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Afghanistan

Neue Wahl mit alten Problemen

21.10.2009 | 15:02 Uhr

Berlin. Es ist eine Wahl mit alten Problemen - und bei der Entscheidung zwischen dem Amtsinhaber Karsia und dem herausforderer Abdullah drohen Anschläge und Manipulationen.

Vor acht Jahren ist der Westen angetreten, die Afghanen aus dem Würgegriff religiöser Fanatiker zu befreien und ihnen die Demokratie zu bringen. Bekommen haben sie einen Bürgerkrieg, in dem von Amerika geführte Truppen nach der militärischen allmählich auch die moralische Überlegenheit einbüßen. Vor dem Hintergrund ist die Stichwahl zwischen den Rivalen um den Kabuler Präsidentenpalast – Amtsinhaber Karsai und Herausforderer Abdullah – nur eine neue Hiobsbotschaft.

Diese Wahl ist nicht Ausdruck eines wirklichen Kopf-an-Kopf-Rennens. Sondern der Beweis für massivste Einflussnahme des Westens, der der von Lug und Trug geprägten ersten Wahl das Etikett „unbedenklich” geben will.

Doch nichts spricht dafür, dass die Stichwahl transparenter und weniger anfällig für Manipulationen wird. Die Sicherheitslage hat sich seit dem Sommer, als die Wahlbeteiligung schon gering war, verschärft. Viele Afghanen werden nicht noch einmal ihr Leben für einen Wahlzettel riskieren, der sich wertlos anfühlt. Selbst wenn die Nachwahl ein klareres Ergebnis zeitigen sollte, wird keine innenpolitische Stabilität gedeihen. Was aber die zentrale Voraussetzung ist, unter der die internationale Truppengemeinschaft gesichtswahrend den Abzug vom Hindukusch rechtfertigen kann.

Haben Karsai und die ihn tragende Volksmehrheit der Paschtunen nun das Nachsehen, stehen viele Zeichen auf Bürgerkrieg. Nicht rosiger sind die Aussichten, sollte Abdullah, Vertreter der Minderheit der Tadschiken, gewinnen. Die Lage ist heillos verkorkst. Auch, weil der Westen nicht einsehen mochte, dass einer an Stammesritualen geschulten Gesellschaft nicht mal eben ein demokratisches Modell übergeholfen werden kann. Zynische Konsequenz: Die gefährlichsten Globalisierungsverächter werden die Profiteure des Debakels sein. Denn wer will den Taliban noch widersprechen, wenn sie nach dem schmutzigen Gezerre um die Wahl der Demokratie jede Kraft absprechen?

Dirk Hautkapp

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