Liselotte Funcke - Die große Dame grantelt noch
27.07.2009 | 15:52 Uhr 2009-07-27T15:52:00+0200Hagen. "Außer Dienst" - In dieser Serie stellt die WAZ Persönlichkeiten vor, die der nordrhein-westfälischen Politik ihren Stempel aufgedrückt haben. Dazu gehört Liselotte Funcke, die große, alte Dame der Liberalen.
Doch, doch - aufregen kann man sich auch noch mit 92. „Als die Landesregierung die Schulbezirke abgeschafft hat”, erzählt Liselotte Funcke, „habe ich mich geärgert.” Einen langen Brief habe sie auf ihrer alten mechanischen Schreibmaschine geschrieben, an den Vorsitzenden der FDP, jener Partei, der sie seit 60 Jahren angehört, und die damals „diesen Unsinn mitmachte”. Genützt hat es nichts, die Partei blieb bei ihrer Meinung. „Aber sie sollten wenigstens wissen, was ich davon halte.”
Eingemischt hat sie sich immer
Eingemischt hat sich Liselotte Funcke immer. Ihrer Karriere schadete es nicht. In der Politik hat sie fast alles gemacht. Sie saß im Landtag und im Bundestag, war Vize-Parteichefin und mischte im Fraktionsvorstand mit, sie wurde Ministerin und Vize-Präsidentin des Bundestags. Frau Funcke, gibt es ein Amt, das in dieser Aufzählung fehlt uns das Sie gerne ausgeübt hätten?
Liselotte Funcke blinzelt in die Sonne, die den gepflegten Garten ihres Hauses in der Hagener City durchflutet. „Ach, wissen Sie”, sagt sie nach kurzem Überlegen, „ich habe mich nie nach einem Amt oder Mandat gedrängt.” In die Politik sei sie „so hinein gerutscht”. Das war 1950. Liselotte Funcke, damals 32 Jahre alt, rangierte auf Platz 23 der FDP-Liste für den Landtag. „An aussichtsloser Position”, erinnert sie sich schmunzelnd. Doch dann holte die FDP nie erwartete 12,1 Prozent - was für genau 23 Mandate reichte. Die Karriere nahm ihren Lauf.
Vergangenheit nicht verklären
Liselotte Funcke, die man heute gern die große, alte Dame der FDP nennt, ist keine Frau für verklärende Anekdoten und schwelgerische Erinnerungen an alte Zeiten. Natürlich sei früher vieles anders gewesen. Die Medien. Die Politik. Die Bedürfnisse und die Ansprüche der Menschen. Es waren eben andere Zeiten. Heute ist heute. Auch deswegen mischt sie sich nur noch selten ein: „Die Welt dreht sich weiter. Man ist nicht mehr so dazwischen.”
Ausnahmen ausgenommen. Etwa, siehe oben, in der Schulpolitik, die ihr immer sehr am Herzen lag. Oder in der Migrantenpolitik. Immerhin war Liselotte Funcke zehn Jahre lang bis 1991 Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. „Die Integration der Zuwanderer hat man völlig versiebt”, hält sie mit ihrer Kritik, aber auch mit ihrer Enttäuschung nicht hinterm Berg. Alle Parteien hätten sich bei den unpopulären Thema „gedrückt. Das ist kein Ruhmesblatt.”
Sie mag keine Lobhudelei
Manchmal sagt sie ihre Meinung aber doch noch. Wenn sich der Hagener FDP-Kreisverband trifft, ist sie oft dabei. Ab und an telefoniert sie mit Guido Westerwelle oder Andreas Pinkwart. Aber das wird seltener. Mitstreiter aus ihrer aktiven politischen Zeit traf Liselotte Funcke zuletzt vor zwei Jahren beim Empfang zum 90. Geburtstag. Hans-Dietrich Genscher war da, Otto Graf Lambsdorff und Burkhard Hirsch. FDP-Chef Westerwelle sagte damals, Liselotte Funcke habe „gesellschaftspolitische Spuren” in der Republik hinterlassen. „Nun ja”, sagt die so Gelobte. Sie mag keine Lobhudelei.
Sie kümmert sich lieber um ihr neues Buch, das demnächst erscheinen soll. Es ist bereits das dritte. Nach zwei Bänden über Hagener Straßen- und Schulnamen forschte sie nun der Geschichte alteingesessener Einzelhandelsgeschäften ihrer Heimatstadt nach: „Ein Stück Kulturgeschichte.”Zeit, sich über die Politik zu ärgern, bleibt freilich immer. Etwa über die Ganztagsschulen. „Die verdienen doch den Namen gar nicht”, kritisiert Liselotte Funcke, „das sind noch nur bessere Verwahranstalten.” Gut möglich, dass sie demnächst mal einen Brief schreiben muss.
Teil 1 der Serie: Bernhard Worms - Ein rheinischer Konservativer

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19:43
Diese Frau,an ihrer Parteizugehörigkeit gemessen,ist das Beste was die derzeitige FDP zu bieten hat.Parteigenossen eines Schlages Niebel und etc.sind dieser Dame mit Sicherheit höchst suspekt..
18:32
..., bin begeistert vom Forscherdrang über die Geschichte alteingesessener Einzelhandelsgeschäfte in Hagen.
Bestimmt der noch fehlende Beitrag zur Kulturgeschichte und Ausrottung durch Konzerne.
Zumindest aber verhindert es das Nichtdenken.
Im Zeitalter der Leitartikel, Kommentare und Talkshows erhebt sich der Gedanke,
kann der Mensch selbst noch denken?
Schließlich kann der Mensch auch laufen, aber er muss es lernen, was ihm nicht gelingt, wenn er immer auf den Arm genommen wird.
In der Schule lernt man das Denken.
Wer da nicht aufpasst, muss nachdenken.
Man fragt sich, muss der Mensch heute noch denken?
Schließlich ersetzt eine Denkminute viele Gedenkminuten.
Trotzdem beginnt jeder Irrtum mit den Worten:
ich dachte ... und jedes Vergehen mit dem Satz:
ich habe mir nichts gedacht...
Es kann nicht in Abrede gestellt werden, dass der Mensch denkt.
Viele denken zuerst an sich.
Bedenken sie, wer gleich denkt, erspart sich später das Gedankenmachen.
Schieben sie das Denken nicht auf die lange Bank. Sie kann es nicht.
Übrigens, kommen viele Gedanken beim Nichtstun, haben Sie schon daran gedacht?
Natürlich kann man keine Gedanken aus Stroh spinnen.
von
B.E.R. :-{)