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Motor Show zeigt die schnellsten Porsche der Welt

27.11.2009 | 19:59 Uhr
Motor Show zeigt die schnellsten Porsche der Welt

Dortmund/Essen. Die Motor Show startet an diesem Wochenende zum 42. Male in Essen. 400 Aussteller aus 14 Nationen sind laut Veranstalter dabei. Zu den Aushängeschildern der Tuningszene im Ruhrgebiet gehört 9ff, die ultimative Porsche-Verschnellerungsfirma. Doch die Messe kämpft ums Überleben.

Aus Bottrop kommen die veredelsten Daimler, aus Dortmund die schnellsten Porsche: 409 km/h. Auf einer Ruhrgebietskarte des Automobiltunings findet sich genau zwischen den beiden Polen Brabus im Westen und 9ff im Osten D & W in Bochum-Wattenscheid, der in die Pleite gefahrene Billigausrüster. Und das Gelände der Essener Motor Show, die heute für das Publikum öffnet, liegt symbolträchtig in der Mitte zwischen Bottrop und Bochum. Da weiß man noch nicht, wo die Reise hingeht.

Jan Fatthauer (42) baut die schnellsten straßenzugelassenen Autos der Welt hinter dem Dortmunder Flughafen, gefühlt schon in Unna. In seiner Werkshalle kann man vom Boden essen, und in der Ecke steht die Espressobar. Draußen parken Porsche aus ganz Europa, meistens in Rennweiß lackiert. Der goldene Neunelfer vom Sohn des Bürgermeisters von Kiew sticht heraus.

Riesige "Drei" bleibt diesmal geschlossen

Jan Fatthauer mit Fahrzeugtechniker Daniel Schimmeyer Foto: Dennis Straßmeier/WAZ FotoPool

Die Motor Show kämpft wie viele andere Messen auch ums Überleben: In den „ungeraden” Jahren, in denen zehn Wochen zuvor die große IAA das Interesse nach Frankfurt lenkt, war es immer schwerer für den Automobil-Standort Essen. Innerhalb von nur zwei Jahren hat man alle großen Hersteller als Aussteller verloren - außer Skoda. Die riesige „Drei”, eine der schönsten Messehallen Deutschlands, 2005 extra für die Show gebaut und dafür unter Bürgerprotest vom direkt danebenliegenden Gruga-Park abgezwackt, ist diesmal geschlossen. Das wirkt so, als hätte Schalke die Nordkurve schließen müssen.

Fatthauer hat ein simples Erfolgsrezept: Er kauft nichts zu und macht alles selbst. Und er macht es so, wie es ihm, dem geborenen Porsche-Fan, selbst gefällt. Wem sehr schnell nicht schnell genug ist, ist in der Rüdigerstraße an der richtigen Adresse. Von 5000 (Auspuffanlage plus Chiptuning) bis – netto! – 695 000 Euro (Geschwindigkeitsweltrekordhalter GT9) reicht das Angebot.

Für die Gründung suchte Fatthauer ein zweites „F”. Eine Neun und die zwei kleinen Buchstaben dahinter erinnern seit 2001 an Porsches legendäre Ziffernfolge 911. Der damalige Mitnamensgeber Herr Frei ist aber längst Geschichte. Das zweite F wird heute gerne Frau Fatthauer, Vorname Frauke, zugeschrieben.

30.000 Euro Standgebühr

9ff steht dank der Ziffer vorweg als erstes Unternehmen im Inhaltsverzeichnis des VDAT. Nur 40 von 120 Mitgliedern im Verband der deutschen Automobiltuner stellen dieses Mal auf der 42. Motor Show in Essen aus. Letztes Jahr hatte für Fatthauer dessen russischer Importeur die 30 000 Euro Standgebühren bezahlt. Diesmal stehen zwei „ffs” auf dem VDAT-Gemeinschaftsstand, zwei weitere als Blickfang bei anderen Unternehmen. In der großen Halle des VDAT kaschiert eine Ferrari-Show die Freiflächen.

18 Mitarbeiter beschäftigt Jan Fatthauer, der auch als Familienvater noch sonntagmorgens Abnahmefahrten macht, bei denen sich die Tachonadel der 400 nähert. Zum Beginn seiner Karriere arbeitete er bei den Großen der Branche. Als junger diplomierter Fahrzeugingenieur eben bei Brabus, danach beim bayerischen Porsche-Spezialisten Ruf. Dass der Bremer in Unna hängen blieb, ist ein Zufall, der mit zwei F zusammenhängt: Freundschaft und Frau.

80 Porsche, fast alles „Elfer”, schleuste er im vergangenen Jahr durch seine Werkstatt. 60 waren es im Jahr davor, und die Steigerungsrate bleibt auch in der allgemeinen Krise hoch. Viele offizielle Geschwindigkeitsweltrekorde bringen ihm PR und Kunden, jüngst auch einen Importeur in China.

Zurück zu den Ursprüngen als Szene-Treff

Hinter den Kulissen sind die Macher der Motor Show ausgewechselt worden. Der verdiente Messegründer und -organisator Wolfgang Schöller wird bei der gestrigen Eröffnung mit warmen Worten und Videobildern aus besseren Messe-Tagen von seinem Nachfolger verabschiedet. Offiziell will man zurück zu den Ursprüngen als Szene-Treff des Motorsports. Aber außer Timo Glock kommt kein Formel-eins-Fahrer nach Essen. 2009 ist eben „ein Übergangsjahr”, so Messe-Geschäftsführer Egon Ganinnis illusionslos. Nächstes Jahr wird die neue Mannschaft Vollgas geben. Vor den Hallen auf der Norbertstraße soll als neue Attraktion eine Kurzrennstrecke entstehen. Dort gilt es dann, 9ff schlagen zu können. Und Dortmund, denn da wird es auch noch eine Konkurrenzveranstaltung geben.

Gerd Heidecke

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