Liebe in Zeiten der Abschiebung
30.04.2009 | 19:11 Uhr 2009-04-30T19:11:00+0200Dorsten. Erst wurde die Nigerianerin Tina unrechtmäßig abgeschoben. Jetzt verzögern Behörden ihre Heimkehr.
Eigentlich soll die 36-jährige Nigerianerin Tina am 25. Mai wieder zurückkehren dürfen nach Deutschland, zu ihrem Ehemann Heinz-Jürgen K., der in Dorsten lebt. Die Familie wartet sehnsüchtig auf diesen Tag, zumal die Abschiebung der Frau eine lange Vorgeschichte hat.
2004 wurde Tina nach Lagos abgeschoben, weil sie sich angeblich illegal in Deutschland aufgehalten habe. Die Stadt Dorsten unterstellte ihr damals eine Scheinehe, mit der sie sich das Aufenthaltsrecht habe erschleichen wollen. Im Frühjahr 2008 unterlag die Stadt Dorsten dann aber vor dem Gelsenkirchener Verwaltungsgericht.
Die Abschiebung sei so nicht rechtmäßig. Am 25. Mai läuft nun die Frist aus, dann darf Tina nach Dorsten zurück. Doch nun verweigert die Deutsche Botschaft in Lagos offenbar den Ausreiseantrag für seine Frau, beschwert sich Heinz-Jürgen K. Die Anträge seien gestellt, sagt der 50-Jährige. Auch seitens der Stadt Dorsten habe es nach dem Urteil von 2008 keinerlei Probleme mehr gegeben.
Unnötige Verzögerungen belasten die Familie
Doch die Botschaft habe ihn wissen lassen: Der Antrag sei zu früh gestellt, man nehme ihn frühestens am 25. Mai entgegen. Der Dorstener vermutet, dass die Behörde auf diese Art Zeit schinden will. Wenn der Antrag aber erst an dem Stichtag gestellt werden könnte, würden weitere Wochen und Monate verstreichen, bis Tina endlich im Flieger sitze. „Das muss jetzt der Anwalt in die Hand nehmen”, sagt K.
Wie der Mann damals die Richter überzeugte, dass er nicht in Scheinehe lebte und seine Frau zu Unrecht abgeschoben wurde? Er schickt seiner Frau jeden Monat nachweislich 200 Euro nach Lagos, so viel kann er gerade von seinem Gehalt als Altenpfleger abzweigen. Und die Telefonnachweise belegen: Bis heute telefoniert der Dorstener fast täglich mit Tina.
K. ist zuversichtlich, dass doch noch alles gut wird mit ihm und seiner Frau. Er hat neben dem Anwalt inzwischen auch die Menschenrechtsorganisation „Amnesty international” eingeschaltet. Tina habe in Lagos inzwischen Deutsch gelernt: „Wir sprechen nur noch Deutsch am Telefon.”
Auch die Mutter des Dorsteners hofft, dass „jetzt nach sieben Jahren der Kampf endlich zu Ende ist.” Der habe die ganze Familie belastet, alle hätten sie darunter gelitten. „Sieben verlorene Jahre!” – Das sei eine lange Zeit, wenn man nicht mehr so jung sei. Und, so fügt sie mit Nachdruck hinzu, sie habe nie eine andere Frau an der Seite ihres Sohnes gesehen, wie es das Ausländeramt der Stadt Dorsten früher angeführt hatte. „Das hätte ich auch nie zugelassen!”
0mitdiskutieren