Maurice, komma bei Mama!
24.04.2009 | 20:29 Uhr 2009-04-24T20:29:00+0200
Der Akademiker-Sohn heißt Alexander, das Arbeiterkind Justin. Wenn Namen sprechen könnten...
Mein Gott, Walter!
Kürzlich schüttelten wir verwundert den Kopf: Das SPD-Personal sprach von einem Kanzlerkandidaten namens Frank Steinmeier. Aus wahlkampftechnischen Gründen solle der altmodisch wirkende Walter verschwiegen werden, meldete die Presse (dem ist allerdings nicht so). Frank Steinmeier klinge lebenspraktischer, weil kürzer und knackiger. Dabei stünde ein Walter jemandem, der Kanzler werden will, gut zu Gesicht, stammt er doch aus dem Althochdeutschen und bedeutet „walten, herrschen”.
Namen sind eben nicht Schall und Rauch, schon gar nicht der Vorname. Namen machen Leute. Eben darum suchen ihn junge Eltern mit Sorgfalt aus, in den letzten Jahren vielleicht ein wenig zu sorgfältig. Heute soll sich der Vorname von der Masse abheben, die Zukunftsambitionen für den Nachwuchs widerspiegeln, gemeinsam mit dem Nachnamen eine Balance bilden. Die Blüte dieses sprießenden Trends zur Individualisierung sind Mädchen, die Cosma-Shiva heißen oder Söhne namens Lütke.
Kevin, hömma!
Soziologisch betrachtet ist die Namensgebung äußerst interessant. Man meint: Kindernamen verraten viel über Papas Gehalt. Beweisbar ist das nicht, denn es gibt keine amtliche Namensstatistik in Deutschland. Die Standesämter reichen lediglich die 30 häufigsten Vornamen weiter.
Tendenzen gibt es dennoch: Die Oberschicht wählt vor allem klassische und religiöse Namen, etwa Anna oder Katharina. Die „Unterschicht” bevorzugt anglo-amerikanische und exotische Namen, wie sie auch oft Prominente tragen. Justin ist hier zuhause oder auch eine Joyce, seit neuestem auch Paris und Jason. Für dieses Phänomen hat die Wissenschaft die netten Begriffe „Kevinismus” und „Chantalismus” gefunden.
In ländlichen Regionen halten sich noch regionale Spezifika. Fast ausgestorben ist es dagegen, Namen nach dem Heiligenkalender zu vergeben, so wie es im katholischen Rheinland lange Tradition war.
Winnetou Koslowski
Das Recht der Vornamensregelung ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt – es handelt sich um ein reines Gewohnheits- und Richterrecht. Einige Kriterien muss ein geeigneter Vorname dennoch erfüllen.
Er muss: eindeutig männlich oder weiblich sein (Ausnahme: Toni, Sascha, Robin, Andrea gelten zum Beispiel für beide Geschlechter. Maria dürfen auch Jungen als Zweitname tragen). Ferner darf der Name nicht dem Kindeswohl schaden (wie Judas) und keine religiösen Gefühle verletzen (wie Jesus).
In den letzten Jahren kämpften Eltern vor Gericht um möglichst ausgefallene Versionen. Pepsi Carola, einst abgelehnt, wäre heute vielleicht möglich. Der Vorname Winnetou ist seit 1975 zugelassen. Deswegen dürfen Sie auch getrost folgenden ollen Kalauer erzählen: „Ein Mann spricht eine hübsche Frau an: „Wussten Sie, dass Indianer und Polen den besten Sex bieten?” Nein? „Gestatten: Winnetou Koslowski.”
Mein Name ist Hans
Wie sind denn nun Vornamen eigentlich entstanden? Fakt ist: Je weiter man geschichtlich zurückguckt, umso kleiner ist die Zahl der Vornamen. Manche Familien nannten all ihre Kinder Hans, es gab dann Klein-Hans, Groß-Hans, Dick-Hans. Hans stammt von Johannes und tatsächlich trug jeder dritte Mann eine Variante dieses Namens. Das weibliche Pendant war Katharina, die meist als Käte auftauchte.
Hinzu kommen Modenamen. Ein Klassiker ist Friedrich-Wilhelm. Heute nennt kaum einer sein Kind Angela nach Merkel oder Gerhard nach Schröder, aber die Preußen-Herrscher waren die Namenspaten für das Gros ihrer Untertanen.
Diese Moden wiederholen sich, so werden die Namen der jetzigen Urgroßeltern wieder modern: Fritz, Emma, Lina, Paul erleben eine Renaissance.
Einsamer Pumuckl
Die Anzahl der Vornamen explodiert, 5400 verschiedene Namen wurden etwa in Frankfurt am Main im Jahr 2008 vergeben, vor 50 Jahren verzeichnete die Stadt vielleicht 2000 Versionen. Das liegt zum einen an Migranten, die ihre Kultur im Vornamen ihres Kindes fortführen. Vietnamesische, albanische, türkische Namen gab es in Deutschland jahrelang nicht.
Zum anderen gibt es einen starken Trend, seinem Kind einen außergewöhnlichen Vornamen zu geben. Jeden Tag berät Gerhard Müller von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden werdende Eltern. Er frage die Eltern oft, wo sie diesen Namen denn gefunden hätten. „Aus dem Internet”, lautet meist die Antwort. Er findet: „Die Eltern gehen nicht mehr nach der Herkunft oder der Bedeutung. Oft zählt nur der Klang des Namens.”
Im Prinzip aber gilt: Über die Hälfte der vielen, vielen neuen Namen gibt es in ganz Deutschland nur ein Mal. So lebt hier ein einziger Pumuckl und ein einziger Anakin, die hoffentlich so sind, wie ihre Eltern sie wollten: außergewöhnlich.

15:59
Stimmen tuts ja leider. Anakin finde ich garnicht mal schlecht, muss ich sagen.. nach einem großen Filmhelden darf man schonmal benannt werden..
Bin allerdings ganz froh mit meinem eigenen, recht seltenen und nicht hirnrissigen Namen..
07:56
haben wir in diesen zeiten nichts wichtigeres als diesen unsinnige studie zu erforschen
armes deutschland
14:30
Schlimm, schlimm... zu diesem Thema habe ich mir auch schon Gedanken gemacht
http://ohrenporno.wordpress.com/2009/08/25/gehts-noch/
15:23
Unser Sohn heißt Anakin und ist super glücklich darüber!!!! Aber ob er der einzige ist????? Der Große heißt robin und die kleine Nell.
11:27
Wer wissen möchte, woher die Begriffe Kevinismus und Chantalismus kommen, kann dies im folgenden Link erfahren:
http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kevinismus
21:49
Haben die Eltern von Pumuckl noch das Sorgerecht?
Ich glaube, das Kind wird für alles vor Gericht mildernde Umstände bekommen ..
Und nur einen Anakin?
Das erstaunt mich jetzt etwas ..
PS: Mein Name war bei den ersten 12 Christen dabei, ist also religiös, somit Oberschicht.. jetzt muss ich nur herausfinden, wo die Eltern die Mio. gebunkert haben .. soll heissen, man kann sich mit Überinterpretationen auch lächerlich machen ..