Nordrhein-Westfalen baut sich in die erste Kulturliga
07.02.2009 | 13:11 Uhr 2009-02-07T13:11:00+0100Essen. Im Turbogang in die Zukunft: Das Land steuerte über 128 Millionen Euro zur Errichtung und Sanierung von Kulturbauten bei. Eine kluge Investition ins Image von NRW, das immer mehr Touristen lockt.
Berlin sei, so hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit kürzlich in Interviews entschieden, eine der spannendsten Städte der Welt. Und das liege besonders, so der für seine Hemdsärmeligkeit bekannte Wowereit, der Kultur inzwischen zur Chefsache erklärt hat, an der einzigartigen Ballung von Museen und spannender Architektur in der Hauptstadt.
Ganze Flächen im Ruhrgebiet werden zu Kulturmeilen
Gut gebrüllt, Löwe! Aber auch Nordrhein-Westfalen baut sich mit Turbogeschwindigkeit in die erste Kulturliga. Mit über 128 Millionen Euro hat das Land in den letzten Jahren Neubau und Sanierung von Kulturbauten bezuschusst. Und die Landesregierung steigert die Kulturausgaben kontinuierlich. Oder besser: sie investiert klug in Kultur.
Denn neu gestaltete Museen erweisen sich zunehmend als Publikumsmagneten, gerade auch für Touristen von weit her. Und angesichts des bevorstehenden Kulturhauptstadtjahres des Ruhrgebiets war es geradezu visionär, sich früh genug für die Touristen städtebaulich aufzuhübschen. Überdies wird an einigen Projekt noch fieberhaft gearbeitet, um sie künftig zur ersten Kultur-Adresse zu entwickeln.
Um übrigens mal die Muskeln spielen zu lassen: In der Zusammenschau der NRW-Kulturbauten (speziell im Ruhrgebiet, in Düsseldorf und Köln) kann sich diese Region mühelos mit Berlin messen, wo sie allerdings durch die Ballung – etwa auf der Museumsinsel – tatsächlich augenfälliger sind.
Allerdings kristallisieren sich, eben auch durch Landeszuschüsse, in Nordrhein-Westfalen ebenfalls größere Kulturareale heraus. Das markante Gebäude des „Dortmunder U” soll langfristig durch Ansiedlungen aus der Kreativwirtschaft großflächig umspielt werden. Die Radikalsanierung des „U”-Inneren u. a. für Ausstellungen und Veranstaltungen bezuschusste das Land mit stattlichen 32, 1 Millionen Euro.
Weltkulturerbe Zollverein ist bereits Markenzeichen
Der Duisburger Innenhafen hat sich in den letzten Jahren zu einem „In”-Areal für Kultur, Wohnen und Gastronomie entwickelt. Nicht zuletzt durch die attraktive Mischung aus alten Speichergebäuden und kühl verglasten Neubauten mit enstpanntem Blick aufs Wasser. Die Neu- und Umbauten des Landesarchivs NRW (Zuschuss: Sechs Millionen Euro) und des Museums Küppersmühle (Landeszuschuss: Zehn Millionen Euro), aufgrund ihrer Eigenwilligkeit heiß diskutiert, dürften dem Innenhafen als Kulturmeile auch in Zukunft bundesweite Aufmerksamkeit bescheren.
Essen ist mit seinem Weltkulturerbe Zollverein sowieso ein internationales Markenzeichen. Besonders das Ruhr Museum auf dem gigantischen ehemaligen Zechengelände dürfte sich zum Publikumshit entwickeln. Das gilt auch für die neu getaufte innenstadtnahe „Kulturmeile” rund um den – mit Mitteln der Krupp-Stiftung entstehenden – Neubau des Museums Folkwang, für den der britische Star-Architekt David Chipperfield gewonnen wurde. Dass renommierte Architekten wie Norman Foster, Herzog & de Meuron oder Gerber im Ruhrgebiet bauliche Akzente setzen, ist inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit.
Eine Aufwertung des Stadtbildes von Hagen dürfte sich durch den Neubau des Emil-Schumacher-Museums und die Grundrenovierung des benachbarten Osthaus-Museums ergeben . Denn damit verbunden ist eine großzügigere Gestaltung des vorher arg beengten Umfeldes (Landeszuschuss für das Gesamtprojekt: 11,25 Millionen Euro). Beide Museen binden direkt an die Hagener Innenstadt an.
Was lange währt, wird endlich gut, so dürfte es auch in Düsseldorf heißen. Denn mit der Realisierung des seit Jahren ersehnten Anbaus der Kunstsammlung NRW (K 20), die gleichzeitig grundsaniert wird, erhält die angesehene Kollektion endlich genügend Raum (Landeszuschuss: 25, 8 Millionen Euro). Auch in Köln und Münster setzt das Land durch stattliche Zuschüsse Akzente im Kulturbau: Mit 19 Millionen Euro ist es in der rheinischen Domstadt beim Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums und der Erweiterung des Schnütgen-Museums dabei, mit neun Millionen beim Landesmuseum in Münster. Eine ganze Reihe weiterer Projekte, die durch Landesmittel entscheidende Impulse erhalten, ließe sich nennen (u. a. Erweiterung der Situation Kunst in Bochum-Weitmar, des Museums Kurhaus Kleve oder des Leopold-Hoesch-Museums in Düren).
Ob nun mit oder ohne Landeszuschüsse: In NRW-Kulturbauten wurden in den letzten Jahren und werden auch in Zukunft hunderte von Millionen Euro investiert. Fürs gewinnbringende Image von Nordrhein-Westfalen als aufgeschlossen, bildungshungrig, stylish und modern ließe sich das Geld kaum besser anlegen.
Förderung der Kultur
Die NRW-Landesregierung hat sich nach ihrem Amtsantritt 2005 dazu entschlossen, die Kulturförderung während der derzeitigen Legislaturperiode schrittweise zu verdoppeln. Das heißt, dass bis 2010 im Endeffekt rund 70 Millionen Euro mehr ausgegeben werden, u. a. für Museen und Konzerthäuser, für Bibliotheken, für regionale Kulturförderung und kommunale Theater, für Chöre und Musikschulen.
12:57
Wer sich das verabschiedete Wahlprogramm der Linken in NRW anschaut, der weiß genau, welche Kultur uns alle erwartet, wenn diese bolschewistisch angehauchten Salonkommunisten vom Schlage einer Wagenknecht auch nur ein Wörtchen mitreden können. Schlimm ist nur, dass die Sozialdemokraten für diese Herrschaften auch noch teilweise die Stallknechte spielen. Was hat das mit Kultur zu tun? Nun, Kultur hilft, den Verstand zu schärfen und diesen postkommunistischen Unsinn fern zu halten.
12:43
ungezügelter und unverantwortlicher gestaltungswahn von unseren herrn interessenvertreter auf kosten nachfolgender generationen. und die in zeiten steigender armut, kinderarmut und sehr schlechter bildungspolitik. aber da die herrn politiker ja wissen das es nicht nur zustimmung für diese art verwendung von steuergelden gibt, die alt bekannte politikerargumentation: das zieht investoren an, meher steuereinnahmen usw. usw., und am ende ist die ganze sache noch ein ökonomischer erfolg. wer es glauben möcht, bitte schön ! Beispiel: Kultuhauptstadt 2010, dort wird genauso argumentiert. oder die fußballweltmeisterschaft, trotz millirdenkosten verkauft uns herr schäuble die ganze veranstaltung als wirtschaftlichen erfolg. armes deutschland, arme politiker !!!
03:53
Düsseldorf und Köln werden dem Ruhrgebiet niemals Pfründe zukommen lassen und wenn, dann fällt Duisburg wieder allen in den Rücken...!!
20:23
an WAHRsager:
6 Beweise der Schreibkenntnis,
sicher stilprägend, gleich mitgeliefert?
Übrigens haben „die Leistungsträger dieser Region die Bayern per Länderfinanzausgleich von der Alm gelockt; zwecks Industrieansiedlung.
Wenn der Bayer nichts retournieren mag, darf der UnWahrplärrer diesen gerne verunglimpfen.
Ist er auch so ein Bankmanagementverbrecher, der sich für `nen Leistungsfuzzi hält oder nur normal verdorben?
16:00
komisch,für die renovierung von schulen haben die kein geld,aber für sowas sind millionen da!
15:59
Es mag zustimmen,d ass Hartz IV-Em,pfänger nicht unbedingt zur Zielgruppe der Besucher von Kultureinrichtungen zählen (oft vermutlich mangels Sprachkenntnis und/oder Intelligenz). Wohl aber ist es so, dass diese Kultureinrichtungen dazu beitragen, duie Leistungsträger unserer Gesellschaft ins Ruhrgebiet zu holen. Diese finanzieren übrigens mit ihren Steuern die Sozialleistungen für Schmarotzer & Co.
15:31
@1848 K20? Was hat Ddorf mit dem Pott zu tun???
12:44
Ich denke auch, dass das Ruhrgebiet und NRW insgesamt öffentliche Investitionen in Kultur benötigt. Dazu gehören moderne Bauten, die auch Widerspruch erzeugen. Zumindest sind sie ein Ausdruck der Modernisierung der Region und des Landes. Die Kreativwirtschaft ist ein Standbein im Strukturwandel und schafft Arbeitsplätze. So können öffentliche auch private Investitionen nach sich ziehen. Natürlich sind Fehlentwicklungen nicht gänzlich auszuschließen wie in anderen Bereichen auch. Nur in eine moderne Region und in ein modernes Land wird investiert. Deshalb glaube ich, dass die Investitionen des Landes gerechtfertigt sind. Dabei gebe ich meinem Vorkommentator recht: Notwendige Investitionen sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es gibt genügend Einsparungspotenzial, wie der Bund der Steuerzahler alljährlich dokumentiert.
10:57
Sind es nicht? Mal dagewesen, um die Besucherschlangen, die sich zumindest bei außerordentlichen Ausstellungen, vorm Folkwang, K20, Museum Ludwig etc. zu erleben (und zu ertragen)?
Dieser Artikel kann nur viel Widerspruch und Kritik provozieren.
So auch Wowereit, der wohl nicht sein ganzes Berlin kennt. Man mag ja auch in Marzahn, Gropiusstadt oder Weissensee einzigartige, spannende Architektur erkennen. Tiefe Ödnis und Traurigkeit befällt mich, wenn ich durch diese Zonen gehe. Auch eine Art von kulturerlebnis.
Kunst muß irgendwann auch die Frage stellen, wie kann der Mensch besser leben. 30% der Essener Kinder sind indirekt Hartz4 abhängig? Um dieses Problem anzugehen (auch das der Jugendkriminalität und des Rechtsradikalismus), braucht es kreativität. Die nicht darin besteht, Ausgaben für Kultur gegen Ausgaben für (andere) soziale Leistungen auszuspielen.
Doch genau das wird passieren. Hier. Auch in diesen folgenden Kommentaren:
10:55
Kunst und Kultur für wen. Bitte für die Mehrheit der Bevölkerung im Ruhrgebiet.
Kultur und Kunst für die Malocher, das sind nämlich Wähler, gelle?