Nichts für Pfennigfuchser
05.06.2009 | 18:52 Uhr 2009-06-05T18:52:00+0200
So könnte es geklungen haben, das letzte tiefe Einatmen eines mörderischen Tyrannosaurus Rex, bevor er auf seine Beute losstürmte.
Die beiden posaunenartigen Metalltrichter schlürfen bis zu 250 Liter in jeder Sekunde auf, vier Turbolader mit ihren Überdruckablässen und 16 Zylinder mit 64 Ventilen zischen und zischeln um die Wette. Man muss dieses Auto gar nicht fahren, das Ansauggeräusch alleine macht süchtig, wenn man nur ein Promille Benzin im Blut hat. Näher dran waren die Ohren nie als bei der dachlosen Version dieses Märchens von einem und tausend PS. Ob es Ettore Bugatti gefallen würde, dass der Veyron seine Initiale trägt?
FP statt EB wären eigentlich die richtigen Buchstaben. Ohne die Macht und wohl auch ohne das Geld von Ferdinand Piëch ist dieses Auto nicht denkbar. Als VW-Vorstandsvorsitzender skizzierte er der Legende nach die Grundzüge des W-förmigen Monstermotors auf eine Serviette und steckte einen hohen dreistelligen Millionenbetrag – mindestens – in die Wiedererweckung der toten Marke und die Entwicklung des Veyron. Sein Volkswagen-Konzern sollte alles haben, vom Ein-Liter-Auto bis zum 40-Tonner und eben zum Supersportwagen.
Das alte Bugatti-Anwesen in Molsheim wurde gekauft, restauriert und zur Manufaktur für den – ausnahmsweise passt die malträtierte Bezeichnung einmal – Boliden. Den ersten über 400 km/h schnellen „FP” schenkte der milliarden-schwere Porsche-Enkel seiner Frau. Als VW-Aufsichtsratsvorsitzender hielt Piëch seine Hand über das mit jedem Auto Verlust bringende Projekt, das, darf man ohne große hellseherische Kraft unterstellen, bei einer Machtübernahme von Porsche durch Wendelin Wiedeking sofort genussvoll eingestellt worden wäre.
Trotz Nettopreisen weit über einer Million Euro ist Bugatti mit 300 Veyron Coupé 150 Grand Sport genannten Cabrios kilometerweit von so etwas Stupidem wie Rentabilität entfernt. Ein Autoverrückter verwirklicht seine Idee, koste es, was es wolle. Das ist der Stoff, aus dem Träume entstehen. Ferrari, Rolls und Royce, Bugatti, Porsche haben nicht primär Autos gebaut, um Geld zu vermehren. Pfennigfuchser bauen ein T-Model oder einen Cayenne.
Der Veyron hat 1001 PS, verbraucht 18 bis 80 Liter, ist unglaublich schnell, beschleunigt wie ein Stein im freien Fall und fliegt über 400 km/h schnell. Er ist ohne Quälerei fahrbar und nicht so hart wie die meisten Gölfe beim Tuningtreffen am Wörthersee. Vor allem hat der Veyron Stil und ist unprätentiös, wenn man von der PS-Anzeige im Cockpit einmal absieht. Ettore hätte er gefallen. (gh)

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