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Neonazis in NRW besonders umtriebig im Netz

14.08.2009 | 17:15 Uhr
Neonazis in NRW besonders umtriebig im Netz

Berlin. Rechtsextreme nutzen für ihre Propaganda immer häufiger das Internet und sprechen dabei gezielt Jugendliche an. Dass Neonazis hinter den bunten Inhalten stecken, ist oft nicht erkennbar. Aus NRW kommen die meisten Angebote.

Neonazis nutzen das Internet immer intensiver und  geschickter, um ihre rechtradikalen Botschaften  an Jugendliche  heranzutragen. Allein im Jahr 2008 verdoppelten sich die  ausgespürten rechtsextremen Beiträge im Netz auf mehr als 1500. Ein  Schwerpunkt der Internetaktivitäten geht von NRW aus. Das geht aus  der am Freitag vorgestellten aktuellen Untersuchung von  jugendschutz.net hervor. Jugendschutz.net wird getragen von den  Jugendministerien der Bundesländer und von der Bundeszentrale für  politische Bildung.

"Sie nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0, um menschenverachtende  Inhalte zu verbreiten und Jugendliche mit Videos und Musik zu  ködern", sagte am Freitag Stefan Glaser, Leiter des Arbeitsbereichs  Rechtsextremismus von jugendschutz.net. Neonazis gründeten soziale  Netzwerke für Gleichgesinnte im Internet, in denen sie ungehindert  gegen Minderheiten hetzen und demokratiefeindliche Thesen verbreiten  könnten.

Symbole aus der Jugendszene

Im Jahr 2008 spürte jugendschutz.net im Internet 1707 Szene-Websites  auf, so viele wie noch nie seit Beginn der Arbeit im Jahr 2003. Dabei  gingen die Neonazis immer geschickter und professioneller vor, sagte  Glaser. Ein Trend ziehe sich durch alle Bereiche: Rechtsextreme  sprächen mit bunten Websites, Symbolen aus verschieden Jugendszenen  und griffigen Slogans vor allem junge Internetsurfer an. Verstärkt werden professionell gemachte Videos eingesetzt und aktuelle Musik  eingespielt. Glaser: "Für Neonazis sind Videos und Musik inzwischen  das Propagandainstrument Nummer Eins."

Vielfach versteckten sich Rechtsverdächtige hinter neutralen oder  sogar der linken Szene zuzuordnenden Symbolen. Angeboten werden aber  auch Stundenpläne für Schüler, Vorlagen für Sprayer und  Verkaufsplätze für Devotionalien aus der Neonaziszene.

Intensiv genutzt wird das Internet auch von rechtsradikalen  Kameradschaften, die sich unter anderem mit Freizeitangeboten an die  Jugendlichen wenden. Von den 321 im Jahr 2008 dokumentierten Websites stammten die meisten (51) aus NRW. Besonders aktiv waren  die Kameradschaften auch in Niedersachsen und Bayern mit 23 und 22  Internetangeboten.

Nach wie vor im Internet vertreten ist auch die NPD mit 190 Websites. Die meisten NPD-Angebote kamen wiederum mit 30 Seiten aus NRW vor Bayern (29) und Sachsen mit 27 Seiten. Laut jugendschutz.net  sind auch die NPD-Website immer besser gemacht und bieten Links zu  zahlreichen rechtsradikalen Inhalten. Jugendschutz.net geht daher  von einem regelrechten Neonazi-Netzwerk im Internet aus.

Wie beim Hase-und-Igel-Spiel

Wie beim Hase-und-Igel-Spiel gelingt es den Internet-Fahndern immer  wieder, rechtsradikale Internetseiten sperren zu lassen. Das Geschäft  wird aber schwieriger, weil sich die Neonazis immer besser tarnen  und haarscharf entlang der Legalität bewegen und fast tägliche neue  Internetportale eröffnen. Die meisten entdeckten Verstöße bezogen  sich auf Hinweise auf verfassungswidrige Organisationen.  Volksverherzende Aussagen fielen in 25 Prozent der Verstöße auf.  Holocaust-Leugnungen spielten mit fünf Prozent nur eine geringe  Rolle.

Gemeinsam mit Google/YouTube sei es  2008 gelungen, 1500 rechtsradikale Seiten und Inhalte sperren oder  entfernen zu lassen. "Das sind 80 Prozent der auffälligen Seiten",  zog Glaser eine Erfolgsbilanz. In zwei Fällen konnten sogar zwei  neonazistische Download-Portale im Ausland komplett gelöscht werden.

Lothar Klein

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