruf nach deutschem Militärengagement im Süden Afghanistans laut werden.

Außerdem glaubt Washington, dass die Nato-Truppen zukünftig wie „Fische im Wasser” agieren müssen. Im Klartext: Die Soldaten sollen nicht mehr hinter hohen Palisaden in hermetisch abgeschirmten Festungen stationiert werden. Ob die Bundesregierung bereit ist, die Bundeswehr dem damit verbundenen größeren Risiko in dem Gebiet um Kundus auszusetzen, ist angesichts der bisherigen Zaghaftigkeit zweifelhaft.

Über das weitere Vorgehen in Pakistan herrscht Rätselraten

Doch während Washington seine Pläne für Afghanistan bereits bis in Einzelheiten vorangetrieben hat, herrscht über das weitere Vorgehen in Pakistan Rätselraten, obwohl Obama die Grenzregion zwischen Islamabad und Kabul als „das zentrale Problem” beschrieb. Vorgesehen ist eine enge militärische Kooperation zwischen den USA und Pakistan, die Nato soll außen vor bleiben.

„Es wird die üblichen Stabilisierungsmaßnahmen wie Finanzhilfe und dergleichen geben”, sagt ein europäischer Diplomat in der Region. Ob das aber genügt, um das „Epizenter des Terrorismus” zwischen Peshawar und Quetta unter Kontrolle zu bringen, muss nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden.

Mehr zum Thema:

EU will bei Obamas Plänen mitziehen

Willi Germund

Kommentare
Lesen Sie auch
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen....
Theater zwischen Einkaufswagen
Schauspiel im...
Zwischen Waschmitteln, Zahnbürsten und Kosmetikartikeln geht ein Theaterprojekt auf Stimmenfang. Die Wittener Schauspielerin Beate Albrecht...
Viel Energie im Wissenschaftspark
Jobmesse
Wind, Wasser, Wärme - die drei „Ws“ der erneuerbaren Energien. Welche Chancen diese Branche, trotz Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, birgt,...
Neue Räume für den Kinderhospizdienst
Gesundheit
Die bunten Luftballons im Garten vor dem neuen Haus des Kinderhospizdienstes Ruhr e.V. waren schon von Weitem zu sehen.
Fotos und Videos
18. Tengelmann-Lauf
Bildgalerie
Fotostrecke
11. Retro-Börse im Zentrum Altenberg
Bildgalerie
Fotostrecke