Nackedeis im Kindergarten - Stadt zieht Konsequenzen
25.11.2008 | 19:57 Uhr 2008-11-25T19:57:00+0100
Duisburg. Nachdem bekannt wurde, dass Kinder in einem Duisburger Kindergarten in einem Raum unbekleidet spielen durften, schlagen die Wogen hoch. Experten sprechen von einem „Grundbedürfnis”. Auch Doktorspiele seien etwas ganz Normales.
Weil ein paar Kinder in einen Walsumer Kindergarten nackt herumgetollt sind und das Personal eine pädagogisch umstrittene Lösung gefunden hat, steht der Kindergarten vor einem Scherbenhaufen. Und nicht nur das: Seither jagt ein Gerücht das andere, jedes ist schlimmer als das vorhergehende – getreu dem Sprichwort „Bös Gerücht nimmt immer zu, gut Gerücht kommt bald zur Ruh.”
Da ist von Pornofilmen die Rede, die da gedreht worden sind. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Ebenso wurden keine Fotos gemacht. Gestern hat sich auch der Ausländerbeirat der Stadt damit beschäftigt. Dessen Vorsitzender will nun vermittelnd eingreifen.
Es geht darum, dass Mitarbeiter das Bedürfnis einiger Kinder nach Nacktheit so handhabten, dass man ihnen einen Raum dafür zur Verfügung stellte. Es wurden aber nicht alle Eltern informiert, sondern nur die, deren Kinder ihn benutzten. Das öffnete den abenteuerlichsten Spekulationen Tür und Tor bei den nicht Beteiligten.
Noch keine Abmeldungen
„Jahrelang ist da exzellente Arbeit gemacht worden und jetzt das.” Für den Duisburger Jugendamtsleiter Thomas Krützberg ist das Ganze ein Dilemma, aus dem er nicht so leicht herauskommt: „Wir müssen das Vertrauen wiedergewinnen.” Zwar hätten auch am Montag 70 der 120 Eltern ihre Kinder nicht zum Kindergarten geschickt, aber Abmeldungen habe es keine gegeben: „Sie wollen wohl abwarten.” Zwar hat er jetzt die Kindergartenleiterin beurlaubt, aber wie es weitergeht, werde erst später entschieden. Es sei auf alle Fälle ein Fehler gewesen, nicht alle Eltern einzubeziehen und sich nicht mit der Jugendamtsleitung abzustimmen. Aber eins steht für ihn fest: „Es wird kein Einknicken vor der öffentlichen Meinung geben, wir beugen uns nicht dem Druck der Straße.”
Der Druck nimmt zu
Dass die Nacktheit und Doktorspiele unter Kindern indes weder schädlich noch ungewöhnlich sind, bestreiten Fachleute überhaupt nicht. Sie stellen aber einen zunehmenden Druck konservativer und/oder ausländischer Gruppen fest. Thomas Weyand, heute Familientherapeut im Kinderschutzzentrum Essen, kennt Fälle aus seiner Zeit als Erzieher, als „Eltern am Zaun vor dem Kindergarten standen und genau beobachteten, was im Planschbecken geschah.”
Nackt herumlaufen zu wollen, ist für Kinder, so Weyand „ein Grundbedürfnis”. Er rät allerdings, schon bei der Anmeldung im Kindergarten die Eltern darauf aufmerksam zu machen, um Kindern später Konflikte zu ersparen, wenn sie von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden müssen, weil Eltern die Nacktheit ablehnen: „Wenn sich die Eltern bekriegen, werden die Kinder in solchen Konflikten zerrieben.” Er mahnt zu mehr Gelassenheit im Kindergarten, auch wenn es für das eine oder andere Kind nicht leicht sei: „Anpassung gehört mit in die Entwicklung. Es ist nicht gut, wenn Eltern das zu sehr begrenzen. Ich wünsche mir, dass mehr Offenheit da wäre.”
Natürlich und normal
Dieter Greese, Landesvorsitzender des Kinderschutzbundes NRW und früher Leiter des Essener Jugendamtes, wundert sich: „Dass Kinder im Kindergartenalter sich ihres nackten Körpers freuen, ist ein völlig natürliches und deshalb normales Verhalten. Es ist schon erstaunlich, was Erwachsene da alles hineinprojizieren.”
Im Forum von DerWesten wird das Thema heftig von betroffenen Eltern und interessierten Lesern diskutiert:
Zur Diskussion: Tumult im Kindergarten - Übertrieben?
Für Greese ist der Konflikt der Gesellschaften zwar nicht unbekannt, aber er mahnt: „Wem Religion und Kultur Nacktheit vor Fremden verbietet, der darf die anderen, für die Kindernacktheit wesentliches Element der Sinnesentwicklung ist, nicht behindern oder gar ausgrenzen.”
Für das Personal, so Greese, sei das „die schwierige Aufgabe von Differenzierung einerseits und Integration andererseits.” Er wünscht sich mehr Solidarität zwischen den Eltern, da die Kindergärten nicht auf Rosen gebettet seien: „Da wäre Elternunterstützung sicher hilfreicher als Streit.”

02:31
Herr Aksakal wurde SEINE Moralvorstellungen allgemeinverbindlich machen. Nicht andere wollte IHM IHR Verständnis von Liberalität aufdrücken. Ich glaube, das sollte noch mal klar benannt werden!
02:28
@otto_99: Es gehört nach Ihrer Ansicht nicht zu einer deutschen Tradition, dass sich Kinder nackt in einem Kindergarten bewegen dürfen? - Woher wissen Sie das bitteschön? Wir haben doch unterschiedliche Traditionen in Deutschland: neben den rechten und konservativen eben auch liberale, linksliberale, ordoliberale und linke. Wir waren plural, trotz aller Differenzen. Der Begriff Pluralität scheint aber den muslimischen Eltern nicht geläufig. Und die konservativen Eltern unterstützen die auch noch! Hey! Wir hatten einmal eine Demokratie!
09:10
@112 Otto99
Wenn du schon von Traditionen redest, was gehört denn dazu???? Was willst du sagen?
Außerdem: Was haben nackte Kinder unter sich selbst, und zwar nur unter sich selbst denn mit Saunen und Badestränden zu tun? Welchen Bogen versuchst du hier zu spannen? Im Kiga sind sie ja wohl vor den Blicken von fehlgesteuerten Erwachsenen geschützt, in den von dir angeführten Institutionen definitiv nicht, habe ich selbst mitbekommen, deswegen für mich NoGo mit Kindern. Was interpretierst du in nackte Kinder hinein? Aus eigener erziehender Erfahrung weiß, die Nackedei Phase kommt, sie geht, und gut ist. Einige Kinder haben sie im heimischen Planschbecken, einige im Garten, und wo diese Möglichkeit fehlt, mein Güte eben dann im Kiga. Unser Kind eben drauf angesprochen konnte sich noch nicht einmal dran erinnern, scheint also keine Schäden verursacht zu haben. Welche auch? Ich sehe eher die positiven Seiten, dass der Körper als natürlich angesehen wird, und nicht als zu versteckendes, sich drüber zu schämendes Objekt. Die natürliche Scham entwickelt sich ja spätestens in der Pubertät selbst, und das ist auch gut, da natürlich. Deswegen brauch aber nicht mit der traditionell-soziologischen Keule herumgeschwungen werden nach dem Motto: Das war früher auch so! Wenn alles so wie früher wäre, rückwärts gerichtet, überleg mal wie du dann Grüßen müsstest, deine demokratischen Rechte wären definitiv nicht vorhanden, deine Frau dürfte nicht wählen etc.
Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich fordere keine Nackedeis in KiGas, aber wenn die Kinder es wollen, dann ist es für mich ok. Gerade wenn es in einem solchen beschützten Rahmen wie dem hier beschriebenen passiert. Ich für mich finde es eine Schande, dass ein KiGa aus solch nichtigem Grund geschlossen wird, und die Mannschaft in alle Winde zerstreut wird. Wenn tatsächliche Missstände mit solcher brutaler Konsequenz angegangen würden, könnte ich es Verstehen. Hier wird mit Kanonen auf Kolibris geschossen, es erinnert mich teilweise an die Inquisition, nur dass es hier nicht eine Kirche ist, die die Taten ausführt, sondern eine durch eine demokratisch gewählte Stadtregierung eingesetzte Verwaltung. Absolut unverständlich für mich!
Slarti
07:52
@111 Slarti
Durch viel verquasten Schmarren wird die Situation auch nicht richtiger: Es gehört nicht zur deutschen Tradition, daß Kinder nackt in einem Kindergarten herumlaufen. Laß mal den ganzen Migrationsquatsch weg. Wir können uns gerne über Prüderie und das Verhalten in Saunen oder am Badestrand unterhalten. Da bin ich auch sehr locker. Aber dieser Kindergartenfall hat da überhaupt nichts mit zu tun.
23:08
@ ilkmann:
Glaubst du den braunen Mist, den du hier verbreitest, wirklich? Du reitest hier ein Pferd, dem du absolut nicht gewachsen bist. Was willst du eigentlich sagen? Es hört sich so ein bißchen an wie: Ich bin noch ein bißchen rückständig, habe ganz krude Gedanken, wenn ich nackte Kinder sehe, und beschützt mich bitte davor, weil ich selbst damit nicht umgehen kann! Du reißt Statistiken aus dem Zusammenhang, nur um dein Weltbild zu zementieren. Was soll das? Deine Vorfahren oder du selbst sind nach hierhin gekommen, weil ihr in eurem Heimatland (ein Begriff, mit dem ich Schwierigkeiten hab) nicht die Zukunft gefunden habt/haben, die man sich von ihm erwartet. Deswegen wurde ein anderes Land gesucht, um eine positive Perspektive zu haben. Es wurde nicht umsonst ein Land mit einer liberalen humanistischen Orientierung gewählt, unter anderem deshalb, weil in solchen Ländern die privatwirtschaftlichen Perspektiven deutlich besser sind als in Ländern mit dogmatisch/religiös geprägten Strukturen. Nur werden auf einmal Rufe aus Teilen dieser wirtschaftlichen Nutzniesser laut, die Strukturen des Ursprungslandes, welche mitverantwortlich für das wirtschaftliche Darniederliegen sind, auch hier einzuführen. Quasi als Rechtfertigung für das eigene integrative/assimilierende Versagen. Reicht es nicht, dass das Ursprungsland seine eigenen Bewohner vergrault und zum Auswandern aus wirtschaftlichen Gründen nötigt? Muß das Zielland diese Struktur übernehmen, um genau so zu scheitern? Die Hispanos in CAN oder den USA versuchen sich den Verhältnissen im Zielland anzupassen, und dessen Chancen zu nutzen, anstatt sich auf eine historomantische Sichtweise des Ursprungslandes zu beschränken, und den Tritt in den Allerwertesten zu verdrängen, den einem das Ursprungsland verpasst hat. Und dazu gehört auch ein anderer Umgang mit religiös/dogmatischen Sichtweisen. Versteckt euch nicht immer hinter eurem Migrationshintergrund, sondern werdet endlich positiv für die Gesellschaft, in die sich eure Eltern oder ihr selbst euch entschieden habt, zuzuwandern, tätig! Dazu gehört auch ein liberalerer Umgang mit den Institutionen, w. z.B. Kindergärten, gemeinschaftlicher Sozialisation, eigener Religion usw.
Slarti
11:56
Gerade hatten wir ihn noch in der Klausur: den Widerspruch zwischen der individuellen Entfaltung und den Ansprüchen der Gesellschaft. Bereits vor sechzig Jahren forderte Reich in seiner Kritik an Freud die freie Lust-und Triebbefriedigung des Menschen. Ein Thema offenbar, das damals wie heute weite Kreise zieht. Und recht hat Reich doch – der Mensch muss sich entfalten können, sonst verkümmert seine Seele! Warum also dem Drängen der Gesellschaft nachgeben und sich Normen und Werten beugen, die ohnehin nur beengen? Schafft Kuschelräume an Gymnasien an! Gründet Wichszimmer in Bürogebäuden! Lasst Teenager doch knutschen und fummeln und lasst Krabbelkinder nackig spielen! Wer wird denn in Zeiten zunehmenden TV-Voyeurismus‘ und fortschreitender sprachlicher Verrohung noch prüde sein? – K. und A. (GK13 Pädagogik)
11:54
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09:52
Irgendwie scheint mir die Berufsbezeichnung Erzieherin falsch gewählt. Denn 5 Kindern einen Raum zur Verfügung zu stellen damit sie weiter ihren Vorlieben frönen können, statt sie von ihrem Ausziehdrang in der Öffentlichkeit abzubringen, ist in meinen Augen das Gegenteil von Erziehung.
09:37
Ergänzend zu #94
>>>wdr Lokalzeit Duisburg, Zitat Anfang >>>
Thomas Krützberg, Jugendamt Duisburg: „Nach den Sommerferien gab’s einige Kinder - fünf bis sechs Kinder, die sich immer wieder auf den Toiletten ausgezogen haben und dann nackt durch die Kindertageseinrichtung gelaufen sind.
Die Erzieherinnen wollten diesem Problem damit entgegenen, dass sie für diese Kinder einen extra Raum geschaffen haben, in den sie sich zurückziehen und in dem sie sich nackt ... bewegen konnten.“
Die Wut vieler Eltern kann der Leiter des Jugendamts verstehen. Die Reaktion der Erzieherinnen, seiner Meinung nach völlig falsch.
Thomas Krützberg, Jugendamt Duisburg: „Man hätte den Kindern sofort sagen sollen, dass sie sich anziehen sollen. Man hätte eine Kollegin mit einer entsprechenden Fachausbildung zur Kleinstkindsexualität ... in die Einrichtung holen können, man hätte auf jeden Fall mit den Eltern sprechen sollen, aber einen solchen Raum einzurichten war sicherlich das Falscheste.“
<<<Zitat Ende<<<
( www.wdr.de/mediathek/html/regional/2008/11/24/lokalzeit-duisburg-kindergarten.xml )
Ein als Notbehelf initiiertes Sonderprogramm Nacktheit, das ohne entsprechende Fachkräfte über Monate hinweg lief, bei dem Startpunkt, Umfang und Vorkommnisse sich nun nur mühsam aus einem Nebel auskristallisieren lassen.
Das ist ein Schlag ins Gesicht all der Erzieherinnen, die sich Tag für Tag Mühe geben, um den Kindern qualifiziert und verantwortet einen guten Start ins spätere Leben zu ermöglichen, die Sexualpädagogik mit Sorgfalt betreiben und dafür sehr viel an Geduld, Gesprächen und Verständnis investieren, um das in sie gesetzte Vertrauen der Eltern auch zu rechtfertigen.
Es ist niederträchtig, wenn die Verantwortlichen sich weiter hinter Erziehungskonzepten und Wohlwollen verstecken wollen, anstatt ihre Leichtfertigkeit und dilettantische Fahrlässigkeit offen einzugestehen. Denn so schaden sie den Konzepten und zehren von einem Vertrauensbonus, auf den all die anderen Erzieherinnen nicht nur angewiesen sind, sondern den die anderen sich auch redlich verdienen, weshalb sie mit dieser Unredlichkeit nicht zusammengebracht werden sollten.
09:01
@ An alle
Und diese deutsche Kultur soll mein Kind genießen, mit solchen Erziehungsmethoden?!
es wird niemand gezwungen!!
Der Gedanke, dass im Kindergarten ein separater Raum zur Verfügung gestellt wird, damit die Kinder dort nackt rumflitzen, ist zugegebenermaßen irgendwie befremdlich. Im Sommer hätte ich dafür Verständnis, wenn es den Kleinen ermöglicht wird, in Badeklamotten(!) rumzutoben, aber muss das wirklich im Winter sein? Zu welchem pädagogischen Zweck soll das dienen?
Es IST leider in der heutigen Zeit so, dass es immer mehr geisteskranke Pädophile gibt und es ihnen durch solche Aktionen meiner Meinung nach vereinfacht wird. Wie einer meiner Vorposter schon erwähnt hat: demnächst brauch das Kind nicht mehr durch Süßigkeiten angelockt werden, sondern durch: Komm, wie spielen Nakidei?! Mir schauderts bei der Vorstellung!
Und zum Thema Integration, welches hier eigentlich nicht passt: Integration ist immer so eine Sache. Man kann nicht behaupten, dass Integration nicht angeboten, bzw. ermöglicht wird (siehe Moscheebau beispielsweise), die Frage ist nur, ob Integration seitens der Migranten gewollt ist, bzw. angenommen wird.