Das aktuelle Wetter NRW 13°C
BDI-Umfrage

Mittelstand watscht die Bundesregierung ab

07.06.2009 | 10:30 Uhr
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab

Essen. Die Unzufriedenheit im deutschen Mittelstand mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung hat stark zugenommen. 55 Prozent der Betriebe beurteilten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Frühjahr 2009 als schlecht bis sehr schlecht.

Konjunkturpakete hin, Milliardenbürgschaften her: Immer mehr mittelständische Betriebe sind schwer enttäuscht vom Krisenmanagement der Bundesregierung. Nur noch elf Prozent stufen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als gut oder sehr gut ein, wie aus der aktuellen Mittelstandumfrage vom Bundesverband der Deutschen Industrie BDI hervorgeht. Beim letzten Mittelstandspanel im Herbst 2008 waren es noch 28 Prozent.

Gleichzeitig stufen rund 55 Prozent des Betriebe die Lage als schlecht oder sehr schlecht ein, nach 28 Prozent in 2008. Mit einer raschen Trendwende rechnen die zwischen März und Mitte Mai befragten Firmen nicht. Die deutsche Industrie gehe „von einem krisen- und wahlkampfpolitischen Stillstand aus, und auch von dem Ausgang der Bundestagswahl im September 2009 erwarten die Unternehmen keine kurzfristigen Impulse”.

Unternehmen stellen kaum noch ein

Die Enttäuschung im Mittelstand kann Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK, nur zum Teil nachvollziehen. „Der Bund hat auch vieles richtig gemacht”, sagte Treier der WAZ im Hinblick auf das 100 Milliarden Euro schwere Bürgschaftsprogramm bei der staatlichen KfW-Bank. „Der Staat muss nun aber die Regeln einhalten und wieder als Schiedsrichter agieren anstatt als Spieler.” Soll heißen: Der Bund müsse genau darauf achten, ob ein Betrieb die erforderlichen Kriterien für eine Bürgschaft erfüllt, anstatt diese aufzuweichen. Andernfalls befürchtet Treier Wettbewerbsnachteile für Betriebe, die keine Hilfen bekommen – verbunden mit deren wachsender Unzufriedenheit.

Indes sieht es für Arbeitssuchende nach dem BDI-Panel derzeit düster aus. Nur etwa jedes sechste Unternehmen hat freie Stellen, im Herbst waren es noch 36 Prozent. Ein Licktblick: Trotz der Krise versuchen die Betriebe zu 70 Prozent, ihre Fachkräfte zu halten und weiterzubilden.

Keine Kreditklemme, aber auch keine Investitionen

Um eine zweite gute Nachricht aus der BDI-Studie zu filtern, bedarf es einer gewissen Portion Galgenhumor. „Die Umfrage deutet auf keine Kreditklemme hin”, schlussfolgert die Umfrage und steht damit im Gegensatz zu anderen Spitzenverbänden der Wirtschaft. „Im Maschinen- und Kfz-Bau oder der Metallerzeugung sehen wir derzeit große Verspannungen”, sagt etwa DIHK-Chefvolkswirt Treier.

Die Erklärung für die vermeintlich positive BDI-Nachricht ist ernüchternd: Wenn Firmen weniger investieren, dann müssen sie auch weniger Geld ausleihen. So wollen nur 19,6 Prozent der befragten Unternehmen im laufenden Jahr mehr investieren. 43,1 Prozent hingegen wollen den Ausgaben-Gürtel enger schnallen.

Daniel Freudenreich

Facebook
 
Kommentare
09.06.2009
03:51
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von dasKollektiv | #27

@25
mangels Bildung können viele aber nicht Christlich und Sozial unterscheiden, wobei ich bei Ihnen eine Schwäche zwischen Sozialismus und Sozial anerkenne,
Deshalb heißt das ja auch unChristliche DU mittlerweile im Volksmund und aSoziale PD..

09.06.2009
03:41
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von Topsi | #26

Herr Roland Koch (Verzeihung) Klose sollte doch zumindest ein wenig bedenken, dass die großartigste Idee der Nachkriegszeit, eine Partei mit einem christlichen Namen zu gründen, gerade bei einer Europawahl eine ganz besonders durchschlagende Rolle spielt. Jedes Kind lernt schon im Kindergarten, in der Grundschule, in allen folgenden Schulen usw. etwas über das Christentum. Wann dagegen erfahren Kinder und Jugendliche etwas über Sozialismus, falls sie nicht in der eigenen Familie im Bekannten- und Freundeskreis oder durch derartig angehauchte Lehrerinnen und Lehrer damt konfrontiert werden? Von der im Kindesalter eingebläuten christlichen Lehre bleibt unwillkürlich etwas im Hinterköpfchen hängen was man mit dem Satz: Ein Christ ist ein guter Mensch, zusammenfassen kann. Dabei ist es m. E. eine Tatsache, dass in anderen Parteien sehr oft viele Miglieder sind die sich christlicher benehmen wie manche Mitglieder von sogenannten christlichen Parteien.

08.06.2009
13:27
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von kuba4711 | #25

@23 Roland Klose .Gute Analyse.

08.06.2009
11:09
Blockierter Kommentar.
von robert.salzmann | #24

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.06.2009
11:06
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von Roland Klose | #23

Europa hat gewählt und die SPD mutiert mit ihrem Kanzlerkandidaten Steinmeier zur 20%-Partei. Warum? Die Rolling Stones der SPD - S t e i n meier und S t e i n brück - haben abgewirtschaftet und sind unglaubwürdig geworden. Steinbrück wollte übrigens bis 2011 einen ausgeglichenen Haushalt hinlegen, stattdessen rettet er die Monopoly-Banken mit 500 Milliarden € aus dem Steuerseckel, er führt Bad Banks ein und hält aber gleichzeitig Steuersenkungen für normale Bürger zur Ankurbelung der Wirtschaft für nicht mehr machbar. Steinmeier, der neue Bruce Willis der SPD, will dagegen die ganze Welt retten - vor allem Groß-Unternehmen, die unter Managementfehlern bzw. der schwersten, hausgemachten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 leiden und dabei gerne das Kapital ihrer Eigner zulasten des Steuerzahlers schonen möchten. Da hilft der SPD im Hinblick auf die Bundestagswahl 2009 auch kein Münte-Effekt mehr. Müntefering ist mit der Agenda 2010 und den Hartz-IV-Gesetzen schon lange nicht mehr glaubwürdig, da dies mit sozialer Gerechtigkeit absolut nichts zu tun hat. Die sog. Ein-Euro-Jobs, welche lt. § 16 Abs. 3 SGB II zusätzlich und im öffentlichen Interesse stehende Tätigkeiten für Empfänger von Hartz IV sein sollten, ersetzen in der Praxis mittlerweile immer mehr reguläre Vollzeitjobs. Daher kann ich das schwachsinnige Gerede der SPD von den branchenbezogenen Mindestlöhnen für mehr soziale Gerechtigkeit nicht mehr hören. Der Mindestlohn liegt de facto bei einem Euro! Was ist denn außerdem an branchenbezogenen Mindestlöhnen wirklich sozial gerecht, wenn einzelne Branchen wie z. B. die Gastronomie und die Mini-Jobber davon völlig unberücksichtigt bleiben und z. B. bei den Postzustellern für die Post AG und die privaten Zusteller zwei völlig unterschiedliche Mindestlöhne gelten? Kein Mensch versteht mehr die SPD! Deshalb wird die SPD am 27. September 2009 auch ein ähnliches Desaster wie bei der Europawahl erleben und Gott sei Dank mal wieder in die Opposition gehen, wo sie hingehört. Dann kann und muss sie sich programmatisch endlich erneuern, was dringend erforderlich ist. Adios, SPD!

07.06.2009
19:02
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von K.Wermer | #22

pf

07.06.2009
17:44
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von nichtversteher | #21

Der Herr zu Guttenberg hatte recht. Seine Meinung,
Opel in die Insolvenz zu führen, war richtig.
Die SPD fordert Hilfen für Arcandor, die Sozialheuchler zegen erneut, daß Sie unwählbar
sind.

07.06.2009
13:25
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von kuba4711 | #20

Die Watschen des Mittelstandes hätten möglicherweise mehr politische Durchschlagskraft ,wenn das Prinzip der Mitbestimmung der Belegschaften stärker verfolgt werden würde und man die Mitarbeiter mehr am Gewinn beteiligen würde.
Auch könnte der Mittelstand bei Verhandlungen mit den Einkaufsabteilungen der Grosskonzerne viel vom Prinzip der Arbeiterbewegung -nämlich Solidarität - lernen.

07.06.2009
09:29
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von PeterPeisert | #19

@Auch der Mittelstand hat vielfach über seine Verhältnisse gelebt.

Wer arbeitet, der weiß, dass sowas höchstens wenige Monate möglich wäre. Für längeres Unfug-Treiben reicht die Substanz nicht aus.

@Jetzt soll er nicht nach dem Staat rufen.

Es geht eher darum, nicht mehr ständig vom Staat beklaut zu werden - zum Alimentieren irgendwelcher Pleitekombinate mit überlauten Betriebsräten.

07.06.2009
07:24
Mittelstand watscht die Bundesregierung ab
von verkauft und verraten | #18

Die Politiker sind das Marionettentheater der Wirtschaft.

Auch die mittelständischen Firmen sind genauso raffgierig gewesen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/355910/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.