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Kraft fordert Rüttgers zum Streitgespräch heraus

05.08.2009 | 16:41 Uhr

SPD-Landeschefin meldet sich vom Urlaub zurück und mischt sich in den Wahlkampf ein

Düsseldorf. 20 Prozent. Hannelore Kraft kennt den Umfragewert genau, den „Forsa” soeben für das Kellerdasein ihrer Partei ermittelt hat. Zwanzig. Die SPD-Landeschefin lässt sich nichts anmerken, und vor dem Urlaub ist nach dem Urlaub: An der Zufahrt zum Landtag begrüßt sie die CDU mit einem neuen „Kraftilanti”-Plakat, und ein paar der populären Themen, die auf der Straße liegen, hat die Wahlkämpferin aufgehoben, als sie aus dem Sauerland zurückkehrt.

Zum Beispiel Bonuszahlungen für Manager – dieses Thema geht immer. Die Krise ist noch gar nicht überstanden, da macht Kraft eine „Gier-ist-geil-Mentalität” aus, die in der Wirtschaft erneut um sich greife. Konkret hat sie die Spitze der mit Steuer-Milliarden gestützten WestLB in Verdacht, schon wieder Boni ausschütten zu wollen, und verlangt von der Regierung Rüttgers, dies im Aufsichtsrat zu verhindern. „Was sollen die Mitarbeiter der Bank sagen, deren Arbeitsplätze bedroht sind?”

Zum Beispiel Komasaufen, das Kraft vornehmer „Rauschtrinken” nennt. Es sei normal, das Jugendliche testen, wo ihre Grenzen liegen, „das habe ich auch gemacht”. Doch sei es erschreckend, wie leicht junge Leute an Alkohol kommen, sagt sie, verlangt eine konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes und steuert das vermeintliche Aufreger-Thema auf landespolitisches Gelände. „Es gibt kaum noch Lehrer für Suchtprävention an unseren Schulen”, kritisiert sie. Die Regierung dürfe nicht länger zusehen.

Es läuft nicht gut für die SPD. Der Wahlkampf dümpelt im Sommerloch, die Leute sitzen im Biergarten. Kraft gibt ihr Bestes, irgendwann ist von „Licht am Horizont” die Rede. Gemeint sind Steinmeier und sein Deutschland-Plan. Vier Millionen Jobs, das sei „nicht unrealistisch”, sagt sie, verweist auf den tatsächlich großen Bedarf in der Gesundheitswirtschaft und bei erneuerbaren Energien, das Programm der NRW-SPD für eine Million Solardächer.

Dass versucht wird, ihr ein gestörtes Verhältnis zum Kanzlerkandidaten unterzuschieben, hat sie registriert. „Dummes Zeug”, tut sie das Thema ab. Im September sind vier gemeinsame Auftritte in NRW geplant, darunter in Duisburg und Herne.

Denn hier sei der „Battleground”, das Schlachtfeld, auf dem die Bundestagswahl maßgeblich entschieden werde. Auch deshalb drängt Kraft auf ein Rededuell mit Rüttgers. 40 Prozent der Stimmen gewann die SPD hier vor vier Jahren. „Es wäre schön”, sagt Kraft vorsichtig, „wenn wir das halten könnten.” Dass man im Willy-Brandt-Haus das NRW-Ergebnis acht Monate vor der Landtagswahl besonders aufmerksam analysieren wird, ist ihr klar. Doch darüber redet sie an diesem Morgen nicht.

Theo Schumacher

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