Mit Mütze, Turnschuhen und Sonnenbrille
02.03.2009 | 18:43 Uhr 2009-03-02T18:43:00+0100
Düsseldorf. Viele Splittergruppen der Neo-Nazis zeigen ein anderes Auftreten: Statt in Springerstiefeln kommen sie auf Turnschuhen. Rechtsextreme Taten nehmen in NRW zu, so der Verfassungsschutz.
Die nordrhein-westfälischen Verfassungsschützer beobachten seit einigen Jahren mit zunehmender Sorge die rechtsextreme Szene – besonders im Ruhrgebiet.
Denn vor allem im östlichen Revier, im Großraum Dortmund/Hamm), erstarkte eine als gewalttätig eingeschätzte Splittergruppe der Neonazi-Szene: Die sogenannten „Autonomen Nationalisten”. Sie sind äußerlich nicht als Neonazis zu erkennen, sondern kapern Motive und Kennzeichen der jahrzehntelang in Westdeutschland agierenden „Autonomen Linken”.
Zahl der politisch motivierten kriminellen Taten gestiegen
Die rechtsextremen, meist jungen Männer zwischen 16 und 23 Jahren, kleiden sich wie die Linksextremisten ganz in Schwarz: Mit Kapuzenpullis, Mützen, Sonnenbrillen und Turnschuhen – kein Rechtsrock, keine Glatzen, keine Springerstiefel. Die Rechten sehen Demonstrationen als „Ereignis mit Spaßcharakter” und treten dort als „schwarzer Block” auf, der jederzeit zu Gewaltattacken bereit ist – auch gegen Polizisten.
So stieg nach dem jüngsten Zwischenbericht des NRW-Verfassungsschutzes die Zahl der politisch motivierten kriminellen Taten (Volksverhetzungen, Propaganda, Beleidigungen, Körperverletzungen) von 1357 im 1. Halbjahr 2007 auf 1636 – ein Plus von über 20 Prozent. An echten Gewalt-Straftaten von Rechts registrierte der Verfassungsschutz eine Steigerung von 16 Delikten auf 91.
Blitzschnell über das Internet organisieren
Die Autonomen Rechten sind in keiner rechten Struktur, etwa in einer Kameradschaft oder in der rechtsextremen Partei NPD, eingebunden – und daher schwierig von Verfassungsschützern zu beobachten. Im Gegenteil: Die NPD lehnt die gewalttätigen Schwarzen ab. Das Innenministerium schätzt die Zahl der Rechts-Autonomen auf 100 bis 150 in ganz NRW, die etwa 20 lose Gruppen bilden. Die jungen Männer organisieren sich aber vornehmlich blitzschnell übers Internet.
„Wir machen uns Sorgen, dass es bei Demonstrationen zu mehr Gewalt kommt. Zudem ist diese Organisationsform als Schwarzer Block für junge Leute attraktiv – ein erlebnisorientiertes Demonstrieren, das Jugendliche anspricht”, so Hartwig Möller, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes.
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