Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Deutsche in der Türkei

Lobbyarbeit als Brückenschlag

04.08.2008 | 20:44 Uhr

Istanbul. Christine Senol gründete einen Verein, um Verbindung zwischen den Kulturen zu schaffen. Ein Brückenschlag zwischen Deutschland und der Türkei.

Brücken kommt immer symbolische Bedeutung zu. Besonders in Istanbul, einer Stadt, die vom Wasser gleichsam getrennt und vereint wird. So nennt sich auch ein Verein, der Verbindungen schafft zwischen deutscher und türkischer Kultur „die Brücke”. Gegründet hat ihn Christine Senol.

„Ich bin ein halber Türke, aber auch eine halbe Deutsche”, sagt die 61-Jährige, die seit 30 Jahren in der Türkei lebt. Und sie hat ein so sympathisches Lächeln, man mag kaum glauben, durch welche schweren Zeiten sie gegangen ist. Sie selbst hat ihr Schicksal stets vor Augen, nach wenigen Minuten schon zeigt sie auf eine Fotografie in ihrem Wohnzimmer. Es zeigt sie mit ihrem türkischen Mann und dem Sohn. Beide hat sie verloren, den Jungen an einen Unfall, ihren Mann an eine Krankheit.

Eine Lobby für in der Türkei lebende Deutsche

Aufgegeben hat Christine Senol jedoch nie. Sie gründete eine Firma, trotz ihres schwierigen rechtlichen Status als Witwe, und führte das Unternehmen durch schwierigste Wirtschaftskrisen. Heute hat sie 60 Angestellte und ihre Mode für große Größen unter dem Labelnamen Christine Cotton Club wird in der ganzen Türkei verkauft.

Erfolgreich ist auch der Verein, den Senol mit Gleichgesinnten gründete. Etwa 500 Mitglieder hat „Die Brücke” inzwischen, den monatlichen Rundbrief beziehen doppelt so viele. Von Anfang an ging es nicht allein darum, deutsches Brauchtum zu pflegen, sondern auch Informationen weiterzugeben und Lobbyarbeit zu leisten für in der Türkei lebende Deutsche.

Alle fünf Jahre eine neue Aufenthaltsgenehmigung

Dabei war Christine Senol, die aus Bayern stammt, als sie sich 1975 in einen türkischen Arzt verliebte und blieb, eine Exotin. Heute leben laut Deutscher Botschaft in Ankara rund 5000 Deutsche in der Türkei, inoffizielle Schätzungen reichen weit über 20 000 hinaus, Tendenz steigend.

Auch wenn das Arbeitserlaubnisrecht 2003 novelliert wurde, viele Schwierigkeiten sind geblieben. „Ich brauche seit 30 Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung”, sagt Senol. Alle fünf Jahre, wenn der Pass abläuft, muss sie auch diese beantragen. So sehr sie das Leben hier liebt, in dieser „unwahrscheinlich faszinierenden Stadt voller Energie”, es ärgert sie. Und sie kämpft weiter: für eine doppelte Staatsbürgerschaft, mehr Rechte für Einwanderer und – das würde vieles erleichtern – den Brückenschlag der Türkei zur Europäischen Union.

Rusen Tayfur

Facebook
 
Kommentare
08.08.2008
23:42
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von delice | #10

Sehr bemerkenswert ist folgender Satz: „…Von Anfang an ging es nicht allein darum, deutsches Brauchtum zu pflegen…“, und das nach 30 Jahren Aufenthalt in der Türkei! Kommt nicht hier eine Verweigerungshaltung zum Vorschein?

Im Übrigen können insbesondere deutsche Ehefrauen von der doppelten Staatsangehörigkeit profitieren, wenn sie mit einem Mann aus einem muslimisch geprägten Land verheiratet ist!

07.08.2008
14:07
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von abzebra | #9

Genau! Immer diese böse Kritik! Völlig unangebracht! Und ganz und gar grundlos! Immer diese verdammten Nörgler!

05.08.2008
14:16
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von Hans Peter | #8

... Alles auf die türken zu schieben denke ich mal ist nicht sehr menschlich und nicht gerecht,obwohl die meisten schon über 40 jahre in deutschland leben.

Oder?

Ich gebe dir vollkommen Recht!
Aber Immer-auf-die-Türken/Immer-auf-die-Moslems ist doch bereits Volkssport für die meisten hier geworden.
Da wird gar nicht hinterfragt oder nachgedacht. Was? Türke? Moslem? Drauf, immer drauf!
So sieht es doch mittlerweile aus...

05.08.2008
11:18
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von Michael35 | #7

@von bernie-abg

Ich war öfters in der türkei,ein wunderbares land wie wunderbare menschen.

Ich glaube nicht das die deutschen in der türkei sozial-hilfe bekommen denn die meisten sind rentner oder gut verdienender deutsche die sich in der türkei ziemlich sehr wohl fühlen und sehr herzlich aufgenommen sind.

40% der türken sozialleistungen...ich glaub ziemlich übertrieben.

Wenn mann bedenkt das die türken 60.000 selbstständige arbeitgeber sind,und im jahr über 15 milliarden steuern bezahlen und davon nur 3 -4 milliarden an türkische mitbürger sozialhilfen,rentnern,hartz4 empfänger ausgezahlt bekommen bleiben ja noch 11-12 milliarden für die kasse laut medien berichten.
Da fragt mann sich doch was für ausgaben schon für die wiedervereinigung ausgegeben worden ist (ca 2 billionen euro laut medien berichten)und trotztem nichts davon zu sehen ist,und die meisten nach westen auswandern.

Und auch noch ca 2 millionen russland deutsche wie 1 millionen deutsch-polen nach deutschland kamen,und sie sehr viel sozialleistungen bekommen haben und immer noch bekommen(laut medien berichten) ist was die türken bekommen peanuts.

Alles auf die türken zu schieben denke ich mal ist nicht sehr menschlich und nicht gerecht,obwohl die meisten schon über 40 jahre in deutschland leben.

Oder?

05.08.2008
10:26
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von Tobi | #6

@bernie-abg:Von den Türken in Deutschland weiß man, daß ca.40% Sozialleistungen erhalten.
Was ist das wieder für eine Zahl? Woher hast du die???

05.08.2008
10:11
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von bernie-abg | #5

Hm, wieviele von den geschätz 50.000 Deutschen in der Türkei leben von der türkischen Sozialhilfe?
Von den Türken in Deutschland weiß man, daß ca.40% Sozialleistungen erhalten.

05.08.2008
07:35
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von Michael35 | #4

Naja in antalya leben ca 30.000 deutsche...in der ganzen türkei schätz mann es ca 50 tausend.

Ist schon komisch wenn mann von der türkischen regierung doppelten staatsbürgerschaft verlangt,obwohl deutsche regierung die doppelte staatsbürgerschaft auch nicht akzeptiert.

Von der hier lebenden ca 3,5 millionen türken intergration verlangt aber in türkei lebenden 50.000 deutschen es nicht verlangt wird,sogar die eigene deutsche schule,und eigene deutsche kindergarten haben.

Eine hand wäscht die andere hand,aber hier denke ich will mann nur die eine hand waschen::))

05.08.2008
04:21
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von mobel | #3

Wie viele Türken leben in Deutschland? 2,5 Mio bis 5 Mio ich glaube sogar noch mehr Bürger türkischer Abstammung ?


zwischen 50.000 und 100.000 Deutsche leben in der Türkei?

Hans Bentler, ist ja fast gleich (-:

04.08.2008
23:57
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von Hans Bentler | #2

Sollte diese Frage Frage ernst gemeint sein,ist sie absolut unrealistsch und rein polemisch zu sehen.

Gegenfrage:Wie viele Türken leben in Deutschland?
Wie viele Deutsche leben in der Türkei?

Eine korrekte Bewertung dieses Verhältnisses
beantwortet die Frage nach einer eventuellen
Privilegierung dieser oder jener Gruppe.
Die daraus zu ziehenden Schlüsse sind IQ abhängig.

04.08.2008
21:35
Lobbyarbeit als Brückenschlag
von SWISS | #1

Bei der Arbeits bzw. Aufenthaltserlaubnis geht es den in Deutschland lebenden Türken nicht anders. Warum also sollten Deutsche in der Türkei diesbezüglich privilegiert werden?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1323131/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.