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Landarztberuf muss wieder attraktiver werden

27.03.2011 | 18:35 Uhr

Die nächsten Reformen im Gesundheitswesen werden vorbereitet. Diesmal geht es aber nicht um die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung, sondern um die Patienten, ihre Versorgung und um ihre Rechte.

Bis zur Jahresmitte will der Gesundheitsminister ein Versorgungsgesetz auf den Weg bringen, das eine gute ambulante medizinische Versorgung in der Fläche sicherstellen soll. Warum ist ein solches Gesetz notwendig, wo wir doch in Deutschland immer noch steigende Arztzahlen verzeichnen?

Die gute Versorgung ist gefährdet, da die Nachfrage nach ambulanten Leistungen aufgrund der Alterung der Bevölkerung steigen wird; gleichzeitig gibt es nicht genügend Ärzte, die sich niederlassen. Es drohen also Versorgungsprobleme insbesondere in ländlichen Gebieten, der Landarztberuf scheint nicht mehr attraktiv zu sein.

Mehr Studienplätze im Fach Medizin sind ein erster Schritt, um mehr Mediziner „auf den Markt“ zu bringen. Damit ist aber noch nicht sicher, dass die neuen Mediziner auch in die ambulante Versorgung und insbesondere in die Regionen gehen, in denen sie benötigt werden. Dies wird nur geschehen, wenn die Attraktivität des Arztberufs in den ländlichen Gebieten gesteigert wird.

Dabei spielt die Bezahlung eine wichtige Rolle. Folge-richtig wird diskutiert, Landärzten in Regionen, die von Unterversorgung bedroht sind, Zuschläge zu zahlen. Weil immer mehr Frauen den Arztberuf wählen, ist es aber auch zwingend notwendig, die Vereinbarkeit von Familie und Arzttätigkeit zu gewährleisten. Auch hier gibt es erste Überlegungen, etwa eine Entlastung der Ärztinnen während der Kindererziehungszeiten durch Assistenten.

Allerdings bestehen Versorgungsprobleme auch in den Städten. Hier geht es weniger um die Versorgung in einem Gesamt-Stadtgebiet als vielmehr um ein Verteilungsproblem zwischen attraktiven und weniger attraktiven Standorten. Dieses Problem wurde durch die Förderung Medizinischer Versorgungszentren, in denen verschiedene Ärzte zusammenarbeiten, verstärkt.

Diese Zentren werden meist an attraktiven Standorten gegründet. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dorthin auch Arztsitze aus weniger attraktiven Standorten verlagert werden. Eine solche Umverteilung sollte verhindert werden. Sitzverlagerungen sollten nur dann möglich sein, wenn die Versorgung gesichert bleibt. Das setzt aber voraus, dass die Planungsbereiche, in denen die Ärztedichte gemessen wird, kleiner zugeschnitten werden. Bisher sind es Stadt- und Landkreise – und in diesen Einheiten lassen sich die Verteilungsprobleme nur schlecht erkennen und lösen.

Mit dem Versorgungsgesetz versucht die Politik darauf zu reagieren. Dies ist insbesondere aus Patientensicht positiv zu bewerten. Wenn es dann noch gelingt, in dem ebenfalls geplanten Patientenrechtegesetz die Position der Patienten zu stärken, könnte 2011 ein gutes Jahr werden.

Dirk Sauerland



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