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Weißes Haus

Mrs. Robinson

11.09.2009 | 16:52 Uhr
Mrs. Robinson

Washington. Nach der Wahl von Barak Obama hat die „First Granny” ihre Koffer in Chicago gepackt und ist ins Weiße Haus gezogen.

Von sich aus hätte Marian Robinson nie die Umzugskisten gepackt, um ihr kleines Haus aus grauem Backstein in Chicagos Süd-Viertel zu verlassen, wo sie ihr Leben verbracht hatte und Tochter und Sohn aufgewachsen waren. Geradezu anflehen mussten Michelle und Barack die alte Dame, doch bitte mit in dieses andere, blitzend weiße Haus an Amerikas prominentester Adresse zu ziehen. „Wonderful”, wunderbar, sei ihr neues Leben, schwärmt Misses Robinson. Amerikas 71-jährige „First Granny” genießt den Ortswechsel, seit sie nach der Wahl des Schwiegersohns zum 44. US-Präsidenten in den Amtssitz an der Pennsylvania Avenue gezogen war und dort ein Appartement im dritten Stock gleich über der Präsidentenfamilie bezogen hat.

So häufig geht sie inzwischen aus, ins Theater oder zu Konzerten, dass die Obamas ihren Stundenplan um den Terminkalender der „Granny-in-Chief” herumbasteln und Nannys für die Betreuung der Kinder anheuern müssten, erzählte Tochter Michelle sichtlich amüsiert. Nur die beiden Enkelinnen zu hüten, wie Barack und Michelle sich das anfangs gedacht hatten, füllt Misses Robinson längst nicht aus. Gelegentlich, bekannte die „First Oma” in einem ihrer seltenen Interviews, komme sie sich schon überflüssig vor.

Das wiederum würden die Obamas, Eltern wie Enkelinnen, heftig bestreiten. Sasha (8) und Malia (11) hängen an ihrer Großmutter, die früh Witwe wurde und sich aufrieb, damit aus ihren eigenen Kindern etwas Vernünftiges wurde. Das ist ihr gelungen. Für Obama ist die eigene Schwiegermutter ohnehin eine der „unbesungenen Helden” seines Wahlkampfes, ohne deren Unterstützung sein Triumph nicht möglich gewesen wäre. Während des 22 Monate langen Präsidentschaftswahlkampfs, als Barack und Michelle das Land kreuz und quer durchpflügten, nahm sie die Mädchen unter ihre Fittiche, kündigte ihren Job als Sekretärin, um Spaghetti zu kochen und Kuchen zu backen, überwachte die Hausaufgaben, fuhr Malia und Sasha zu Klavier- und Tanzstunden und las am Ende des Tages Gute-Nacht-Geschichten vor. Dass ihre Mutter einsprang, hatte Michelle zur Bedingung gemacht, als Barack sich anschickte, Amerikas erster schwarzer Präsident werden zu wollen.

Dass die Oma mit einzieht, gab es in der Geschichte des Weißen Hauses schon öfter. Doch erstmals leben in der Villa drei Generationen unter einem Dach. Die Obamas schreiben damit einen Trend fort, der in den USA von Jahr zu Jahr zunimmt. 3,6 Millionen Senioren lebten 2008 zusammen mit Kindern und Enkeln.

Joachim Rogge

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