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Integration zu Wasser

Mit dem Strom

15.02.2009 | 18:10 Uhr

Essen. Wenn Burka auf Bikini trifft: Berlin debattiert über den Burkini, das Ruhrgebiet schweigt und schwimmt. Damit die Integration nicht baden gehe, üben sich die Bäder ja längst in Toleranz – die meisten jedenfalls

Was ist „angemessen”? Eine Frage, die man philosophisch verstehen kann, theoretisch, im Kontext von Zeit und Kultur – oder eben praktisch. So wie Otto Kallies vom Duisburger Sportamt, der das Wort Burkini noch nie gehört hat und sich doch bestens auskennt mit muslimischen Schwimmanzügen: „In den 90er-Jahren, da hatte mal eine Schülerin in einem türkischen Geschäft einen Sportanzug gekauft”, erinnert er sich. Ulkig sah der aus. Die Schwimmeister waren unsicher, Kallies aber entschied: Klar darf „das Mädel” schwimmen damit im städtischen Bad. „Und heute heißt das also Burkini?”

Otto Kallies dient dieser Geschichte als die knödelige, unkomplizierte Stimme des Reviers. Wollen Sie die anderen wirklich noch hören?

Nicht angemessen

In Duisburg beschwerten sich unlängst muslimische Frauen: weil ein Sechsjähriger seine Mama in die Damendusche begleiten wollte. Er wusch sich schließlich allein unter Männern – und unter Geheul. In Heiligenhaus musste eine verhüllte Muslima im vergangenen Sommer das Freibad verlassen – Badegäste hatten sich beschwert. Ebenso protestierten Patienten im vergangenen Winter im schicken Gelsenkirchener Rehazentrum Medicos Auf Schalke: Hier seien Musliminnen in „nicht angemessener Kleidung” ins Becken gestiegen.

Geht die Integration baden?

Info
Burkini-Test in Berlin

Den ersten „Burkini” (Kofferwort aus Burka und Bikini) entwarf die libanesische Designerin Aheda Zanetti in Australien als eine Art Sportanzug mit integrierter Haube, der ganz aus Kunstfasern gefertigt ist: zieht nicht runter, klebt nicht am Körper – auch nicht, wenn frau dem Becken entsteigt.

Rund 3000 Burkinis verkaufe sie im Monat, so Zanetti. Ihre Modelle bedienen jeden Grad der Frömmigkeit, von weit geschnitten bis sportlich-eng.

Seit Dezember testet Berlin den Burkini: Sportsenator Körting und die Berliner Bäder erlauben den Anzug – zunächst allerdings nur zu den Frauenschwimm-Zeiten. Dass das Badepersonal kontrollieren soll, ob darunter nicht etwa Unterwäsche getragen wird (unhygienisch!) hat in Internet-Blogs für Erheiterung gesorgt.

In der Türkei übrigens ist der Burkini an vielen Stränden verboten. Die moderne Elite des Landes fühlt sich gestört durch den Anblick.

Der Integrationsbeauftragte des Landes NRW, Thomas Kufen, taucht ab aber bei dieser Frage: „Zum Thema Bademode äußert sich die Landesregierung nicht. Das liegt in der Verantwortung der örtlichen Politik und der Bäder.” Die Städte entscheiden darüber in ihren Badeverordnung.

Um Nachsicht bitten

Und schwimmen eben doch, meistens, mit dem Strom. In Duisburg, Essen, Bochum, Gelsenkirchen dürften Frauen im Burkini in die städtischen Bäder – wenn sie denn kämen. Auch im privaten Maritimo-Bad in Oer-Erkenschwick wären sie willkommen, betont Geschäftsführer Ibrahim Özcan. Und wenn Gäste sich gestört fühlten? „Wir leben im 21. Jahrhundert, wir sind tolerante Menschen – da würde ich um Nachsicht bitten.”

Was ist angemessen? Antwort eins: „Eine lange Hose und ein langes T-Shirt, fusselfrei und nicht im Alltag getragen” – so lautet der Spagat zwischen Therapie-Alltag und Spitzensportler-Exklusivität im Gelsenkirchener Medicos. „Es ist normal, dass wir in der Reha ausländische Patienten haben”, sagt Medicos-Pressesprecher Hans Oehl: Die Kursleiter müssten die Bad-Etikette „im konstruktiven Gespräch” durchsetzen.

Wasserdichte Lösung

Was ist angemessen? Antwort zwei: „Badeanzug oder Bikini”, sagt Holger Brembeck, Bäderchef in Heiligenhaus. Und Punkt. Doch halt: Bis April laufe nun im Heljensbad ein Pilotprojekt, an zwei Sonntagabenden im Monat sind Frauen hier unter sich. Mit im Boot ist die Awo. Eine wasserdichte Lösung. Abgeschaut von Bädern in Essen, Duisburg, Bochum, die Frauenschwimm-Zeiten anbieten.

Schlafanzüge und Kleider

Allein unter Frauen sind auch die weit über 100 Mitglieder im Schwimmverein Muslimische Frauen Herne, die sich seit 1996 im Solbad Wanne-Eickel treffen. Samstags von acht bis zehn Uhr, sagt Vorsitzende Aslan Nevin – „viel zu wenig Zeit!” 60-Jährige haben schon den Sprung ins warme Wasser gewagt bei ihr, und, sie redet sich in Fahrt: Lebensrettend könne es sein, schwimmen zu können – „wenn meine Kinder ins Wasser fielen!” Mehrfach hat Nevin vorgesprochen beim Sport- und Bäderamt, allein, die Zeiten sind halt so und knapp bemessen für alle Vereine. Ob sie nicht doch unter Männern schwimmen würden, verhüllt vielleicht? Aslan Nevin lacht: „Das ist einfach unbequem.”

Und womöglich sogar gefährlich, gibt Monika Schmidt zu bedenken, Pressesprecherin im Gelsenkirchener Sportparadies: „Kleidung, die sich mit Wasser vollsaugt, wird sehr schwer.” Burkinis seien erlaubt, weil sie leichter seien. „Schlafanzüge nicht.”

Schlafanzüge? Auch in Rheinhausen teilt man ja das Problem: Dass manche Frau auf die Frage, was angemessen sei, ihre ganz eigene Antwort findet. „Unterwäsche, Kleider, Jogginganzüge”, zählt eine Schwimmeisterin auf, hätten schon beim Frauenschwimmen am Donnerstag ins Wasser gewollt – und nicht gedurft. Das sieht auch Otto Kallies so. Ein Problem? „Die Frauen wollen doch auch schwimmen! Was soll man machen?”

Vielleicht ein eigenes Bad bauen. „Wäre doch schön, wenn es eins gäbe für muslimische Bürger – als Marktlücke würde sich das für einen Investor sicher lohnen”, meint Ibrahim Özcan, der Bäderchef in Oer-Erkenschwick. Auch er ist schon gefragt worden, ob er nicht Frauenschwimm-Zeiten einrichten könne. Doch der gläubige Moslem in ihm verlor gegen den Geschäftsmann Özcan: „Wir sind ja ein Privatbad. Das rechnet sich nicht.”

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Britta Heidemann

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Kommentare
22.05.2009
11:29
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #31

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.05.2009
06:31
Blockierter Kommentar.
von daniel.otto | #30

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22.02.2009
09:37
Mit dem Strom
von runningvalentino | #29

In einem Dortmunder Hallenbad sind unlängst Jugendliche mit Schlabbershorts aus dem Bad katapultiert worden. Hinweis des Bademeisters: die Shorts sind unhygienisch. Diese Aussage fand seinerseits meine volle Unterstützung. Sollten jetzt aber diese Ganzkörperverhüllungen in einem Bad unserer Republik toleriert werden, dann stellen besagte Badehosen ein ganz, ganz triviales Problem dar.

Mein Gott Deutschland, müssen wir uns denn wieder in das 19. Jahrhundert zurück entwickeln?

Wenn immer mehr antiquierten Vorstellungen nachgegeben wird, dann kann es keine Integration geben. Oder werden wir uns demnächst alle wieder zum Baden vermummen?

Ein ungläubiger , schwimmender

runningvalentino

16.02.2009
18:03
Mit dem Strom
von koko1954 | #28

Kann man nicht Badezeiten nur für Muslime einführen? Dann brauchen wir uns diese Mumien nicht ansehen.
Und das Gesicht muß auch verdeckt werden.
Komisch immer trifft es dort die Frauen.
Warum verhüllen sich die Herren nicht.
Ich glaube die Paralellgesellschaft ist vollendet.

16.02.2009
15:47
Mit dem Strom
von gerdtrudchen | #27

Ist doch wohl ein Witz. Als meine Tochter einen Schwimmkurs besucht hat, durften die Mütter aus hygienischen Gründen, das Schwimmbad nur in Badekleidung betreten, obwohl wir nur am Rand gesessen haben. Wie unhygienisch ist es dann erst wenn die muslimischen Frauen in voller Montur ins Wasser gehen. Wer soll denn nachprüfen, ob die die die Klamotten nicht schon eine Woch anhatten und dann lustig zu uns ins Wasser springen? Oder sind Bakterien von Muslimen zu tolerieren und die von Christen nicht?

16.02.2009
13:42
Mit dem Strom
von meineich | #26

Was sagt unser Integrationsminister Armin Laschet wohl zum Burkini, der sowieso meiner Meinung nach auf der ganzen Linie mit seiner Politik versagt hat, was man noch vor kurzem geschönt lesen konnte.

16.02.2009
12:58
Mit dem Strom
von sligon | #25

Genau Leute, Rückständigkeit, Mittelalter, relihionswahn sind die richtigen beschreinungen.
Ich könnte mir vorstellen, wenn ich auf so eine Ganzkörperkondomträgerin im Schwimmbad treffe, dann werden meine Frau, meine Tochter und ich uns nackt ausziehen, baden und mal gucken, ob Allahs Blitz die Muslima erschlägt weil sie nackte Menschen gesehe hat.

16.02.2009
12:56
Mit dem Strom
von Violett | #24

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einer Frau tatsächlich Spaß macht, mit so einem Anzug zu schwimmen. Mit Integration hat das nichts zu tun. Jemandem seinen Glauben lassen, in Ordnung, aber sobald man sich im öffentlichen Sektor bewegt, erwarte ich Anpassung. Hier mit einem Ganzkörperstoffanzug schwimmen zu gehen ist ja so, als würde man mit Gummistiefeln in die Hasseler Moschee rennen.

16.02.2009
11:35
Mit dem Strom
von boboy | #23

Deutschland ist halt angepasst und verschliesst sich nicht den Gefühlen anderer. Hier denkt man halt an die Zukunft und die liegt bei der jetzigen Politk im Mittelalter. Darum ist es doch nur vernünftig sich schon mal den Geflogenheiten der zukünftigen Herrscher hier anzupassen, ausserdem gibt das Wählerstimmen und man will ja auch noch im Mittelalter weiter regieren.
Laso bei der nächsten Wahl, Augen auf und das Kreuz richtig setzen. Ich bin für eine Zukunft die nicht im Mittelalter liegt. Integration ist eine Bringschuld und muss eingefordert werden. Mit Sicherheit für mehr Sicherheit ProNRW.

16.02.2009
11:02
Mit dem Strom
von nics | #22

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